Wald
Dahn/Hinterweidenthal: Wegen Klimawandels mehr Förster gebraucht
Bei den hiesigen Forstämtern weiß niemand genau, wie auf den Klimawandel richtig reagiert werden könnte. Klar ist nur, dass die Fichte die heißeren Sommer wohl nicht überleben wird. 21.000 Festmeter Holz schlägt das Dahner Forstamt in normalen Jahren. 2019 waren es 30.000 Festmeter. Das meiste davon Fichtenschadholz und allein 2000 Festmeter Windwurf. Der Preis für Fichte hat sich laut Neuheisel halbiert. Durch das Überangebot an Fichtenholz leide auch der Preis für Kiefernholz. „Das ist kaum mehr zu vermarkten“, klagt der Dahner Forstamtschef. Gesunde Fichten werden bei ihm gar nicht mehr eingeschlagen – nur noch vom Borkenkäfer geschädigte Bäume.
Einzig für die Eiche gibt es noch gute Holzpreise. Deren Submission sei gut gelaufen. Die Buchenverkäufe seien in Ordnung. Ähnliches kann der Hinterweidenthaler Forstamtsleiter Grünfelder berichten. Die Preise für Eichen, Douglasien und Lärchen seien stabil. Europaweit sei viel Schadholz auf dem Markt. Es sei nicht absehbar, wann die Preise wieder steigen werden, so Grünfelders Beobachtung.
Junge Bäume wurzeln tiefer
Steigende Temperaturen und vor allem die Trockenheit im Sommer sind die zwei Faktoren, die dem Wald zu schaffen machen. Neuheisel ist dennoch zuversichtlich, dass der Pfälzerwald sich dem Klimawandel anpassen kann. Der Forstamtsleiter setzt auf die jetzt nachwachsenden Bäume, die sich auf die heißen Sommer einstellen würden: Die jungen Bäumchen wurzelten gleich tiefer, um in trockenen Zeiten noch an Wasser heranzukommen, hofft Neuheisel. „Die kommen so auf die Welt und sind das dann gewohnt.“ Das Problem sei, dass niemand mit Sicherheit sagen könne, wie ein klimastabiler Wald aussieht, so Neuheisel.
Mit der Pflanzung von anderen Baumarten wollen die hiesigen Forstämter nur im kleinen Stil reagieren: Kastanie und Baumhasel würden einzeln beigemischt. Allerdings nur ein paar hundert Bäume, sagt Neuheisel. Grünfelder will auch nicht großflächig auf andere Bäume setzen. „Wir machen Versuche“, berichtet Grünfelder, der vor allem die Tanne mehr ins Spiel bringen und hier auch mit südlichen Sorten experimentieren will. Griechische und korsische Tannen sowie Trojatannen werden vereinzelt gepflanzt. Der Hinterweidenthaler Forstamtsleiter steht vor dem Problem knappen Pflanzguts: Da inzwischen viele Forstämter landauf, landab ihre Liebe zu Kastanie und Tanne entdeckt haben, seien diese nicht mehr so einfach zu bekommen. 100 Tannen habe Grünfelder noch erhalten.
„Auf mehreren Füßen stehen wir besser“
Ganz wichtig sei die Mischung von Laub- und Nadelwald und verschiedenen Baumsorten. Das betonen beide Forstamtsleiter. Wie Aktienhändler in der Krise müssen die Förster das Risiko durch größere Streuung minimieren. Die Anzahl der Baumarten müsse größer werden, sagt Grünfelder, der Spitzahorn und Baumhasel öfter in seinen Wäldern sehen will. „Auf mehreren Füßen stehen wir besser“, findet auch Neuheisel.
Die Wälder ganz sich selbst zu überlassen, sei keine Lösung, meint Grünfelder. Gerade wegen der Speicherung von Kohlendioxid sei die Nutzung der Wälder notwendig. Der Forstamtsleiter erläutert, dass eine Fläche Wald nur eine bestimmte Menge Kohlendioxid speichern könne. Das sei limitiert, dann fallen die alten Bäume um, verrotten und setzen damit wieder Kohlendioxid frei. Entnimmt der Förster aber dem Wald zum richtigen Zeitpunkt die Bäume, bleibe der Kohlenstoff im Holz gespeichert. Das bleibe während der Nutzung des Holzes in Möbeln oder Dachgebälk unter Umständen für viele Jahrzehnte so, bevor das Holz verbrannt wird oder verrottet. Im Wald wächst währenddessen wieder neues Holz. Durch die Nutzung werde somit die Speicherkapazität für Kohlendioxid erhöht.
Südwestpfalz braucht mehr Förster
Unzweifelhaft brauche es mehr Personal. Der Wald mache mehr Arbeit wegen des Klimawandels, sagt Grünfelder. Diese Meinung teilt das Umweltministerium in Mainz. In Rheinland-Pfalz sind beim Forst derzeit 1460 Mitarbeiter beschäftigt. „Das ist der niedrigste Stand seit Bestehen der Landesforstverwaltung“, berichtet Magdalena Fröhlich, Pressesprecherin des Umweltministeriums.
Im Hinterweidenthaler Forstamt sind 49 und in Dahn 79 Mitarbeiter beschäftigt. Im Juni vergangenen Jahres sei veranlasst worden, dass die Personalentwicklung überprüft wird, so Fröhlich weiter. Die Sprecherin betont, dass den Förstern durch die Dürre, den vermehrten Einschlag von Schadholz, dessen Identifikation und die Verkehrssicherung mehr Aufwand entstanden sei. Auch der Umbau der Wälder werde für mehr Arbeit sorgen. Wie genau das Personal in südwestpfälzischen Forstämtern aufgestockt werden kann, sei noch in der Prüfung.