Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel CDU nimmt zweiten Anlauf für Kandidaten-Kür

Wer zieht ins Hauensteiner Rathaus ein? Die CDU tut sich schwer mit der Kandidatenfrage.
Wer zieht ins Hauensteiner Rathaus ein? Die CDU tut sich schwer mit der Kandidatenfrage.

Keinen eigenen Kandidaten für die Verbandsbürgermeisterwahl konnte die Mitgliederversammlung des CDU-Gemeindeverbandes am Donnerstag nominieren. Am Samstag soll ein zweiter Anlauf unternommen werden. Am Montag, 18 Uhr, endet die Bewerbungsfrist.

Betretene Gesichter, gedrückte Stimmung, Ratlosigkeit und Kommentare, die von „bitter“ bis „blamabel“ reichen: So ist die Atmosphäre bei der Mitgliederversammlung des CDU-Gemeindeverbandes Hauenstein zu beschreiben, die am Donnerstag einen Bürgermeisterkandidaten küren sollte. Und mangels interessierter Bewerber nicht konnte. So vertagte man sich nach knapp 40 Minuten: Am Samstag um 15 Uhr soll ein neuer Anlauf genommen werden, um den Wählern bei der am 13. September anstehenden Wahl doch noch einen CDU-Kandidaten präsentieren zu können.

Michael Zimmermann, nach Manfred Scharys Rücktritt seit gerade mal knapp drei Wochen kommissarischer Vorsitzender des Gemeindeverbandes, berichtete den rund 25 Anwesenden von „unzähligen Gesprächen mit möglichen Kandidaten“, wobei man als wichtigste Kompetenz „Verwaltungserfahrung“ annahm. Die insgesamt „extrem schwierige Kandidatenfindung“ blieb indes erfolglos: „Es ist bitter, dass alle Gespräche mit einem mehr oder minder deutlichen Nein endeten.“ Bis zur Wochenmitte stand „ein aussichtsreicher Kandidat“ bereit. Aber auch der sei letztlich abgesprungen.

Michael Zimmermann bleibt beim Nein

Zimmermann, der ja auch Hauensteiner Ortschef ist, betonte, dass er selbst „manchmal sanft, manchmal massiv gedrängt worden“ sei, zu kandidieren. Er habe aber eine andere „Lebensplanung“. Als Beamter beim Landesrechnungshof habe er seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand beantragt, um sich noch intensiver seinem Amt als Ortsbürgermeister widmen zu können.

„Das ist kein Amt, das man wegen der vielen laufenden Projekte so nebenbei bewältigen kann. Und ich will nicht den einen Vollzeitjob aufgeben, um einen anderen anzunehmen“, begründete er sein Nein zu einer Kandidatur. Aus der Versammlung gab es dann zwar weitere Personalvorschläge. Sven Greiner (Hinterweidenthal), Markus Pohl (Hauenstein), Dietmar Schweinebarth (Schwanheim) lehnten aber mehr oder weniger wortreich eine Kandidatur ab.

Norbert Meyerer, der als CDU-Fraktionssprecher im VG-Rat in die Gespräche eingebunden war, berichtete, dass dort mehr als einmal der Satz „Warum sollte ich mir das antun?“ gefallen war. Er werte diese rhetorische Frage als deutliches Zeichen, „dass es in der Verbandsgemeinde nicht stimmt“ und erinnerte an das Wort Bärbel Schenks, der Ortsbürgermeisterin Hinterweidenthals, die in einer Ratssitzung pointiert formuliert hatte, dass „die Politik der Verbandsgemeinde offensichtlich im Luger Tal bestimmt“ werde.

Führungsspitze aus dem Luger Tal?

Das werde so zementiert, wenn es der CDU nicht gelänge, einen eigenen Kandidaten zu benennen, merkte der frühere Schwanheimer Ortsbürgermeister Fritz Schwarzmüller an. Mit Patrick Weißler, der als Unabhängiger kandidiert und von der FWG VG unterstützt wird, werde möglicherweise ein Schwanheimer der nächste Verwaltungschef sein. Und der erste Beigeordneter sei mit Herbert Schwarzmüller der Schwanheimer Ortschef.

Vor diesem Hintergrund brauche ein künftiger Bürgermeister „sehr kantige Ellenbogen“, warf Ulrich Lauth, der Vorgänger des zurückgetretenen Amtsinhabers Werner Kölsch, ein. Die seien notwendig, um sich bei der gegebenen Konstellation im Verbandsgemeinderat durchsetzen zu können, wo eine Koalition aus FWG VG, SPD und Grünen das Sagen habe und in der Frage der Personalpolitik der Verwaltung auch den von ihr selbst gestützten Bürgermeister Werner Kölsch im Regen stehen ließ.

Auch unsichere Perspektive spielt Rolle

Auch Peter Hofmanns Bitte um Unterstützung bei der Kandidatensuche an Christian Baldauf (wir berichteten am 22. Juli) wurde thematisiert. Mit Verweis auf die Historie der Verbandsgemeinde hatte der Mediziner den CDU-Fraktionschef im Mainzer Landtag gebeten, dabei zu helfen, eine „motivierte Persönlichkeit mit wachem Geist“ als CDU-Kandidaten zu finden. Christof Reichert, der in Hauenstein beheimatete CDU-Kreisvorsitzende, erklärte, dass er über den Vorstoß Hofmanns informiert worden sei. „Wir haben aber eine andere Konstellation als zu den Gründerzeiten der VG, als die CDU die Regierung in Mainz stellte“, konstatierte er.

Damals seien die Ministerien eine „Talentschmiede“ für junge Polit-Talente aus der CDU gewesen. Damals habe auch der Rat den Bürgermeister gewählt, heute werde die Position in einer Urwahl vergeben, bei der der „Bekanntheitsgrad vor Ort der entscheidende Faktor“ sei. Und da sei der Vorlauf vor der anstehenden Wahl einfach zu kurz, um einen Kandidaten von außen entsprechend präsentieren und bekannt machen zu können. Nicht zuletzt: Auch die unsichere Perspektive der VG sei nicht unbedingt ein Aspekt, der Kandidaten nach Hauenstein locke.

Letztlich beschloss die Versammlung einstimmig, in die Verlängerung zu gehen und am Samstag (15 Uhr im „Ochsen“) einen neuen Anlauf zu nehmen. Mit den Alternativen – entweder formell auf einen CDU-Kandidaten zu verzichten oder einen der bislang drei bekannten Kandidaten zu unterstützen – wollten sich die Mitglieder am Donnerstag noch nicht abfinden.

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