Reifenberg
Den Bürgern stinkt’s
„Das ist kein Klärschlamm, sondern Biokompost. Das ist, was wir als Biomüll in die Tonne werfen“, erklärt der Reifenberger Bürgermeister Pirmin Zimmer. Der Gestank - bestialisch. Die Luft hat beim Einatmen Nase und Kehle gereizt, und der üble Duft setzte sich direkt in den Kleidern fest, erzählen Anwohner. „Das hat gerochen, als würde man eine Silage öffnen, die schon längere Zeit gegoren hat“, so Zimmer.
Was ist passiert?
Der ortsansässige Bauer Martin Hüther hatte am Montagabend einen Biokompost-Dünger auf seinem Feld verteilt. „Das Zeug hat sich ganz fein verteilt und seinen Duft freigesetzt“, so Zimmer. An sich ist das nicht schlimm - wäre da nicht die Hitze sowie die ungünstige Windrichtung zum Dorf hin gewesen. Gegen 19.30 Uhr war Zimmer von mehreren Anliegern über den Gestank informiert worden, eilte sofort zum Landwirt, der den Dünger auf dem Feld verteilt hatte. Mutmaßungen machten die Runde, dass es sich um verbotenes Düngemittel handelte und der Chemiekonzern BASF seinen Abfall auf dem Feld vor Reifenberg verteilt.
Zimmer bezeichnet die Gerüchte als haltlos und falsch. „Ich habe mit dem Landwirt geredet. Er hat mir erklärt, dass das Mittel legal ist und ein Zulassungszertifikat hat“, so Zimmer. Das Problem: Laut Zimmer schreibt der Hersteller des Düngers vor, dass das Mittel nicht eingelagert werden kann und innerhalb eines bestimmten Zeitfensters aufs Feld gebracht werden muss. „Der Bauer hat gesagt, dass er bereits am Ende des Zeitfensters war und gar nicht anders konnte“, berichtet Zimmer. Allerdings war der Bauer einsichtig und hat noch am selben Abend den Dünger ins Feld gepflügt. Zimmer: „Am Morgen war der Geruch nahezu weg.“
Landwirt stinkt was anderes
Landwirt Martin Hüther erklärte gegenüber dieser Zeitung, dass sein Dünger normaler Biokompost ist. „Der ist von der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern“, so Hüther. Dass der Dünger im Wohngebiet zu riechen war, sei nicht seine Absicht gewesen. „Wir leben auf dem Land“, sagt Hüther. Er müsse sich an gewisse Regeln halten. Ob es heiß ist, spiele dabei keine Rolle. „Die Aussaat ist Mitte August. Und vorher muss eben der Dünger aufs Feld“, erklärt Hüther. „Wenn wir es uns aussuchen könnten, würden wir bei der Hitze auch was anderes tun.“
Dem Landwirt stinkt indes eine ganz andere Sache: Noch am selben Abend sei ein Anwohner zu seinem Anwesen gekommen und habe mit ihm heftig gestritten. Etwas später, gegen Mitternacht, hat der Landwirt dann gesehen, wie dieser Mann Buttersäure an der Haustür verteilte. „Das war die Trotzreaktion. Aber da hört auch bei uns der Spaß auf“, ist Hüther wütend. Buttersäure hat einen heftig stinkenden Geruch. Der Bauer überlegt, den Buttersäure-Schmierfink anzuzeigen, sofern er seine Schandtat an der Haustür nicht wieder beseitigt.
Wie geht es weiter?
Zimmer will sich nun mit den Reifenberger Bauern zusammensetzen. „Manchmal geht das Miteinander ein bisschen verloren. Wir sind zwar ein von der Landwirtschaft geprägtes Dorf, das ist auch schön, dennoch müssen wir Rücksicht aufeinander nehmen“, findet Zimmer. Neben der Dünge-Probleme nennt er Traktoren, die auf den Feldwegen enorme Staubwolken hinter sich herziehen.