Kreis Südwestpfalz „Das Beste aus jedem Jahrzehnt“
«Contwig.» Es gibt Sammlungen, die sich auf einen festen Zeitabschnitt beziehen, auf einen Hersteller, einen Künstler oder auf einen bestimmten Objekt-Typ. Frank Scherthan verfolgt ein anderes Konzept: Der Contwiger sammelt Fahrzeuge unterschiedlicher Kategorien aus unterschiedlichen Epochen. Die einzige Beschränkung: der bei ihm zu Hause verfügbare Platz.
Frank Scherthan legt sich auf keine Fahrzeuggattung fest. Er stellt Traktoren neben Motorräder, einen Unimog neben Personenwagen. „Das Beste aus jedem Jahrzehnt“ hat der 47-Jährige nach eigener Einschätzung zusammengetragen. Charakteristische Fahrzeuge aus jeder Dekade seit 1950. Seine Sammlung umfasst derzeit neun Gefährte, allesamt in gutem Zustand und jederzeit fahrbereit. Das sieht er als Herausforderung. „Es ist für mich ganz wichtig, auch mal spontan eine Tour machen zu können“, sagt er – und bezieht das nicht nur auf die vier BMW-Motorräder der Baujahre 1954, 1989 und 2017, mit denen er am Wochenende gern nach Johanniskreuz düst. Herumstehen müssen aber auch der Unimog aus dem Jahr 1976 und die 45 und 35 Jahre alten Traktoren der Marken Deutz und John Deere nicht. Scherthan, von Beruf Bauleiter und bei der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land angestellt, nutzt sie als Arbeitsgeräte. Wenn es ums Holzmachen geht oder um kleinere Transporte. Sein Mercedes aus der M-Reihe ist das Alltagsauto – und als besonderen Liebling präsentiert er den Mercedes-Geländewagen G 200 GE, der in Deutschland eine Rarität darstellt. „Das Modell wurde hier nie verkauft; mein Auto kommt aus Italien“, erläutert der 47-Jährige, der den 25 Jahre alten Klassiker nach dem Kauf zunächst in den Ursprungszustand zurückversetzte. Dazu gehörte das Entfernen von Breitreifen und verbreiterten Kotflügeln. „Es soll schon das Original sein“, so Scherthans Devise. Das trage auch zum Werterhalt bei. Gebrauchsspuren und ein bisschen Patina seien andererseits in Ordnung. Kleine Reparaturen und den technischen Unterhalt übernimmt er selbst. Für wirkliche Restaurierungen fehlt jedoch die Zeit – und das Verständnis seiner Lebensgefährtin. Sie akzeptiere sein Hobby, meint er, bestehe aber auch auf gemeinsame Projekte. Übertragen hat sich das Benzin im Blut auf seinen elfjährigen Sohn Moritz, der den Vater gern zu Oldtimer-Börsen begleitet und der schon über ein Mini-Motorrad für Moto-Cross-Fahrten verfügt. Auto-Rallyes und Moto-Cross waren auch für den Papa der Einstieg in den Motorsport, nicht aber in die Sammelleidenschaft. Sie begann für Scherthan, der als Kind gerne bei der Ernte half und schon damals gerne mit dem Traktor fuhr, mit dem dreizylindrigen John Deere 820 S. Auf diesen Schlepper stieß er vor 25 Jahren eher zufällig. Ihm blieb er aber bis heute treu, während andere Gefährte Platz für neue machen mussten. Dem 35 PS starken John-Deere-Schlepper hat Scherthan zwischenzeitlich Zubehör wie den Frontlader und einen Mähbalken spendiert, und Fahrten zu Oldtimermessen mit ihm sind Routine, wobei er auch mal huckepack auf dem Anhänger mitgenommen wird. „An Sommer-Wochenenden bin ich regelmäßig bei solchen Treffen; im Winter wird geschraubt“, erzählt er und erwähnt auch den Plausch mit Hobby-Kollegen. Deren Stammtische müsse er allerdings auslassen: Es seien einfach zu viele Fahrzeugkategorien, die in Frage kämen.