Südwestpfalz
Crew eines Rettungshubschraubers übt den Ernstfall
Mit einem ohrenbetäubenden Lärm hebt der Rettungshubschrauber „Christoph Winde“ vom Flugplatz auf der Pottschütthöhe ab. Sein Ziel ist der Büttelsfels im Dahner Felsenland. Dort ist ein Bergsteiger gestürzt, muss per Seilwinde aus der Luft gerettet werden. Die Uhr tickt, binnen weniger Minuten muss die Crew am Einsatzort sein. Alle sechs Monate probt die Crew des Rettungshubschraubers die verschiedenen Einsatzarten, dieser Tage im Landkreis Südwestpfalz, genauer gesagt auf dem Flughafen Pottschütthöhe, dem Büttelsfels und auf dem Tadano-Gelände am Zweibrücker Airport.
Die Crew ist zusammengesetzt aus Piloten, Sanitätern, Notärzten und Helfern von der Bergwacht, berichtet Stephan Brude. Seit 34 Jahren ist er Helikopterpilot, seit 27 Jahren im Einsatz für den ADAC. Das Fliegen hat er bei der Bundeswehr gelernt. Irgendwann kam der Moment, in dem er beschlossen hat, anderen Menschen mit der Fliegerei zu helfen.
Meist mehr zu tun im Sommer
Stationiert ist der Rettungshubschrauber „Christoph 66“ in Imsweiler (Donnersbergkreis). 550 Menschen leben in dem Dorf, etwas außerhalb der Gemeinde ist der Flugplatz. Von Imsweiler aus bedient Pilot Brude zusammen mit zwei weiteren Cockpit-Kollegen die Westpfalz. „Primär geht es darum, den Notarzt schnell an den Einsatzort zu bringen“, sagt Brude. Immer wieder müssen auch Patienten von einer Klinik in die nächste gebracht werden. Ist das per Krankenwagen zu stressig und somit gefährlich für den Patienten, rückt ebenfalls der Helikopter an. Es gibt aber auch Einsätze, in denen verunfallte oder verunglückte Menschen gerettet werden müssen – genau dafür ist die Übung gedacht.
Die Spanne reicht von null bis zehn Einsätzen am Tag. Wichtig ist das Wetter. Spielt das nicht mit, muss der Helikopter am Boden bleiben. „Im Sommer fliegen wir erfahrungsgemäß mehr Einsätze“, sagt Brude. Hintergrund sei, dass die Leute in der warmen Jahreszeit „aktiver“ seien, mehr mit dem Rad durch den Pfälzerwald und auf dem Motorrad auf kurvigen Landstraßen fahren oder auf abgelegenen Pfaden wandern. „Wir fliegen aber auch intensivmedizinische Notfälle“, ergänzt der Helikopterpilot. Gemeint sind etwa Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall. Würden Patienten im Helikopter mitgenommen, dann meistens unter Narkose. „Sie reagieren meist sehr sensibel auf den Flug.“
Trage kann abdriften
Am Westpfälzer Rettungshubschrauber ist laut Brude die Winde besonders. Notärzte können sich daran vom fliegenden Helikopter abseilen, um zum Patienten zu gelangen. Der Umgang mit der Winde bedarf viel Können und ein gutes Miteinander in der Crew. „Ich sehe als Pilot den Einsatzort nicht mehr, wenn ich genau darüber fliege. Ich muss mich dann auf den Kollegen an der Winde verlassen können, der mich einweist.“ Ist die Winde samt Notarzt abgelassen, wird die Verbindung zwischen Helikopter und Notarzt gekappt und die Maschine dreht ab. Der Grund: Unterm Hubschrauber herrsche ein enormer Wind. Schon das aufrechte Stehen falle schwer, zudem würden Erde, Wasser und Dreck aufgewirbelt.
Der Notarzt ist am Einsatzort fertig, wenn er den Patienten erstversorgt und bereit für den Abtransport gemacht hat, also ihn an sich festgeschnallt hat. Dann kommt der Heli zurück und lässt ein Seil hinab. Der Notarzt hängt sich ein und wird abgeflogen. Dafür gibt es laut Brude zwei Methoden: den statischen und den dynamischen Windenanflug. Beim statischen bleibt der Heli über der Winde in der Luft stehen, zieht Notarzt und Patient hoch und fliegt weiter. Durch den Abwärtswind der Rotoren kann die Trage allerdings schnell in eine Drehbewegung abdriften – für Notarzt und Patient lebensgefährlich. Bei der dynamischen Winde fliegt der Helikopter in einer Vorwärtsbewegung, Notarzt und Patient hängen sich darunter und werden in der Flugbewegung hochgezogen. Dabei kann das umliegende Gelände zur Gefahr werden. So können beispielsweise Felsen im Weg sein.
Rettung vom Kran bei Tadano
Die drei Übungsszenarien der Rettungsstaffel sollten so realistisch wie möglich sein. Die Rettung an einer Klippe wurde am Büttelsfels geprobt und auf dem Pottschütt-Flughafen das einfache Hochziehen einer Trage. Eine weitere Station: die Rettung einer Person aus einer exponierten Lage. In der Praxis könnte das eine Bergspitze, das Dach eines Hochhauses oder ein Windrad sein. Bei der Übung war es ein Kran auf dem Tadano-Gelände am Zweibrücker Airport. Das Rettungsprinzip war ähnlich wie am Büttelsfels: Der Hubschrauber fliegt an, lässt den Notarzt zum Patienten herunter, dreht eine Runde, kommt zurück und sammelt die Personen auf dem Kran ein. Während die Crew das richtige Abseilen übte, probten die Piloten Manöver, etwa den Ausfall eines Triebwerkes. „Aber keine Angst, die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist sehr gering“, versichert Brude.