Contwig Bis 11 Uhr sollen alle Häuser leer sein, ab 12 Uhr wird die Weltkriegsgranate gesprengt
Um 12 Uhr wird es ernst. Dann soll die Sprengung der Granate beginnen, die am Dienstag bei Arbeiten in der Tränkgasse gefunden wurde. Das betroffene Gebiet soll aber schon um 11 Uhr leer sein, wünscht sich Werner Semar, der Leiter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde. Er appelliert an die Bewohner, dass sie ihre Häuser im Laufe des Morgens verlassen. Zurück dürfen sie erst, wenn Entwarnung gegeben wurde, also wenn die Granate, die mittlerweile an der Kläranlage liegt, kontrolliert von den Experten aus Worms gesprengt wurde.
Es komme zwar immer wieder vor, dass noch Bomben oder Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden, aber dass dafür Teile eines Dorfes evakuiert werden müssen, das ist laut Semar in den letzten 20 bis 30 Jahren in der Verbandsgemeinde nicht vorgekommen. 800 Personen wohnen in dem betroffenen Gebiet – im Radios von 300 Metern um die Kläranlage herum –, schätzt die Feuerwehr. Viele werden von der Evakuierung gar nicht betroffen sein, da sie um diese Zeit auf der Arbeit oder in der Schule sind. Vier Personen haben sich bis gestern Nachmittag bei der Verbandsgemeinde gemeldet, weil sie auf Hilfe angewiesen sind und am Donnerstagmorgen abgeholt werden möchten. Drei werden vorübergehend in der Schulturnhalle in Stambach betreut, wo eine Notunterkunft eingerichtet ist. Dort kann jeder hin, der nicht weiß, wo er die Zeit überbrücken soll.
Dabei hätte es schlimmer kommen können: Wenn die Granate noch am Fundort in der Tränkgasse läge, wären weit mehr Contwiger betroffen. Zum einen hätte der Kreis um die Granate herum mehr in die Ortsmitte geragt. Zum anderen hätte man dann den Radius größer ziehen müssen, hat Semar vom Kampfmittelräumdienst erfahren. Die Granate ganz außerhalb zu bringen – etwa an den Zweibrücker Flugplatz –, das sei hingegen nicht möglich gewesen. Es habe bereits ein Splint gefehlt, und die Gefahr sei zu groß gewesen, dass die Granate bei einem längeren Transport zündet, sagte Werner Semar auf Anfrage.
Die Polizei sperrt ab 10 Uhr die Contwiger Ortsdurchfahrt, und zwar zwischen der Dorndorf-Kreuzung in Niederauerbach und der Ampel in der Contwiger Ortsmitte. Wer während der Sperrung von Zweibrücken ins Schwarzbachtal muss, nimmt am besten den Umweg über die Autobahn bis zur Abfahrt am Outlet oder gleich bis Walshausen/Dellfeld. Auch die Verbindung Richtung Fasanerie ist gesperrt.
Davon betroffen ist auch die Bahnstrecke. Laut Werner Semar fährt um 11.05 Uhr der letzte Zug zwischen Contwig und Zweibrücken. Der Zugverkehr werde wieder aufgenommen, sobald die Granate gesprengt wurde. Von der Bahn hat Semar die Auskunft, dass sie in der Zeit der Sperrung Busse zwischen Dellfeld und Zweibrücken einsetzen möchte. Näheres war bei der Bahn gestern nicht zu erfahren.
Laut Holger Hell, dem Medienbeauftragten der Feuerwehr, sind etwa 160 Hilfskräfte der Feuerwehr, der Polizei, des Ordnungsamtes, des Roten Kreuzes und des ASB im Einsatz. Die Einsatzzentrale wird in der VT-Turnhalle sein.