Käshofen RHEINPFALZ Plus Artikel „Christa ist wieder da, Corona ist vorbei“ – Seit 39 Jahren ist sie die Eisfrau auf der Sickinger Höhe

12 000 Kilometer fährt Christa Jurklies im Jahr von Dorf zu Dorf – Käshofen, Bechhofen, Wiesbach, Lambsborn, Mörsbach, Rosenkopf
12 000 Kilometer fährt Christa Jurklies im Jahr von Dorf zu Dorf – Käshofen, Bechhofen, Wiesbach, Lambsborn, Mörsbach, Rosenkopf, Klein- und Großbundenbach. Die Leute wissen genau, wann sie kommt, und manche Kinder gehen erst ins Bett, wenn die Eisfrau da war.

Leute aus der Nähe: Wenn Christa Jurklies aus Käshofen mit ihrem Auto vorfährt und die Klingel durch die Dorfstraßen schallt, dann ist die Welt wieder in Ordnung, dann ist ein Stück Heimat, ein Stück Kindheit zurück – und für manch’ kleinen Eisschlecker auch eine Pandemie vorbei. Seit 39 Jahren verkauft sie auf den Dörfern Eis. Nur sie selbst darf am Steuer des Eiswagens sitzen – aber einmal hat sie eine Ausnahme gemacht.

Ihren weißen Bus kennt wohl jeder in und um Käshofen – und das laute Ringen der Glocke umso mehr. Seit 39 Jahren verkauft Christa Jurklies in den Sommermonaten Eis, fährt dabei pro Jahr rund 12 000 Kilometer von Dorf zu Dorf. Auf ihrem Fahrplan stehen Käshofen, Bechhofen, Wiesbach, Lambsborn, Mörsbach, Rosenkopf sowie Klein- und Großbundenbach. Dort ist Jurklies über die Jahre mit ihrem Auto zu einer Institution geworden.

Ihr Wagen gehört zu den Dörfern wie die Bäckerei oder die Metzgerei – die es in manchen Orten schon gar nicht mehr gibt –, ist ein Stück Heimat, für viele Kunden auch ein Teil der Kindheit. „Ursprünglich wollte ich das eigentlich nur nebenberuflich machen. Dann fand ich die Arbeit aber so angenehm, dass ich das nach zwei Jahren hauptberuflich gemacht habe“, erzählt die Eisfrau lächelnd im RHEINPFALZ-Interview.

„Corona ist vorbei“ riefen die Kinder beim ersten Klingeln

Normalerweise fährt die Eisfrau von Anfang April bis in den September hinein Eis aus. So war’s zumindest in den vergangenen 38 Jahren. In diesem Jahr lief es anders. Die Corona-Pandemie und die Einschränkungen machten auch vor Jurklies keinen Halt, vier Wochen lang musste sie ihren weißen Eiswagen stehenlassen, durfte weder herumfahren noch verkaufen.

„Als ich dann aber wieder fahren durfte, war das ganz toll. Die Leute waren erleichtert, weil wieder ein Stück Normalität in ihr Dorf eingekehrt ist“, erzählt sie. Und als sie weitererzählt, bekommt man Gänsehaut: „Als ich das erste Mal dann in den Dörfern geklingelt habe, sind die Kinder aus den Häusern zu mir gerannt und haben gerufen ,Christa ist wieder da, Christa ist wieder da, Corona ist vorbei’.“

Manche planen ihre Pause so, dass sie ein Eis essen können

Dass in den 39 Jahren, in denen Jurklies umherfährt, unzählig viele Geschichte zusammengekommen sind, steht außer Frage. Sie kennt nahezu jeden, und jeder kennt sie und ihr Auto. „Dann kommt manchmal auch eine ältere Frau zu mir an den Wagen und will einfach nur reden“, sagt die Eisfrau. Sie nimmt sich dann auch ein paar Minuten, wenngleich ihr die Zeit im Nacken sitzt: „Die Leute wissen genau, wann ich komme. Und ich kann die Kinder nicht warten lassen, weil die erst ins Bett gehen, wenn ich da war.“ Manchmal gibt es sogar Leute, die richten ihre Pausen genau danach aus, wann der weiße Eiswagen ins Dorf rollt.

Der Verbandsbürgermeister kam schon als kleines Kind

Am Steuer darf nur die Eisfrau höchstpersönlich sitzen. „Niemand sonst darf den Eiswagen fahren“, sagt sie. Einmal hat sie aber eine Ausnahme gemacht: Bei einem Ferienlager am Heckenaschbacher Hof durfte mal der ehemalige Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker fahren und die Klingel bedienen. Eine hohe Ehre, so Jurklies. Aber auch den aktuellen Verbandsbürgermeister Björn Bernhard kennt sie – sogar seit klein auf. „Der war als Kind schon bei mir am Eisauto“, erinnert sie sich mit einem Lächeln auf den Lippen.

Die Eisfrau wohnt zwar in Käshofen, hat dort vor vielen Jahren auch ein Haus gebaut, ursprünglich kommt sie aber aus Limbach, wo sie einen kleinen Laden hatte. In der saarländischen Gemeinde gab es aber zu viel Konkurrenz, ihr Eisauto war nur eines von vielen – nicht so auf dem Dorf. „Dort ist es noch genauso wie früher. Die Leute winken und freuen sich, wenn das Eisauto kommt“, sagt Jurklies.

Ihre Kunden halten der 69-Jährigen seit Jahrzehnten die Treue. Und genau das spornt sie immer wieder an, erneut ins Auto zu steigen und loszufahren. „Für diese Treue bin ich so dankbar“, sagt sie. Andere Eiswagen haben’s da schwer. „Dort geht dann keiner hin. Die kommen nur zu mir“, sagt die Eisfrau stolz.

Würde das Eisauto kaputtgehen, wäre Schluss

Jurklies bleibt jedoch realistisch, weiß, dass sie den Job nicht unendlich lang machen kann. „Ich entscheide von Jahr zu Jahr, ob ich weitermache“, sagt die 69-Jährige. Sollte eine größere Anschaffung, etwa ein neues Auto, anstehen, hört sie auf. „Die Leute wissen das alle“, fügt sie hinzu.

Früher machte sie ihr Eis auch selbst, seit drei Jahren nicht mehr – was aber nicht heißt, dass es nicht mehr schmeckt: Lange hat sie nach dem perfekten Eislieferanten gesucht, letztlich auch einen gefunden. „Auf den Geschmack kommt es an. Wenn das Eis passt, können sich andere warm klingeln“, sagt Christa Jurklies. Wichtig seien immer gute und natürliche Zutaten. Zusatzstoffe haben im Eis kaum was verloren, findet sie. Jurklies selbst isst am liebsten Nuss- und Snickers-Eis. An ihrem Wagen sind die Klassiker Schokolade und Vanille selbstredend die Verkaufsschlager.

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