Lemberg RHEINPFALZ Plus Artikel Da hat es in der Backstube mächtig gescheppert

Beim ersten „Bakery Beat“-Rave am Samstag im Lemberger Café Faass drehte sich der Nikolaus mit Tänzerinnen im Kreis.
Beim ersten »Bakery Beat«-Rave am Samstag im Lemberger Café Faass drehte sich der Nikolaus mit Tänzerinnen im Kreis.

Beim ersten „Bakery Beat“-Rave am Samstag im Lemberger Café Faass war der Saal zeitweise richtig voll.

Vor der Bäckerei stand zunächst ein Security-Mann, der aufpassen sollte, dass am Samstagmorgen beim Rave drinnen nichts aus dem Ruder läuft. Der Mann hatte aber einen seiner geruhsamsten Jobs, denn es blieb friedlich. Er musste eher einer Seniorin beim Reingehen helfen als betrunkene Jugendliche in die Schranken zu weisen.

Von 10 bis 14 Uhr wummerte drinnen ein spannender Mix aus Housemusik, aufgelegt von Paul Faass, dem Sohn der Bäckerfamilie, der auch als DJ Booze bekannt ist und normalerweise in Musikclubs vor 1000 Besuchern auflegt. So viel wurden es nicht annähernd beim „Bakery Beat“-Rave am Samstag. Der Cafésaal war mit 70 Besuchern aber auch schon an seinen Grenzen. In einer Sitzecke hatte Paul Faass seine Anlage aufgebaut, die genügend Leistung gebracht hätte, um die ganze Lemberger Freizeithalle erzittern zu lassen.

Paul Faass alias DJ Booze (rechts) sorgte am Mischpult für die nötige Musik „Bakery Beat“-Rave am Samstag im Lemberger Café Faas
Paul Faass alias DJ Booze (rechts) sorgte am Mischpult für die nötige Musik »Bakery Beat«-Rave am Samstag im Lemberger Café Faass.

Selfies mit dem Nikolaus auf der Tanzfläche

Es dauerte bis zur Mittagszeit, um den Saal richtig zu füllen. Die Stimmung war jedoch schon vorher gut. Am Tresen wurde fleißig geplaudert, Selfies mit dem Nikolaus geschossen oder mal kurz eine Tanzbewegung angedeutet. „Die jungen Leute schlafen erst mal aus“, war sich Elke Faass, die Mutter des DJ, am Morgen sicher, dass gegen Mittag die Bude voll wird.

Viel Betrieb scheint sowieso jeden Samstagmorgen in der Bäckerei zu sein. Allerdings mehr, um den beliebten Rosenkuchen und Brötchen zu kaufen. An Tanzen hatte da bisher niemand gedacht. Bis Paul Faass von einer niederländischen Bäckerei gehört hatte, in der ein „10-AM-Club“ stattgefunden haben soll. Womit ein Musikclub um 10 Uhr morgens gemeint war. „So eine Bäckerei habe ich doch auch“, dachte sich Paul Faass und stieß bei seinem Vater Andreas auf offene Ohren. Fertig war die Idee für den „Bakery Beat“-Rave.

„So wird eine Schnapsidee zur Realität“

Das Ambiente in dem Cafésaal passte so gar nicht zu einem Rave und damit doch wieder perfekt. Das dachten sicher auch die meisten Besucher, die mit strahlenden Gesichtern in den Bäckerladen kamen. Viele wussten schon, dass ein Rave geplant war. Jeder tastete sich erst mal zaghaft vor bis zum Tresen, während aus den Lautsprechern die elektronische Musik wummerte, dass die Tassen im Regal mitschepperten. Glühwein und Waffeln für den guten Zweck wurden dabei verkauft – der Erlös kommt dem Pirmasenser Hospiz zugute. So mancher genehmigte sich auch erstmal ein Export-Bier am frühen Morgen. „Glühwein auf nüchternen Magen ist mir zu viel“, meinte einer der Biertrinker lachend und ging erstmal raus eine rauchen.

Vor der Tür hatte Familie Faass ein Partyzelt für die Raucher installiert. „Ich höre eigentlich nie Techno“, meinte einer der rauchenden Besucher, der sich lieber Metalmusik gewünscht hätte. Aber aus Verbundenheit zum Lemberger Sportverein sei er sowieso öfters im Café Faass und kenne den Café-Saal von diversen Fußballerfeten. So neu war die Idee einer Party im Café dann doch nicht. „Wir unterstützen Paul und wollen ein bisschen Spaß haben“, erzählt Helena Bauer, die zusammen mit Nils Spreizer und Torben Lemke gekommen war. Das Trio hatte die Überlegungen für den Rave von Anfang an mitbekommen. „So wird eine Schnapsidee zur Realität“, meinte Helena Bauer lachend.

Während links der Rave wummerte, wurden rechts wie gewohnt Kuchen und Brötchen in der Lemberger Bäckerei Faass verkauft.
Während links der Rave wummerte, wurden rechts wie gewohnt Kuchen und Brötchen in der Lemberger Bäckerei Faass verkauft.

Mit 90 Jahren beim Bäckerei-Rave dabei

Im Innern sitzen derweil die 77-jährige Elke und ihre 81-jährige Freundin Edith, bei einem Rave reichen die Vornamen, und wippen im Takt mit, in der Hand einen Kaffee. „Uns ist es zu laut, aber ich finde es toll, dass es das gibt“, meinte Elke. „Für die Jungen ist das genau richtig“, ergänzt ihre Freundin und verweist auf den wohl ältesten Besucher, einen 90-jährigen Herrn im Vorraum, der sich das Spektakel auch nicht entgehen lassen wollte. Das Trio ist auch noch länger da, obwohl es so laut ist. Wann ist denn sonst so viel Betrieb im Café Faass.

So mancher Jugendlicher kommt gleich mit der Mutter. Ein Kleinkind läuft mit Ohrenschützern zwischen den Tanzenden rum. Es war eher ein Familienereignis mit klar begrenztem Ende. „Um 14 Uhr ist Schluss, dann kommt meine Stammkundschaft“, betonte Elke Faass. Innerhalb weniger Minuten wurde aus dem Dancefloor wieder das ehrwürdige Café mit Torte und Kaffee im Kännchen.

Vor der Tür träumten derweil andere von ganz neuen Rave-Formaten. „Wir geil wäre es im Schwimmbad oder im McDonalds“, meinte Christian Müller, der nach der Erfahrung des Bakery Beat gleich eine Nummer größer weitermachen will.

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