Kreis Südwestpfalz Dellfeld: Gegen den Trend - Simone Schiro-Ruf eröffnet Arztpraxis auf dem Land
Interview: Dellfeld war noch nie Sitz eines Allgemeinmediziners – bis zum Anfang des Jahres, als die Ärztin Simone Schiro-Ruf in der Birkenallee eine Praxis eröffnete. Eher ein Schritt gegen den oftmals beklagten Trend, dass immer mehr Landärzte verschwinden und kaum Nachwuchs in Sicht ist.
Ich wollte in der Tat als Kind immer Landärztin werden. Während des Studiums hat sich das dann aber erst einmal relativiert, man hört dann immer nur schreckliche Dinge: dass es sich nicht lohnt, man keine Freizeit mehr hat. Als es dann aber so langsam auf die Prüfungen zuging, habe ich gemerkt, dass ich mir das vorstellen kann. Und dann habe ich gesagt: Ich mach’ das einfach. Haben Sie ihre Entscheidung schon bereut? (lacht) Nein! Es ist zwar anstrengender als ich dachte, aber es macht viel Spaß. Wie lange war die Vorlaufzeit etwa, von der Entscheidung, eine Praxis zu gründen bis zur tatsächlichen Eröffnung? Etwa sieben Monate. In dem Gebäude, in dem wir untergebracht sind, war früher ein Elektroladen drin. Wie ist das, wenn man eine Praxis neu gründet? Es gab verschiedene Überlegungen. Für mich stand fest, dass ich keine bestehende Praxis eines Kollegen kaufen wollte. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gab es hier im westlichen Landkreis Südwestpfalz fünf freie Sitze, es gibt also Bedarf an Ärzten. Der Raum Pirmasens ist laut KV dagegen noch ganz gut versorgt. Wie kamen Sie auf Dellfeld als Ort für die Praxis? Dellfeld hatte noch nie eine Hausarztpraxis. Als ich erste Vorbereitungen getroffen und mit der Ortsvorsteherin telefoniert habe, war die gleich begeistert. Es gibt im Umkreis einige Ärzte, die kurz vor der Rente stehen. Dellfeld liegt recht zentral, kann von vielen Leuten gut erreicht werden. Ich wohne in Rieschweiler-Mühlbach, da wollte ich die Praxis auch nicht so weit weg eröffnen. In Rieschweiler gab und gibt es aber schon eine Praxis, das kam dann nicht in Frage. Und? Läuft es? Ja, es läuft ganz gut, ich behandle mittlerweile auch viele Familien, da kam bei einigen zuerst die Mutter, dann der Rest der Familie dazu. Als Landärztin, so heißt es, sind auch seelsorgerische Fähigkeiten gefragt. Können Sie das bestätigen? Mir ist aufgefallen, dass es viele Menschen gibt, die psychische Probleme haben. Da ist es nicht schlecht, dass ich durch meine Zeit in einer psychosomatische Klinik eine gewisse Vorerfahrung habe. Es ist auf jeden Fall so, dass man als Hausärztin nicht nur Husten, Schnupfen und Heiserkeit behandeln muss. Die Palette ist sehr breit. Es ist ein spannender Beruf. Das heißt, Sie können Werbung machen für ihren Beruf? Auf jeden Fall! Die Bandbreite an Patienten ist groß: Berufstätige, ältere Menschen, Kinder, alles dabei. In vielen Fällen ist man eine Art Berater. Das finde ich sehr schön. Wie lassen sich Beruf und Familie vereinbaren? Gut. Ich habe als Hausarzt nicht mehr so viele Nachtschichten, die Notdienste sind zentral organisiert. Es gibt da einen Pool von Ärzten, die sich die Notfalldienste teilen, da kommt jeder mal dran. Die Wochenenden sind auch meistens frei, ich habe genügend Freizeit. Was mögen Sie gar nicht an Ihrem Beruf? Die Unmenge an Formularen. Gerade jetzt in der Anfangszeit hatte ich viel Bürokratie zu erledigen. Ich muss viel dokumentieren, viel Schreibkram erledigen. Das ist aber am Anfang wohl so. Was ist die positive Seite an Ihrem Beruf? Wenn ich sehe, dass ich helfen kann. Wenn ich etwas bewirken kann, etwas zum Guten wenden konnte. Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen: Im Gespräch ist immer, wieder, den ländlichen Raum mit Computersprechstunden via Bildtelefon zu versorgen. Was halten Sie davon? Das ist so geplant, und ich glaube auch, dass das so kommen wird. Ich persönlich bin jedoch kein Fan davon. Ich fahre lieber zu den Patienten oder treffe sie in der Sprechstunde. Durch die Kamera geht da zu viel verloren, finde ich. Also gibt es in 50 Jahren noch Hausärzte auf dem Land? Auf jeden Fall. In Sachen Nachwuchsförderung wird viel gemacht.