Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Dahn: Ärzte widersprechen Landrätin

Die Fischbacher Arztpraxis Eisel-Lebherz schließt im April.
Die Fischbacher Arztpraxis Eisel-Lebherz schließt im April.

Für Unverständnis bei der Dahner Ärzteschaft sorgten Äußerungen von Landrätin Susanne Ganster zur Zukunft der medizinischen Versorgung im Dahner Tal (wir berichteten am Mittwoch). Dass es keine Signale aus der Ärzteschaft gegeben habe, um die drohende medizinische Unterversorgung im Dahner Tal anzugehen, sei falsch. Darin sind sich alle Allgemeinmediziner des Dahner Felsenlandes einig, die in einer Stellungnahme der Landrätin widersprechen.

Ganster hatte gesagt, dass die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) bei den Ärzten im Dahner Tal nicht auf Interesse gestoßen sei. Mit der für April angekündigten Schließung der Fischbacher Praxis von Martin Lebherz und Beate Eisel-Lebherz und dem möglicherweise in zwei Jahren folgenden Rückzug von Rainer Koch in Bruchweiler-Bärenbach droht ein Ärztenotstand.

Zugesagter Rückruf blieb aus

Die Ärzte erinnern in ihrer Stellungnahme an ein Treffen im März 2019, an dem die Dahner Ärzte, Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die Landrätin, Verbandsbürgermeister Michael Zwick sowie der Projektmanager Axel Motzenbäcker teilgenommen hatten. Dabei seien verschiedene Möglichkeiten vage angesprochen worden. Im Anschluss hätten, um gegebenenfalls Weiteres zu besprechen und Möglichkeiten auszuloten, drei Ärzte ihre privaten Telefonnummern an Motzenbäcker gegeben, worauf dieser zusicherte, sich zu melden. Bis heute sei kein Anruf erfolgt, betonen die Ärzte. Deshalb könne nicht stehen gelassen werden, dass keine Signale von den Ärzten ausgingen.

Infolge der Berichterstattung der RHEINPFALZ und einer Pressemitteilung der Landrätin im Wasgauanzeiger sei das Thema am Donnerstagabend beim Qualitätszirkel der Dahner Ärzte ausführlich diskutiert worden. Die Ärzte treffen sich regelmäßig zu diesem Zirkel, um medizinische Themen zu besprechen und somit die ärztliche Qualität zu verbessern. Diesmal ging es um das Coronavirus. Bei dem Treffen waren fast alle niedergelassenen Ärzte anwesend: Rudolf Sauther, Andreas Eckelmann, Nikolaus Kammüller-Höger und die bei ihm angestellte Ärztin Daniela Weber, Dietmar Schmid, Anette Gilberg, Karin Kliegel-Jenet, Rainer Koch, Stefan Mainberger, Martin Lebherz, Christoph Brubach und der sich in Ruhestand befindende Werner Klein.

Lösung nicht selbst organisieren

In ihrer Stellungnahme betonen die Ärzte, dass es die angeblich erarbeiteten Konzepte der KV nie gegeben habe oder zumindest nicht an die niedergelassenen Hausärzte weitergegeben worden seien. Auf Anfrage einer Dahner Praxis bei der KV vor wenigen Wochen, wie man mit den Patienten umgehen soll, die keinen neuen Hausarzt finden, sei der zuständige Mitarbeiter „völlig überrascht“ gewesen, dass es im Bereich Fischbach zu einer Minderversorgung kommen könnte.

Jetzt werde von den Ärzten erwartet, „dass wir die Lösung des Problems selbst organisieren und dabei auch das wirtschaftliche Risiko tragen“. Dazu seien die meisten nicht bereit, das habe sich aus den Gesprächen am Donnerstag ergeben. „In ein MVZ einzutreten hieße ja, entweder die Selbstständigkeit aufzugeben oder als Geschäftsführer eines MVZ große Summen investieren zu müssen, was sicherlich nicht einfach so erwartet werden kann“, teilen die Ärzte mit.

Bundesweit zu wenig Ärzte in Ausbildung

„Wir brauchen mehr Leute. Die zusätzlichen Leute fehlen, die gibt es im Moment nicht“, benennen die Ärzte das Grundproblem. In Deutschland würden zu wenige Mediziner ausgebildet. „Alle Ärzte bei uns im Dahner Tal sind zeitlich ausgelastet. Wir arbeiten ja nicht so, wie unsere Sprechzeiten sind. Wir arbeiten von morgens bis abends“, betonen die Niedergelassenen.

Die Schließung von Praxen werde zu einem erhöhten Patientenaufkommen bei den verbliebenen Ärzten führen, das nicht kompensiert werden könne. Das MVZ sei kein Allheilmittel, wenn es nicht mit zusätzlichen Ärzten von außerhalb besetzt werden kann. „Wir sind dann genauso viele Leute und haben genauso viele Patienten, wenn wir jetzt ein MVZ gründen“, sind sich alle Hausärzte einig. „Wir sind primär Mediziner und keine Betriebswirte. Jetzt wird erwartet, macht was, zieht was auf. Aber das ist etwas, was nicht unserem Beruf entspricht. Dafür ist auch keine Zeit“, geben sie zu bedenken.

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