Waldfischbach-Burgalben RHEINPFALZ Plus Artikel Corona und Wahlkampf: Ministerin Spiegel zu Besuch

Abstand, Maske, Desinfektion – Wahlkampf während der Pandemie.
Abstand, Maske, Desinfektion – Wahlkampf während der Pandemie.

Eine Wahlkampf-Veranstaltung der Grünen in Waldfischbach-Burgalben drei Tage vor dem Lockdown. Ist das in Ordnung? Noch wichtiger: Ist das notwendig? Eine Einordnung.

Die Digitalisierung auf dem Land in Rheinland-Pfalz muss vorangehen. Für Firmen und Privatleute. Mehr Mobilität für Dorfbewohner. Busse und Schienenverkehr ausbauen. Die Radwege auch. Noch was? Ach ja, die medizinische Versorgung. Mehr Hausärzte aufs Land. 1000-mal geäußerte Wünsche wiederholt die Landesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) am Freitagabend im „Deutschen Kaiser“ in Waldfischbach-Burgalben. Beispiele für Projekte, die sie in der Südwestpfalz anstoßen möchte, hat Spiegel nicht. Allenfalls Hinweise auf Aktionen anderer Kommunen. Da war doch was mit einem Bürgerbus.

Vorgeschlagene Maßnahmen? Mit Prämien und anderen Anreizen sollen junge Mediziner bewegt werden, Praxen altgedienter Landärzte zu übernehmen. Krankenhäuser im ländlichen Raum sollen „erhalten und zu Gesundheitszentren ausgebaut werden“, die ambulant und stationär behandeln, sagt Spiegel, Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl. Das dürfte so mancher Rodalber gern hören. Der Ausbau von Glasfaser und Mobilfunk müsse stärker vorangetrieben werden. Die Gelder für den Pakt für Pirmasens sollten verzehnfacht werden, findet die Jugendministerin aus Speyer. „Da muss mehr Schwung rein.“

Pirmasens in den Koalitionsvertrag

Wenn die Grünen an der nächsten Landesregierung beteiligt sind, soll eine Passage über Armutsbekämpfung in Pirmasens in den Koalitionsvertrag. Das habe sie in ihrer Zeit als Ministerin gelernt, sagt Spiegel. Was nicht im Koalitionsvertrag steht, passiert nicht.

Spiegel stellt sich Fragen und Kritik aus dem Publikum. Auch dem Vorwurf, sie kenne sich in der Südwestpfalz nicht aus: „Sie wissen eigentlich nicht, mit wem Sie es zu tun haben“, sagt jemand. Doch, das tue sie, meint Spiegel. Als Jugendministerin habe sie besonders mit OB Markus Zwick und den Pirmasenser Kinderhilfsprojekten immer wieder zu tun. Und privat zeige sie dem schottischen Ehemann und den vier Kindern gern die Schönheiten des Landkreises. Man solle die Südwestpfalz nicht schlechter reden, als sie ist, sagt die Speyererin.

Richtig wichtig oder verzichtbar?

Das findet auch Ralf Lehmann von den Rodalber Grünen. Gerade seit Beginn der Corona-Pandemie „bin ich heilfroh, dass ich in Rodalben wohne“. Überhaupt könne die Pandemie für die Dörfer auf dem Land eine Chance sein, sagt Spiegel. Das Bedürfnis, im Homeoffice zu arbeiten, verbunden „mit einer Sehnsucht, das in einem schönen Umfeld zu tun“, den Pfälzerwald vor der Tür. Das könne doch Anreiz für junge Menschen sein, aufs Land zu ziehen.

Fazit des Abends? Es war „richtig und wichtig, sich zu treffen“, meint Björn Hayer von den Grünen, der die Veranstaltung organisiert hat. Auch Spiegel bedankt sich für Festhalten an dem Termin. Inhaltlich Bemerkenswertes zu rekapitulieren, fällt schwerer.

Ist die Wahlkampfveranstaltung der Grünen in Waldfischbach-Burgalben drei Tage vor dem Lockdown also in Ordnung? Regelgemäß ist sie auf jeden Fall. Die Teilnehmer haben sich angemeldet. Anhand dieser Zahlen konnten die Veranstalter abschätzen, dass der Andrang sehr überschaubar sein würde, wie Hayer erzählt. Maske bis zum Platz, Abstand zwischen den Tischen, Händedesinfektion. Daran ist nichts zu bemängeln – zumal im Nebenraum der Wirtschaftsbetrieb läuft. Und vielleicht hat es den Beteiligten gut getan, sich mal wieder auszutauschen. Doch bleibt die Frage: War es wirklich notwendig, in diesen Tagen 20 Mann in einem Raum zu versammeln, damit die Familienministerin aus Mainz betonen kann, dass man sich jetzt doch wirklich mal um die Dörfer kümmern sollte? Die Antwort ist nein.

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