Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Der Bürgermeister übergibt den Schlüssel

Am 31. August war sein letzter Arbeitstag: Verbandsbürgermeister Werner Kölsch ist nicht mehr im Dienst.
Am 31. August war sein letzter Arbeitstag: Verbandsbürgermeister Werner Kölsch ist nicht mehr im Dienst.

Am Montag war Werner Kölschs letzter Arbeitstag. Aus gesundheitlichen Gründen hat der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hauenstein sein Amt nach fast fünfeinhalb Jahren aufgegeben. Im RHEINPFALZ-Gespräch blickte der 65-Jährige auf seine Amtszeit zurück.

Wir treffen ihn noch auf dem Rathausplatz, wo er mit einem Mitarbeiter der Ortsgemeinde Hauenstein spricht. „Leichter“, so fühle er sich jetzt, da der letzte Tag im Amt gekommen ist. Das Büro ist penibel auf-, der Schreibtisch leergeräumt, die Bilder an den Wänden, die von Kölschs großem Hobby, dem Sport, handeln, sind abgehängt. Später sollte der erste Beigeordnete Herbert Schwarzmüller zur Übergabe des Schlüssels und der Amtsgeschäfte kommen.

Was denn aus fünfeinhalb Jahren Amtszeit bleibe, wollen wir von Werner Kölsch wissen, der vor seiner Bürgermeisterzeit als Abteilungsleiter in der VG-Verwaltung gearbeitet hatte. „Es war eine ereignisreiche Zeit, die mir auch viel Lebenserfahrung vermittelt hat“, sagt er und stellt fest, „dass die Kommunal- und Verwaltungsreform (KVR) und die damit verbundenen Diskussionen um freiwillige oder erzwungene Fusion mit der VG Dahner Felsenland oder der VG Annweiler alles überlagert“ habe. Und zu diesem alles beherrschenden Thema habe sich dann auch noch Corona gesellt: „Nein, eine normale Amtszeit war es nicht.“

Größter Erfolg: Aufschub bis Ende 2022

Der größte Erfolg seiner Jahre im Chefsessel? Kölsch muss nicht lange überlegen: „Der größte Erfolg ist doch, dass es unsere VG noch gibt, nachdem Mainz doch schon zum 1. Juli 2019 und 1. Juli 2020 die Fusion vollzogen haben wollte.“ Dass das so nicht gekommen sei, habe man mit Hilfe der Gremien und auch durch den Druck der Bürgerinitiative erreicht: „Wir konnten in Mainz punkten mit dem deutlichen und klar formulierten Bürgerwillen, mit der intakten Infrastruktur sowie der finanziellen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unserer VG. So haben wir zunächst den Aufschub bis Ende 2022 erreichen. Und jetzt kämpfen wir für den Erhalt.“

Und wo sieht er die VG in fünf Jahren? „Auch 2025 wird die VG Hauenstein selbstständig sein“, ist er sich sicher. Die von Mainz aufgegebenen „Hausaufgaben“ seien zum Teil angegangen, zum Teil auf den Weg gebracht, zum Teil vollzogen. Nur: „Natürlich haben uns Corona und die damit verbundenen Einschränkungen auch dabei gebremst. Aber wir sind auf gutem Weg. Meine möglichen Nachfolger wissen, was zu tun ist, um Mainz zu überzeugen.“ Und nicht zuletzt: „2021 wird ein neuer Landtag gewählt. Keiner weiß, wie die Karten dann gemischt werden.“

Mehrheitsfindung gefragt

Mit den Fraktionen des Rats habe er „immer gut“ zusammengearbeitet. Als unabhängiger und parteiloser Kandidat war er 2014 ins Amt gewählt worden. Der Kritik, dass er sich als Verwaltungschef zuweilen zu sehr von den Koalitionsfraktionen habe vereinnahmen lassen, entgegnet er: „Ich musste Mehrheiten finden.“ Nicht konform ging er mit der Koalition in der Frage der Wiederbesetzungssperre bei der Verwaltung, die im dritten Anlauf aufgehoben wurde: „Da hat sich die Koalition als lernfähig erwiesen.“ Dass auch in der Kommunalpolitik Kompromisse „immer notwendig“ seien, das habe er im Amt „deutlich ausgeprägter lernen müssen“. Wo sie denn notwendig waren, da „haben wir sie eigentlich immer gefunden“.

Gerne hätte er intensiver an der Struktur der Verwaltung gearbeitet, aber da habe die „offene Zukunft der VG und nicht zuletzt auch Corona manches verhindert“. Hauptziel müsse sein, die Abläufe zu optimieren und Kooperationen überall dort einzugehen, wo sie möglich sind. Bei der Digitalisierung habe man gerade in Coronazeiten „Defizite erkannt“: Unter anderem sei nach wie vor „zu viel Papier im Spiel“, wo eine engere digitale Verzahnung möglich wäre. Aber: „Ohne Papier und vor allem ohne persönlichen Kontakt wird es bei allen Abläufen auch in Zukunft nicht gehen.“

Wichtig: Begegnungen mit Bürgern

Wichtig seien ihm die vielen Begegnungen mit den Bürgern gewesen: „Gleich, zu welchen Anlässen ich mit den Mitbürgern zu tun hatte: Ich hatte immer das Gefühl, willkommen zu sein“. Man sei ihm immer offen begegnet. Und er danke für die „Offenheit und Ehrlichkeit in den Gesprächen, aber auch für sachlich geübte Kritik.“ Er habe im Rat und im Gespräch mit Bürgern immer einen „lösungsorientierten Ansatz“ verfolgt: „Sagen, was geht, sagen, was nicht geht – sagen, wie ein Kompromiss aussähe.“

Einen Rat an seinen Nachfolger, der am 13. September gewählt wird, habe er nicht: „Er muss seinen eigenen Weg finden“, sagt Kölsch und freut sich auf den nun beginnenden Ruhestand: „Jetzt steht die Gesundheit an erster Stelle. Sie muss ich wieder in den Griff kriegen“, sagt er. Dabei werde ihm helfen, den geliebten Ausdauersport wieder zu intensivieren. Und viel Zeit werde er der Familie und den Familien der beiden Kinder widmen. Vom Opa werden vor allem auch die drei-, sechs- und neunjährigen Enkel profitieren. Große Reisen stehen nicht auf dem Plan: „Wir wohnen ja dort, wo andere Urlaub machen.“

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