Oster-Ausflugstipps RHEINPFALZ Plus Artikel Burg Berwartstein: eine Reise zurück ins Mittelalter

Rund um die Burg Berwartstein führen zahlreiche Wanderwege.
Rund um die Burg Berwartstein führen zahlreiche Wanderwege.

Sie ist die einzige noch bewohnte Burg im Wasgau: die Burg Berwartstein. Die mittelalterliche Felsenburg lässt ihre Besucher eintauchen in die Zeit der Ritter und Gaukler. Das imposante Gebäude begeistert – genauso wie die Umgebung.

Inmitten des Pfälzerwaldes liegt oberhalb der Ortsgemeinde Erlenbach die Burg Berwartstein. Noch halb mit dem Stein, auf dem sie erbaut ist, verbunden, präsentiert sich die Felsenburg schon von weitem mit ihrer beeindruckenden Silhouette. In einer Urkunde wird sie das erste Mal im Jahr 1152 erwähnt und ist somit mindestens 870 Jahre alt. Nach mehreren Besitzerwechseln ist die Burg nun seit 1955 im Privatbesitz der Familie Wadle. In dritter Generation führen Barbara Wadle und ihr Ehemann Reiner Klose diese Familientradition nun fort, kümmern sich um die Instandhaltung der Burg und wohnen auch dort. Die Burg Berwartstein ist somit die einzige noch bewohnte Burg der Region. Reiner Klose erklärt das vor allem damit, dass die meisten anderen Festungen in der Umgebung Ruinen sind und demnach längst nicht so gut erhalten wie jene, die er sein Zuhause nennen kann.

Zur Hälfte aus dem Fels geschlagen

Doch nicht nur das macht den Berwartstein zu etwas ganz Besonderem in der Region. Neben dem außergewöhnlichen Felsschacht, der ehemals als Burgeingang fungierte, dem Original-Burgbrunnen oder den Folter- und Waffenkammern mit Replikaten von mittelalterlichen Gerätschaften wie einem Rammbock, Ritterrüstungen oder einer Steinschleuder, ist es vor allem die Erscheinung der Burg, die Klose begeistert: „Es handelt sich ja um eine Felsenburg, das heißt, die Burg ist bis zur Hälfte aus dem Fels geschlagen und daraus ergibt sich auch, dass sie so schmal, aber lang ist. Diese schlanke Erscheinung verleiht der Burg ein majestätisches Bild.“

Dass die Festung komplett mit dem Felsen verbunden ist, wird auch im Inneren des Gebäudes deutlich. Beim Wandern durch die Gänge und dem Hinab- und Hinaufsteigen der schmalen Treppen zeigt sich an vielen Stellen, wo der Fels für das Erbauen der Burg ausgehöhlt wurde.

Führungen sind kostenlos

Mehr über die Bauweise und die Geschichte rund um die Burg und das Mittelalter können die Besucher bei einer der kostenlosen Führungen erfahren. Diese finden je nach Bedarf in Kleingruppen statt. Die Führung ist aufgrund der bis vor Kurzem geltenden Corona-Regeln nach wie vor etwas verkürzt, um entgegenkommenden Besucherverkehr zu vermeiden. Klose hofft jedoch, nach Rücksprache mit der Kreisverwaltung Pirmasens demnächst wieder das volle Programm anbieten zu können. Dazu gehören dann auch Veranstaltungen wie das Rittermahl oder Fackelführungen mit einem anschließenden „Ritterimbiss“ am Lagerfeuer.

Diese wurden in den vergangenen zwei Jahren abgesagt, da besonders das Rittermahl, bei dem es vor allem um Geselligkeit gehe, „einen Großteil seines Reizes verloren hätte“, erklärt Klose. Der Burgherr ist jedoch optimistisch, dass die Veranstaltungen in diesem Jahr wieder abgehalten werden können.

Zunächst freut er sich, dass die Außengastronomie nun seit einer Woche wieder durchgängig geöffnet hat und die Besucher in dem großzügigen Burghof mit Speisen und Getränken verköstigt werden können. Für Regentage gibt es seit diesem Jahr auch einen kleinen überdachten Bereich. Der Wintergarten ist verglast, sodass man dennoch einen tollen Blick auf die Burg und den Pfälzerwald hat – wie es auch auf dem Rest der Anlage und vor allem auf den Terrassen der Fall ist.

Ein Ausflug für die ganze Familie

Die Gastronomie ist laut Klose ein sehr wichtiges Standbein für die Burg, da sie mit dazu beiträgt, dass ein Ausflug auf den Berwartstein sowohl etwas für ältere Menschen, als auch für Paare oder Familien mit Kindern ist. Besonderes Letztere seien in den vergangenen Jahren zum Hauptpublikum geworden: „Ritter und Mittelalter sind für Kinder zum Glück immer noch ein Thema, trotz des großen Angebotes im Internet, Science-Fiction und so weiter. Und während die Kinder die Burg entdecken, können sich die Großeltern zum Beispiel in den Biergarten setzen.“ Er habe die Erfahrung gemacht, „wenn es den Kindern gefällt, gefällt es auch den Erwachsenen“.

Dementsprechend seien auch die Führungen so gestaltet, dass sie kurzfristig auf die jeweilige Altersklasse der Teilnehmenden angepasst werden können. Eine Gebühr wird für die Führungen übrigens nicht verlangt, diese ist im Eintrittspreis von sechs Euro für Erwachsene und vier Euro für Kinder bereits enthalten – Trinkgelder ausgeschlossen.

Das Eintrittsgeld wiederum wird vollständig in die Instandhaltung der Burg reinvestiert, denn: „Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem nicht wieder eine Hiobsbotschaft kommt“, verrät der Burgherr. Zuletzt seien wieder zwei Mauerstücke eingebrochen, die nun repariert werden müssten. „Man muss immer Rücklagen bilden, weil man nie weiß, wann wieder etwas kommt“, erzählt Klose. Einen Verkauf könne sich Klose dennoch nicht vorstellen. Zudem sei es der ausdrückliche Wunsch der Familie Wadle, dass die Burg in Familienbesitz bleibe.

Weitere Unternehmungen in der Umgebung

Wer sich selbst einmal wie ein Burgherr fühlen möchte, kann die Burg übrigens nicht nur bei einem Tagesausflug besichtigen, sondern auch in einem der beiden Doppelzimmer übernachten. So kann noch einmal tiefer in die Atmosphäre der Burg eingetaucht werden, die man am Abend quasi für sich alleine hat.

Und auch die Umgebung der Burg bietet noch allerlei Weiteres zu entdecken. So hebt der Erlenbacher Bürgermeister Dirk Eichberger besonders das gut ausgebaute Netz der Erlebnis- und Rundwanderwege hervor. Von kleineren Routen bis hin zu herausfordernden Strecken gebe es rund um die Burg für jedes Level den passenden Wanderweg inmitten des Pfälzerwalds.

Auch ein Besuch des nahe gelegenen Weihers mit dem Kiosk „Seehof“ am Fuße der Burg empfiehlt Eichberger. Eine weitere besondere Übernachtungsmöglichkeit bietet zudem das 1810 erbaute Hedwighaus im Ort. Auch hier lädt ein Restaurant und Biergarten zum Verweilen ein.

Der tiefe Brunnen diente damals der Wasserversorgung.
Der tiefe Brunnen diente damals der Wasserversorgung.
 Der überdachte Gastronomiebereich im Burghof ist perfekt für schlechtes Wetter.
Der überdachte Gastronomiebereich im Burghof ist perfekt für schlechtes Wetter.
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