Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Brandstifterprozess: Beschuldigter spricht mit totem Vater

Beim ersten Brand im Haus in der Contwiger Hauptstraße griff das Feuer auf die Garage und die Fassade des benachbarten Gasthause
Beim ersten Brand im Haus in der Contwiger Hauptstraße griff das Feuer auf die Garage und die Fassade des benachbarten Gasthauses Bärmann über.

Der mutmaßliche Brandstifter von Contwig und Pirmasens hat einen Mann bedroht, der im selben Haus mit ihm gewohnt hat. Und ihm etwa zwei Wochen vor dem zweiten Brand eine ominöse Sprachnachricht geschickt.

„Anfangs war er freundlich, offen, entgegenkommend und hilfsbereit. Wir hatten ein gutes Verhältnis zueinander“, so beschreibt ein 40-Jähriger seine Beziehung zu seinem ehemaligen Nachbarn in Contwig. Er sagte am Dienstag bei dem Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter vor dem Landgericht Zweibrücken als Zeuge aus. Er sei 2016/2017 – genau wisse er das nicht mehr – mit seiner Lebensgefährtin nach Contwig in ein Mehrfamilienhaus gezogen. In der Wohnung über ihnen wohnte der Syrer, der vor zwei Jahren in eben diesem Haus in der Hauptstraße innerhalb von fünf Wochen zweimal Feuer gelegt haben soll. Beim zweiten Mal brannte das Anwesen vollständig aus. Im März dieses Jahres soll er in Pirmasens ebenfalls in einem Haus Feuer gelegt haben, in dem er zu jener Zeit wohnte. Diesmal blieb es bei Schäden in der Wohnung.

Gespräche mit dem toten Vater

Da Staatsanwalt Patrick Langendörfer vermutet, dass der Syrer die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus erfüllt hat, wird der Prozess Sicherungs- statt Strafverfahren genannt. Der Mann auf der Anklagebank wird Beschuldigter, nicht Angeklagter genannt. Nachdem der Vater des Beschuldigten gestorben war, habe er sich verändert, habe sich immer mehr zurückgezogen, erinnert sich der ehemalige Nachbar aus dem Contwiger Brandhaus. „Er hat auch mal behauptet, sein toter Vater wäre ihm erschienen und hätte sich stundenlang mit ihm unterhalten.“ Doch damit nicht genug: „Er war davon überzeugt, die Leute wollten ihm in den Kopf reinschauen, hat sich in Themen wie Illuminaten und Verschwörungstheorien reingesteigert.“ Der Beschuldigte habe auch ständig Dreiecke mit Augen darin gemalt, was ebenfalls auf Illuminaten hinweise.

Als seine Lebensgefährtin schwanger geworden war, zog das Paar 2020 aus dem Haus aus, aber schon vorher hätten sich die beiden von dem Beschuldigten distanziert. Als der Zeuge ihn anschließend am Bahnhof getroffen und ihm gesagt habe, er solle ihn in Ruhe lassen, habe ihm der Syrer geantwortet: „Das nächste Mal kommt Daniel. Dann geht das nicht mehr so gut aus.“ Im damaligen Freundeskreis sei bekannt gewesen, dass dieser sich gelegentlich „Daniel Dunkel“ nenne – was nicht seinem richtigen Namen entspricht.

Brand in Sprachnachricht angekündigt

Nach dieser Begegnung habe es eines Nachts an der neuen Wohnung des Pärchens geklopft. Kratzgeräusche seien zu hören gewesen. Als der 40-Jährige später nachsah, habe jemand mit Kugelschreiber „Daniel“ auf den Schreibblock gekritzelt, der außen an der Wohnungstür hing.

Etwa zwei Wochen vor dem zweiten Brand in Contwig am 1. August 2022, habe der Beschuldigte ihm eine Sprachnachricht auf sein Handy geschickt, erzählt der ehemalige Nachbar. Darin habe der Beschuldigte den Namen seines Vermieters in der Hauptstraße genannt und dass der 40-Jährige „aufpassen“ müsse, denn bei eben diesem Vermieter werde es brennen. So ähnlich sei der Wortlaut gewesen, wobei er nicht alles verstanden habe.

Frau sitzt während Brandes wimmernd am Fenster

An dem Tag, an dem das Mehrfamilienhaus in Contwig zum zweiten Mal brannte, habe er zuvor gehört, wie ein Mann und eine Frau streiten, berichtet ein Mann, der in einem Haus in unmittelbarer Nähe des Brandhauses wohnt. „Es hörte sich dann auch nach einer körperlichen Auseinandersetzung an.“ Schließlich habe er eine Frau wimmern gehört. „Ich ging raus, um nachzusehen, was los ist. Da habe ich Qualm aus dem ersten Stock aufsteigen sehen“, berichtet der 62-Jährige. Schließlich habe er gesehen, dass das Wimmern von einer Frau kam, die im zweiten Stock am Fenster saß. Die Frau wurde gerettet. Insgesamt haben vier Personen bei dem Brand eine Rauchvergiftung erlitten.

Bei dem Brand sei auch sein Hausdach beschädigt worden. Die Kosten für die Reparatur seien auf rund 35.000 Euro veranschlagt. Den Beschuldigten habe er als ruhigen, hilfsbereiten Nachbarn erlebt. Auch mit seinem ehemaligen Contwiger Vermieter hätte der Beschuldigte seines Wissens kein schlechtes Verhältnis gehabt. Der Vermieter habe ihm im Nachgang erzählt: „Ich hab’ ihm gesagt, er soll seine Medikamente nehmen, aber er hat sie nicht genommen.“

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