Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel Demonstranten fordern Öffnung des Freibads Biebermühle [mit Kommentar]

Rund 60 Bürger protestierten gegen den Ausfall der Badesaison auf der Biebermühle, zuerst still, dann immer lauter.
Rund 60 Bürger protestierten gegen den Ausfall der Badesaison auf der Biebermühle, zuerst still, dann immer lauter.

Rund 60 Einwohner hatten sich am Montagabend vor dem Rodalber Rathaus versammelt, um die Öffnung des Freibads Biebermühle zu fordern. Zugleich tagte der Haupt- und Finanzausschuss der Verbandsgemeinde. Der ist dafür zwar nicht zuständig, doch die Versammelten wollten ihren Unmut an dem Ort bekunden, an dem kommunalpolitische Entscheidungen getroffen werden. Ihr Anliegen hat wohl keine Erfolgsaussicht.

Als „stillen Protest“ hatten die Initiatoren um Gerhard Steinbach und Klaus Dieter Keilhauer die Aktion kurzfristig in den sozialen Medien beworben, auf Maskenpflicht hingewiesen, auf Hygiene- und auf Abstandsregeln. Auf dem Parkplatz hielt sich die Mehrheit der Demonstranten noch daran. Weil der Haupteingang verschlossen war, mussten die Protestierenden bis kurz vor Sitzungsbeginn auf den Eintritt warten. Die meisten Ausschussmitglieder hatten den Hintereingang bevorzugt, schon der dortigen Parkplätze wegen.

Ausschuss zur Rede gestellt

Die Gruppe mit Kindern und Jugendlichen erwies sich trotzdem als hartnäckiger Begleiter, besetzte die auf zehn Stühle begrenzten Zuschauerplätze im Sitzungssaal und hielt sich ansonsten im Korridor auf – nun ohne auf die Abstandsregeln zu achten. Als sich nach dem nichtöffentlichen Teil der Sitzung die Tür öffnete, stellte die Gruppe die Ausschussmitglieder und den Bürgermeister zur Rede, eineinhalb Stunden lang, nicht mehr still, sondern ausgesprochen laut. Wer da rief, war hinter Masken oftmals nicht auszumachen.

Was schon auf den Plakaten stand, kam drinnen meist lauthals noch einmal zur Sprache: Man fühle sich benachteiligt („Andere Bäder sind offen, wer denkt an uns?“), sah den Ferienspaß verdorben („Sommerferien zu Hause ohne Freibad sind doof“), die Lebensfreude getrübt („Segel setzen, um das Leben zu genießen“) und wähnte die Möglichkeiten sportlicher Tätigkeiten eingeschränkt („Bahnen schwimmen trotz Corona“). In Anbetracht von „null Infizierten“ im Kreis vermochten Protestierende die abgesagte Öffnung nicht nachzuvollziehen. Mögliche Corona-Hotspots machten sie stattdessen anderswo aus – in Einkaufsmärkten und Bahnhöfen, Bars und Kneipen.

Personal nach Heltersberg

In einer Sondersitzung am 8. Juni im Bürgerhaus Münchweiler hatte der VG-Rat die umstrittene Entscheidung getroffen, das Freibad Biebermühle in der bevorstehenden Saison geschlossen zu halten. Der Rat hatte fraktionsübergreifend kontrovers diskutiert, nach einer Stunde die Schließung aber mit der Mehrheit von 16 zu 9 Stimmen beschlossen. Schwer zu stemmende personelle Probleme und der dem Badebetrieb abgehende „Spaßfaktor“ hatten den Ausschlag gegeben.

Gegenüber der RHEINPFALZ listete VG-Bürgermeister Wolfgang Denzer den ständigen Personalbedarf auf: zwei Beschäftigte an der Kasse, drei Reinigungskräfte für die „permanente Desinfektion“ der Toiletten und Umkleidekabinen, drei Aufsichtführende, dazu mehrere Security-Leute für die Kontrollen der großflächigen Liegewiesen. Jetzt, so Denzer, würden Bademeister und Reinigungsfrau für ein Vierteljahr zur Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben abgeordnet, die beim Badebetrieb in Heltersberg mit ihrem Personal nicht auskommt. Dahn sei in dieser Beziehung im Vorteil mit 24 Dauer-Beschäftigten für Schwimmbad, Sauna und Wellness.

Denzer bittet um Einsehen

Wäre die VG den Empfehlungen des Gesundheitsamtes gefolgt, wären zumindest Sprungturm und Planschbecken geschlossen geblieben, zum Leidwesen von Kindern und Jugendlichen. Denzer zeigte Verständnis für die Enttäuschung von Einwohnern ob der ausfallenden Badesaison auf der Biebermühle, bat aber um Einsehen: „Der Rat hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, er hat sie aber schließlich mit klarer Mehrheit getroffen, und es gehört zur demokratischen Praxis, dies zu akzeptieren“, sagte Denzer.

Als Trost für Unzufriedene verwies er auf die nächste VG-Ratssitzung am Montag, 22. Juni (Bürgerhaus Münchweiler, 19 Uhr), in der die modifizierte Planung für Umbau und Erweiterung der Biebermühle zum Naturbad (mit Sprungturm und Sportbahnen) vorgestellt wird. Das Konzept halte er für aussichtsreich.

Kommentar: Bürger mucken auf

Es sollte grundsätzlich begrüßt werden, dass Bürger aufmucken, nicht alle Entscheidungen einfach hinnehmen. Beim Protest für die Öffnung des Schwimmbads Biebermühle in der jetzigen Badesaison herrschten zwar persönliche Belange vor, deutlich vor denen der Allgemeinheit. Dies traf schon vor ein paar Jahren auf das Begehren gegen den Wiederaufbau der Lohnbrücke zu. Was aber die Aktion zeigt: Es ist Potenzial vorhanden mit dem Ziel, politisch etwas zu bewegen. Bündelten sich diese Kräfte, wären sie wohl hilfreich für die Stadt, die Verbandsgemeinde, die Region. Der mühselige Ausbau der B10 (warum nicht mit mehr als einer Baustelle?) wäre ein solches Thema im Kreis. In Rodalben könnten Aktionen den Mangel an Gewerbeflächen (Betriebe wandern schon ab), an Bauplätzen (Bauwillige finden kein Gelände) oder den verwüsteten Wald über der Fichtenstraße betreffen. Dort werden trotz Zusagen die Wege nicht hergerichtet – auch zulasten des Tourismus –, und herumliegende Stämme verhindern den natürlichen Wiederaufbau des Waldes. Wie lange noch? Man sollte sich wehren.

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