Kreis Südwestpfalz CJD: Flüchtlingskinder nehmen keine Plätze weg
Dass das CJD Homburg in Contwig zunächst junge Flüchtlinge ohne Eltern betreuen wird (wir berichteten gestern und vorgestern), bedeute nicht, dass kein Platz mehr da ist für deutsche Kinder, die Hilfe bräuchten: Sie kommen in anderen CJD-Häusern unter, versicherte Geschäftsführer Norbert Litschko am Mittwoch dem Gemeinderat.
Die Flüchtlinge würden die 16 Kinder und Jugendliche, die ursprünglich ins Haus sollten, nicht beiseite schieben: „Es gibt keinen Verdrängungskampf.“ Sie würden nur anders verteilt. Das CJD habe auch Häuser in Wolfstein, Pirmasens und Hohenecken. Litschko: „Die Situation für die unbegleiteten Flüchtlinge ist problematischer.“ Jeden Tag kämen neue Ausländer. Gemeinsam müsse man daher einen sinnvollen Weg der Aufnahme finden und sie in geschützten Räumen unterbringen – auch im Interesse der Bürger. „Eine Integration kann gelingen, wenn sie in kleinen Gruppen erfolgt“, ist der CJD-Chef überzeugt. In Contwig werde man acht Jugendliche einquartieren. Es sei eine reine Männergruppe. Man gehe von Eritreern und Afghanen aus, da man mit ihnen Erfahrungen gesammelt habe. „Es können aber auch Syrer sein. Wir kennen die Leute, die zu uns kommen, nicht“, so Litschko. Nach der Herkunft richte sich auch die individuelle Betreuung. Man könne nicht jeden in die Gruppe aufnehmen. Aufgrund der Flucht litten manche Ankömmlinge an posttraumatischen Belastungsstörungen. „Die Syrer sind allgemein gut ausgebildet und oft auch Christen. Die Afghanen sind eher Muslime“, erklärte Peter Malburg, Fachbereichsleiter Jugendhilfe im CJD Homburg. Es könne sein, das man den Jugendlichen erst einmal Schreiben und Lesen beibringen müsse. So könne man nicht einfach im Vorfeld sagen, am Vormittag gehen sie in eine Schule. Schwerpunkt der Betreuung sei die Vermittlung der deutschen Sprache, der Sprache der Arbeitswelt und von lebenspraktischen Fertigkeiten. Und auch Dinge, die für uns selbstverständlich sind. Etwa, welche Regeln es gibt und dass Frauen gleichberechtigt sind. Zur Betreuung, die von fünf erfahrenen Personen gewährleistet wird, gehörten freizeitpädagogische Maßnahmen. Contwig biete ja einige Möglichkeiten zum Sporttreiben. Ziel sei es, den Jugendlichen zu helfen, in unserem Kulturkreis ein selbstständiges Leben führen zu können und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in die Gesellschaft zu integrieren. „Es ist machbar. Für die jungen Menschen selbst ist dies eine große Herausforderung“, betonte Malburg: „Wir hoffen alle, dass sich die Lage in den Krisengebieten beruhigt. Sonst gibt es bei uns gesellschaftliche Probleme.“ Langfristig würde sich auch die Jugendhilfe verändern. Laut Norbert Litschko wurde für das Objekt am Schwarzbachwehr ein Mietvertrag von zehn Jahren Laufzeit abgeschlossen. Das Bauamt habe der Nutzungsänderung zugestimmt. Die Betriebserlaubnis des Landesjugendamtes stehe noch aus. Man hoffe, dass diese bald erteilt werde. „Der erste Bauabschnitt des Gebäudes ist fertig, auch wenn es von draußen weniger gut aussieht“, sagte der Geschäftsführer. Die ursprüngliche Idee – ein Kinderhaus für jüngere Kinder, die nicht bei ihren Familien aufwachsen können – soll nach wie vor umgesetzt werden, nun jedoch später. „Die Öffentlichkeit soll wissen, was da passiert“, sagte Bürgermeister Karlheinz Bärmann. „Verschlossene Türen sind nicht gut“, sagte er. Vor eineinhalb Jahren sei die Idee entstanden, in dem leerstehenden Wohn- und Lagerhaus am Schwarzbachwehr ein Kinder- und Jugendhaus einzurichten. Das Konzept habe bei seiner Vorstellung im Rat eine gute Resonanz erfahren. Vor einigen Tagen habe der Investor aus Contwig informiert, dass mit der Kreisverwaltung Gespräche geführt werden über die Unterbringung von minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Begleitung nach Deutschland gekommen sind. (urr)