Coronavirus RHEINPFALZ Plus Artikel Dahn: Wie Hausärzte in Corona-Zeiten arbeiten

Bei den Hausärzten läuft in Corona-Zeiten auch vieles anders.
Bei den Hausärzten läuft in Corona-Zeiten auch vieles anders.

Die Corona-Pandemie macht die Arbeit in den Hausarztpraxen kompliziert. Waren die Ärzte auch vor „Corona“ schon überlastet, kommen nun aufwändige Umstrukturierungen und fehlende Schutzausrüstung hinzu.

Die Hausärzte in der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland unterstützen sich gegenseitig. Sie sind über eine Whatsapp-Gruppe vernetzt, sehen sich regelmäßig zu Videokonferenzen und tauschen sich über aktuelle Entwicklungen und Probleme aus, informiert Allgemeinmedizinerin Karin Kliegel-Jenet aus Dahn.

Mit Mundschutz arbeiten ist zur Regel geworden. Eingesetzt werden hier die sogenannten FFP2-Masken: Sie besitzen einen Filter, der eine erhöhte Schutzstufe gegen Ansteckung bietet. Das ist die Mindestempfehlung, die auch das Robert Koch-Institut (RKI) ausspricht. „Natürlich ist es nicht optimal, aber weil die Masken so knapp sind, verwenden wir sie auch mehrfach, wie das RKI empfiehlt“, sagt Kliegel-Jenet. Sie wisse aber von Kollegen, die mitsamt ihrem Team nur mit einfachem Mundschutz arbeiten, weil keine FFP2-Masken zu bekommen sind.

Keine Schutzanzüge, überteuerte Masken

Auch für Stefan Mainberger, Allgemeinarzt in Bundenthal, ist das Thema Schutzausrüstung ein Problem: „Die Masken müssen zu fünf- bis zehnfach überhöhten Preisen gekauft werden. Die Preise für die Schutzausrüstung zahlen wir, nicht die Kassen, und das bei verminderten Einnahmen“, sagt Mainberger. Zuständig ist jeder Arzt für sich, weder die Kreisverwaltung noch die Kassenärztliche Vereinigung (KV), so Mainberger weiter – wobei sich die KV allerdings bemühe, persönliche Schutzausrüstung zu organisieren. „Es ist aber einfach keine oder nicht genügend zu bekommen“, so der Mediziner. Schutzanzüge bekomme man beispielsweise keine.

Problematisch könne das werden, „wenn die ersten eigenen alten Patienten eine Covid-19 Erkrankung bekommen, diese aber eine Krankenhauseinweisung verweigern“, sagt Mainberger. „Ich bin schon von Patienten angesprochen worden, die sich eine Versorgung durch mich im Falle einer Infektion zu Hause wünschen, die Beatmung ablehnen und palliativ betreut werden wollen. Es wird nicht gehen, ohne die anderen Patienten zu gefährden“, stellt er fest.

Hausbesuche werden generell nur noch gemacht, wenn es unumgänglich ist – „und dann natürlich mit Maske, zu meinem und zum Schutz der Risikopatienten“, sagt Mainberger.

Der Praxisalltag bei „Corona“

Alle Allgemeinärzte haben ihre Praxisabläufe komplett umstrukturiert. Auch darüber tauscht man sich unter den Kollegen aus, es läuft überall ähnlich ab. Mainberger erläutert, was sich geändert hat.

„Wir haben schon seit Längerem ein Anrufsystem, bei dem die Patienten erst angerufen werden, wenn sie zeitnah an die Reihe kommen; die Leute warten zu Hause. Dies wurde nun so verschärft, dass immer nur so viele Patienten in die Praxis kommen, wie in separate Räume verteilt werden können. Es sitzt kaum einer im Wartezimmer. Niemals zwei, die nicht zusammengehören. Wir haben in der Anmeldung einen Plexiglasschutz angebracht, Patienten haben Zugang zu Desinfektionsmitteln. Patienten, die hereinkommen, bleiben im Windfang stehen, bis sie herein gewunken werden.“ Alle Patienten seien „außerordentlich kooperativ und diszipliniert“.

Vieles läuft telefonisch

Alles, was telefonisch geht, werde telefonisch erledigt. Beratungsprobleme werden bereits telefonisch auf Wichtigkeit und Dringlichkeit seitens der Helferinnen geprüft; den Patienten wird angeboten, nicht Dringliches auf die Zeit nach „Corona“ zu verschieben. Bei Unklarheiten rufe er zurück, so der Arzt, bescheinige gegebenenfalls die Arbeitsunfähigkeit telefonisch, melde direkt nach Höhfröschen zum Testen an oder, wenn untersucht werden müsse und kein Coronaverdacht bestehe, bestelle er den Patienten ein. „Der Ablauf ist viel holpriger. Obwohl etwa ein Drittel weniger bis halb so viele Patienten kommen wie normal, hat man dennoch ständig zu tun“, beschreibt Mainberger die Situation. Dazu komme, dass es nötig sei, sich über Covid- 19 auf dem Laufenden zu halten, was ungefähr eine Stunde Literaturstudium am Tag erfordere.

Arztpraxen, die mangels Schutzausrüstung in Not geraten, können sich auch bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz melden. Dort gebe es ein Kontingent, mit dem geholfen werden könne, hat Landrätin Susanne Ganster angeboten.

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