Kreis Südwestpfalz Blühstreifen für Bienen
«Zweibrücken/Contwig.» Sie bestäuben 80 Prozent unserer Pflanzen. Sie sichern unsere Nahrungsreserven und unser letztlich unser Überleben. Die Rede ist von den Bienen. Und von diesen gibt es immer weniger. Gefährdet sind aber nicht die Honigbienen, die in Völkern von Imkern umsorgt werden, sondern die Wildbienen, die Einzelgänger sind. Rolf Lehmann, Landwirt vom Contwiger Heidelbingerhof, setzt sich für die Bienen ein. Er hat im vergangene Jahr in einem Pilotprojekt mit der Daniel-Theysohn-Stiftung, der unteren Naturschutzbehörde und dem Naturschutzbund (NABU) angefangen, auf seinen Feldern Blühstreifen auszusäen. Alle mehrere Meter breit. „Die Bienen und die Insekten sind da, wo es mehr blüht“, erklärt Lehmann. Er kritisiert in diesem Zusammenhang den Trend zu Steingärten und die Mode, alle möglichen Flächen zu versiegeln. „Das fängt schon im Dorf an“, sagt der Landwirt, „Wenn ich in meinen Hof schaue, dann blüht dort alles. Ich kann das nicht nachvollziehen, warum man sowas macht“, sagt Lehmann. Die Blühmischungen, die speziell zusammengestellt werden, um Nahrung für Insekten zu bieten, blühen über das gesamte Jahr. Im vergangen Jahr sogar bis in den November, wie Lehmann beobachtet hat. „Das ist in der Natur auch so, dass nicht alles gleichzeitig anfängt zu blühen“, erklärt der Landwirt. Während die Blühmischungen anderer Landwirte in der Regel nur ein Jahr blühen, ist es bei Lehmann eine mehrjährige Mischung. Dafür hat er aber auch strengere Auflagen von der unteren Naturschutzbehörde. So dürfe er etwa die Blühstreifen nicht befahren. Lehmann kritisiert auch die Haltung gegenüber den Landwirten: „Die Landwirte bekommen immer gesagt, dass sie mehr für die Bienen und Insekten machen müssen. In den Städten passiert aber nichts. Und dabei machen die Landwirte schon sehr viel“, sagt Lehmann. In den Blühmischungen sind sowohl Wildkräuter als auch Kulturpflanzen, wie Arno Sprau von der unteren Naturschutzbehörde sagte. Als Beispiel nannte er Johanniskraut, Margeriten, Ringelblume, Fenchel und die Sonnenblume. Insgesamt sind in der Mischung, die Lehmann auf seinem Acker ausgesät hat, 58 Pflanzensorten enthalten. Ein Kilogramm Samen reiche für 1000 Quadratmeter. „Ich hoffe, dass daraus ein Schneeballsystem resultiert und noch viel mehr solche Blühstreifen anpflanzen“, sagte Sprau. Michael Kiefer, Vorsitzender des Zweibrücker Imkervereins, sagte, dass jeder was für die Bienen tun kann. Das Einfachste, auch für Kiefer: „Auf Steingärten verzichten und lieber einen grünen und blühenden Garten haben“. Der Imker verweist ebenfalls auf die Blühmischungen für Bienen. Nicht jede Pflanze biete Nahrung für Bienen. In den Mischungen seien Samen verschiedenster Blumen, die das ganze Jahr verteilt blühen und Pollen für Bienennektar bringen. Auch Bienenhotels, also Baumstämme mit Löchern, in die Insekten ihre Nester bauen können, hält Kiefer für hilfreich und vor allem schnell und einfach einrichtbar. „Wir Imker kümmern uns ja aber hauptsächlich um die Honigbiene. Die ist weniger in Gefahr, da wir uns ja um sie sorgen“, erklärte Kiefer. Bei den Honigbienen haben die Imker laut Kiefer etwa 20 Prozent Völkerverlust über den Winter: „Früher war das definitiv weniger. Wir haben die Bienen zum Teil schon füttern müssen“, sagte Kiefer. Ein weiterer Grund für das Völkersterben sei die Varoamilbe, die sich in den vergangenen Jahren ausgebreitet habe. Laut der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) ist in Europa fast jede zehnte Wildbienenart vom aussterben bedroht. Bei mehr als der Hälfte der Arten gibt es keine genauen Zahlen zum Bestand. Generell gehe die Zahl der Insekten zurück. Warum die Insekten sterben, darüber herrscht Uneinigkeit. Umweltschützer nennen als einen der Hauptgründe den enorm starken Einsatz von Pestiziden und den Trend zu Steingärten. Forscher gehen davon aus, dass große Felder mit Monokulturen ebenfalls schuld sind. Laut Kiefer ist die Biene „das drittwichtigste Nutztier“.