Contwig
Contwig kann sich Verbandsgemeinde-Kindergärten vorstellen
„Ich denke, wir werden darüber noch ein-, zweimal sprechen müssen“, sagt Contwigs Bürgermeisterin Nadine Brinette im RHEINPFALZ-Telefonat am Freitagvormittag. Sie spricht sich für Bernhards Idee aus. Ihre Kleinsteinhauser Amtskollegin Martina Wagner hatte in der dortigen Ratssitzung am Mittwochabend große Bedenken geäußert.
Der Contwiger Gemeinderat wäre der Idee nicht abgeneigt, wie sich in der Ratssitzung am Donnerstagabend zeigte. Jedoch müssten Eckpunkte der Vereinbarung noch geklärt werden. Beispielsweise, wie es dann mit dem noch nicht fertigen Kindergarten weitergeht, der wegen Schimmels derzeit nicht weitergebaut wird.
Bernhards Idee sieht vor, die Kindergärten in der Verbandsgemeinden zu einem Zweckverband zusammenzuschließen, die Ortsgemeinden können dabei die Kindergärten jedoch behalten. „Es geht hier nicht darum, dass wir die Kindergärten wegnehmen“, verspracht Bernhard am Donnerstag erneut. Der Vorteil eines Zweckverbandes: Bei Personalmangel in einzelnen Einrichtungen könnten Springer dann in den jeweiligen Ortsgemeinden aushelfen.
Das Problem ist nämlich das neue Kindergartengesetz, das in Rheinland-Pfalz seit dem 1. Juli gilt. Es fordere mehr Personal in den einzelnen Einrichtungen. Folgt einem starken jedoch ein geburtenschwacher Jahrgang, so wird weniger Personal benötigt. Die Gemeinden ständen dann vor der Wahl: Entweder sie kündigen den Erziehern, stellen sie nur mit befristeten Verträgen ein oder müssen das zusätzliche Personal aus eigener Tasche bezahlen. Angesichts des laut Bernhard leer gefegten Erzieher-Marktes sei es jedoch quasi unmöglich, jemanden befristet einzustellen.
Holger Hell (SPD) erkundigte sich nach den Kosten des Zweckverbandes. Weil ja dann die Gemeinde nicht mehr Träger sei und nicht mehr fürs Personal zahlen müsse, springe die Verbandsgemeinde in die Bresche. Im Umkehrschluss muss die Verwaltung aber das Geld auftreiben, was eine höhere Verbandsgemeinde-Umlage bedeutet, so Hell. Bernhard bestätigte diesen Gedanken: „Du sparst mit der Sache nichts.“
Spielgeräte für Kindergarten gehen jetzt ins Ahrtal
Zudem stimmte der Gemeinderat bei einer Gegenstimme dafür, die bereits bestellten, jedoch noch nicht verbauten Spielgeräte des neuen Kindergartens ins Hochwasser-Gebiet im Ahrtal zu spenden. Weil der Bau des Contwiger Kindergartens gestoppt ist, lägen die Spielgeräte ohnehin bei einer Hinterweidenthaler Firma auf dem Hof, inzwischen habe sich schon ein leichter Grauschimmer auf ihnen abgesetzt. „Die sind so aber noch tipptopp“, fügte Brinette hinzu. Die Firma sei auf die Bürgermeisterin zugegangen und habe die Spende vorgeschlagen. Der Wert der Spielgeräte beträgt rund 20.000 Euro, die Firma würde die Hälfte davon übernehmen, ebenso beteiligt sich die Verbandsgemeinde. „Die Kinder haben da nichts. Da sind die Fahrräder weggeschwommen, die Roller weggeschwommen“, umriss die Bürgermeisterin das Leid vor Ort.
Walter Carius (CDU) sprach sich gegen die Spende aus. Nicht deshalb, weil ihm die Kinder im Ahrtal egal seien, sondern weil er an den Contwiger Haushalt denke und befürchtet, dass neue Spielgeräte für den Kindergarten umso teurer werden könnten. David Betz (SPD) entgegnete: „Ich finde die Diskussion sehr befremdlich.“ Es gehe laut Betz um eine Katastrophe vor Ort, dann über Spenden noch großartig zu diskutieren, lehne er ab.