Corona-Krise RHEINPFALZ Plus Artikel Dahn: Lokale Plattform soll Einzelhändlern helfen

Annkatrin (li.) und Birgit Ziegler mit dem „Mutmacher“-Plakat.
Annkatrin (li.) und Birgit Ziegler mit dem »Mutmacher«-Plakat.

„Dramatisch“ – dieses eine Wort drückt alles aus. Wenn Birgit Ziegler durch Dahn geht, wenn sie mit anderen Geschäftsleuten, mit Freunden und Bekannten spricht, geht es fast nur noch um den Stillstand in der Stadt. Noch hat sie Arbeit. Doch auch für ihr Unternehmen Geiger-Druck kann es kritisch werden, wenn sich bald nichts ändert. Die ehrenamtliche Initiative „lokal.help“ will nun auch in Dahn den Gewerbetreibenden helfen.

„Der Stillstand ist schon traurig“, stellt Birgit Ziegler fest. Die leeren Hotels, die geschlossenen Restaurants, die Modeboutiquen, die nun auf ihrer Frühjahrsmode sitzen, das gerade eröffnete Café, das wieder zu ist. Anfang des Jahres habe alles so geboomt, und jetzt das. Die Krankheit sei wirklich schlimm, sagt Birgit Ziegler, die die ehrenamtlichen Hersteller von Mund- und Nasenabdeckungen durch Bügeln der benötigten Stoffe unterstützt. Aber wovor sie sich fürchte, seien die wirtschaftlichen Folgen. Die staatlichen Hilfsangebote seien ja gut, aber dann? Der Verlust, den das Gewerbe mache, sei nicht mehr aufzuholen.

Ein Mutmacher-Plakat für Dahn

Damit nun wenigstens in dieser Zeit die Verbraucher nicht ins Internet abwandern, hat sie sofort eine Idee unterstützt, die ihre Tochter und Mitarbeiterin Annkatrin Ziegler sowie Johan Visser vom Berufs- und Freizeitkleidungsspezialisten Ressiv Safety GmbH gegenüber spontan entwickelt haben: ein Motivationsplakat für Dahn. „Gemeinsam stark gegen Corona“ heißt es und ist in einer Zwei-Tages-Aktion unter den Händen von Annkatrin Ziegler entstanden. 30 Plakate haben sie auf eigene Rechnung gedruckt und kostenlos ausgegeben – in den Spendenbecher haben dennoch viele etwas hineingelegt, freut sich Birgit Ziegler. In vielen Geschäften hängt das bunte Plakat jetzt – zusammen mit einer Bitte an die Kunden, doch die Einzelhändler vor Ort nicht zu vergessen und nicht alles im Internet zu kaufen.

So schlimm die Situation für viele ist: Die Gemeinschaft in Dahn sei wirklich gut, finden die beiden Damen. Auch im Werbekreis, dem sie angehören und in dem die Tochter die Mutter öfter mal vertritt. Gerade in jüngster Zeit, erzählt die 29-Jährige, hätten sich viele Junge zusammengetan und „tolle Ideen“ entwickelt für Veranstaltungen, die nun zwangsläufig bis auf Weiteres in die Schublade wanderten.

Anzeigengeschäft bricht weg

Seit Herbst 2019 arbeitet Geiger Druck in Dahn, wohin sie aus Busenberg in kleinere Räumlichkeiten umgezogen war. Ein Gewinn, findet Birgit Ziegler. Sie seien zwar kein Ladengeschäft, aber dennoch ins Dahner Leben voll eingebunden, wodurch auch mehr Privatkunden hinzugekommen seien. Das Hauptgeschäft des kleinen Verlages, den Birgit Ziegler als Einzelkauffrau führt, liegt allerdings nach wie vor im gewerblichen Bereich. Zahlreiche Produkte im Offset- und Digitaldruck sind im Portfolio: von Visiten- und Einladungskarten über Vereinshefte, Flyer, Umschläge, Preislisten bis zu Hochglanz-Magazinen für größere Betriebe. Bekannt ist das Unternehmen aber vor allem für die wöchentliche Herausgabe des „Wasgau-Anzeiger“, dem Wochenblatt fürs Dahner Felsenland, das kostenlos an Haushalte verteilt wird.

Weil es einen großen amtlichen Bekanntmachungsteil hat, wird es auch als Amtsblatt bezeichnet – was es aber nicht sei, betont Birgit Ziegler. Denn nicht die Verbandsgemeinde, sondern ihr Verlag gebe das Wochenblatt heraus. Mit allen finanziellen Risiken. Viele, sagt sie, glaubten auch irrtümlich, dass die Verbandsgemeinde die gesamte Publikation bezahle. Diese bezahle für den amtlichen Teil zwar eine Pauschale, die aber noch nicht einmal die Produktionskosten für diese Seiten decke, erklärt die Inhaberin. Die Differenz müsse sie auffangen durch private Anzeigen. Das Wochenblatt finanziere sich daher wesentlich über das Anzeigengeschäft. Und das bricht nun ein – in der Geschäftswelt gibt es derzeit fast nichts zu bewerben, sämtliche Veranstaltungen fallen aus.

„Wir leiden mit den Geschäftsleuten mit, wir hängen alle zusammen.“ Denn auch bei ihnen blieben Fixkosten wie Miete, Gehalt und Löhne für fünf Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis, für den Ausfahrer – alles „tolle Mitarbeiter“, die Birgit Ziegler auch nicht ziehen lassen möchte. Bisher arbeiten sie weiter. Doch im April, meint die Chefin, werde sich der Stillstand auch bei ihnen zeigen. Ein kleiner Trost ist da für sie die Plattform „lokal.help“, die die Stadt Dahn nun einrichtet, um allen Einzelhändlern zu helfen.

Die Plattform „lokal.help“

In Annweiler gibt es sie schon, in den Verbandsgemeinden Hauenstein und Bad Bergzabern ebenso, in Mannheim, Speyer oder auf der Insel Rügen: „Lokal.help“ heißt die rein ehrenamtliche Initiative, die Einzelhändlern vor Ort helfen will, die aktuelle Ausnahmesituation infolge der Coronavirus-Pandemie besser zu überstehen. Die Idee: Verbraucher kaufen jetzt bei „ihrem“ Geschäft, das unter der Coronakrise leidet, online Gutscheine, die sie später, wenn es wieder öffnet, einlösen können. Damit soll vor allem kleinen Händlern etwas Liquidität verschafft werden. Ermöglichen soll das ein Internetportal, auf dem sich Händler, die mitmachen wollen, registrieren können.

Angestoßen hat die Umsetzung dieser Idee in Dahn Stadtbürgermeister Holger Zwick. In seinem Auftrag hat ein Team das Vorhaben umgesetzt. Wesentlich beteiligt daran war und ist Annkatrin Ziegler. Über die Druckerei wurde der Kontakt zu Geschäftsleuten hergestellt, um die Erstellung der Dahner Plattform kümmerte sich die 29-Jährige, als Mediengestalterin vom richtigen Fach, dann auch selbst.

Seit Mittwoch ist die Plattform unter der Adresse „www.lokal.help“ öffentlich zugänglich. Die ersten Geschäfte haben sich bereits registriert, weitere sollen nun folgen. Bei der Registrierung helfe sie, wenn es Probleme geben sollte, bietet Annkatrin Ziegler an. Mitmachen können alle, die durch die Krise gebeutelt sind und geschlossen haben, so etwa Geschäfte, Friseure, Restaurants, Werkstätten.

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