Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Contwig: Grundschulkinder könnten ins Rathaus, nach Althornbach oder in die Fahrschule

Die Grundschule Contwig, hier beim Spatenstich zum Kindergarten, kommt nicht zur Ruhe.
Die Grundschule Contwig, hier beim Spatenstich zum Kindergarten, kommt nicht zur Ruhe. Foto: Moschel

Diese Woche werden die Kinder der gesperrten Grundschule Contwig in Stambach unterrichtet. Ob sie nächste Woche ins Contwiger Rathaus umziehen können, ist nicht sicher, auch nicht, wie lange das Contwiger Schulhaus gesperrt bleibt. Unterdessen liegt ein Untersuchungsergebnis der Holzplatte vor, die am Donnerstag gefunden wurde.

Contwig. In Stambach wurde ein Computerraum leergeräumt, außerdem werden der Turnraum und der Musikraum für die „Asylsuchenden“ genutzt. Das sagte auf Anfrage am Mittwoch Markus Heinrichs, Vorsitzender des Schulelternbeirats. Eine Klasse stattet jeweils dem Pirmasenser Dynamikum einen Besuch ab, um in Stambach mehr Platz zu schaffen.

Wie berichtet, liegt in dem wegen Schimmelpilz-Verdachts kurzfristig gesperrten Contwiger Schulgebäude noch Unterrichtsmaterial. „Die Lehrer haben sich in der Zwischenzeit einiges zusammenkopiert“, sagt Heinrichs. Seine Hoffnung, dass das reguläre Material diese Woche aus dem Gebäude geholt werden kann, zerschlug die Verbandsgemeindeverwaltung. „Nach unserer Auffassung sollte hierauf im Moment verzichtet werden, um keine weiteren Gefahrensituationen zu schaffen“, teilte Büroleiter Karl-Heinz Brügel auf Anfrage mit.

Es hängt an der Arbeitssicherheit

Ob die rund 80 betroffenen Contwiger Erst- und Zweitklässer und ihre sechs Lehrer nächste Woche ins Contwiger Rathaus umziehen können, ist laut Brügel nicht sicher. Die Unfallkasse habe zugestimmt, doch komme heute, Donnerstag, noch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit, um zu prüfen, ob das Rathaus auch für die Lehrer sicher ist. Das Bauamt der Kreisverwaltung hat laut Brügel einer 14-tägigen Nutzung des Rathauses für zwei Wochen grünes Licht erteilt. Schulleiter Peter Schmidt und Schulelternsprecher Markus Heinrichs können heute das Rathaus in Augenschein nehmen.

Laut Brügel wurden von privater Seite alternative Räume angeboten, etwa von der Fahrschule Hahn & Fochs und der Firma Elektrotechnik Kai Wittmer. Freie Räume in anderen Schulgebäuden würden auch geprüft. So könnten im Grundschulgebäude Althornbach direkt zwei Klassen und im Schulgebäude Wiesbach eine Klasse untergebracht werden. Von der IGS Contwig gebe es noch keine Rückmeldung.

Brügel: Große Ängste bei Eltern

Zur Frage, warum die Schule geschlossen wurde, bevor die Ergebnisse der Raumluftmessung vorliegen, teilt Brügel mit: „Den Eltern wurde am Montag freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. Es kamen nur vier Kinder. Daraus ist abzuleiten, dass die Eltern große Ängste bezüglich der Nutzung des Schulgebäudes haben.“ Ohne einen aktuellen Nachweis über die gesundheitliche Unbedenklichkeit könne der Schulträger keine Verantwortung übernehmen. Die letzten Messergebnisse seien von August. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die aufrecht erhalten werde, bis ein Gutachter die Sache bewertet hat.

„Uns ist auch klar, dass die Schule jetzt nicht gefährlicher ist als vor vier Wochen“, sagt Elternsprecher Heinrichs. Allerdings sei vor vier Wochen das Vertrauen in den Schulträger auch noch größer gewesen. Die Komplett-Sperrung bringe Umstände für Schüler, Eltern und Lehrer mit sich, sei aber insofern zu begrüßen, „als dass jetzt das Schimmel-Problem endlich mal umfassend untersucht wird“.

Die reine Raumluftuntersuchung hält Heinrichs für ein zu schwaches Instrument. Die Sporen-Konzentration in der Luft könne sich von Tag zu Tag ändern. „Es ist gut, dass jetzt ein unabhängiger Gutachter beauftragt werden soll, der sich auch mal die Bausubstanz anguckt.“ Nächstes Jahr soll das Schulhaus rundrum aufgegraben und trockengelegt werden.

Firma Marx: Analysen brauchen ihre Zeit

Mit der Raumluftuntersuchung ist die Firma Marx in Spiesen-Elversberg beauftragt, die Proben entnommen hat und diese untersucht. Michael Lauer, Abteilungsleiter bei Marx, erklärte auf Anfrage, es sei nicht ungewöhnlich, dass es Tage oder Wochen dauert, bis Ergebnisse vorliegen. Bei der Untersuchung von Schimmelpilzsporen würden Lebendkeime in Petrischalen auf Nährplatten aufgebracht und bei einer bestimmten Temperatur „bebrütet“. Nach sieben bis zehn Tagen würden Proben von den Platten genommen und untersucht. So stelle man die Anzahl der Sporen und die Art des Schimmelpilzes fest, was Aussagen über Gesundheitsrisiken ermögliche. „Diesen Prozess können wir nicht beschleunigen, da muss man einfach warten“, betont Lauer, und: „Es ist leider nicht so wie im Fernsehen, wo innerhalb von drei Minuten Ergebnisse vorliegen.“

Unterdessen liegt das Ergebnis der Untersuchung der Spanplatte vor, die die Eltern in Auftrag gegeben hatten. Ein Büro aus Aachen hat sie mit dem Mikroskop untersucht und festgestellt, dass sie eindeutig mit Schimmelpilzen befallen sei, die oft im Zusammenhang mit Feuchtigkeitsschäden in Innenräumen gefunden würden. Das befallene Material sollte im Innenraum komplett entfernt werden, empfiehlt der Sachverständige.

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier erklärte gestern, in dieser Sache sei alleine der Schulträger zuständig. Er könne das Schließen einer Schule in Eigenregie veranlassen, sei aber auch dafür verantwortlich, dass so schnell wie möglich Ersatzräume zur Verfügung stehen, sagte ADD-Sprecherin Eveline Dziendziol.

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