Kreis Südwestpfalz Bei dem Geruch wird der Bürgermeister wehmütig

Ein Jahr lang haben die Mitglieder des Kleinbundenbacher Heimatvereins einen Ofen für die Kleinbundenbacher Vereine gebaut (wir berichteten am Samstag). Beim Dorffest im Juni war Premiere, offiziell eingeweiht haben ihn die Selbstbauer am Samstagabend mit einem großen Flammkuchenfest.
Rund 14 000 Euro ist der etwa zwei mal drei Meter große Backofen aus Schamottsteinen laut dem Heimatvereinsvorsitzenden Dieter Ahrens wert. Ein richtiges kleines Haus haben die Helfer errichtet, mit Holzdach, Regenrinnen und vier digitalen Temperaturanzeigen, die die Temperaturen in den Steinen, auf der Backfläche, im Kamin sowie außen anzeigen. Den über 80 Gästen am Samstagabend waren die technischen Details ziemlich egal, sie hatten Hunger mitgebracht und ein wenig Kleingeld. Denn für 8,50 Euro konnten die angemeldeten Gäste so viel Flammkuchen essen, wie sie wollten. Ganz normaler Flammkuchen mit Speck und Zwiebeln stand ebenso auf der Speisekarte wie Variationen mit Camembert, Münsterländer Käse und später als Dessert süße Flammkuchen mit Äpfeln belegt, mit Kirschen oder auch mit Nutella und Schlagsahne. 300 frische Teiglinge hatte die Truppe um Dieter Ahrens im Vorfeld besorgt. Die meisten der Besucher kamen aus dem Dorf, aber auch aus Großbundenbach fanden ein paar Hungrige den Weg zum neuen Ofen direkt neben dem Dorfgemeinschaftshaus. Brot, Schneckennudeln, Brötchen, Spanferkel und Saumagen sowie Hähnchen haben die Erbauer bereits im neuen Ofen getestet und für gut befunden. „Man kann mit einem solchen Ofen viel mehr machen als beispielsweise mit einem Grill. Auf einem Grill gelingen keine Pizza und kein Flammkuchen, kein Brot und kein Gebäck“, erklärte Dieter Ahrens, der am Ofen von Karl Bißbort unterstützt wurde. Sie schoben im Akkord bis zu sechs Flammkuchen gleichzeitig in den mit 35 Kilo Buchenholz angefeuerten Ofen, der die Wärme je nach Außentemperatur mehrere Tage halten kann. Rudi Bißbort hat für den neuen Ofen 60 Bretter aus Birken-Schichtholz hergestellt, die die Helfer mit Distelöl behandelt haben. Brettständer, Schieber und weitere Ausrüstungsgegenstände haben sich die Kleinbundenbacher bei einem Rodalber Fachhändler besorgt. Allerdings darf den Ofen nicht jeder benutzen. „Er ist für die örtlichen Vereine gedacht. Die bekommen beispielsweise vor einem Fest eine Einweisung, dann dürfen sie backen und braten“, erklärte Ahrens. Privatleute hingegen haben keine Chance: „Der Ofen soll auch der Gemeinschaft dienen und diese stärken.“ So wurden am Samstagabend auch keine Einzelbestellungen aufgenommen, sondern die fertig geschnittenen Flammkuchen haben die Helfer einfach auf die Tische gestellt, und jeder konnte sich nehmen. Fast wehmütig erinnerte sich Bürgermeister Karl Bißbort an seine Jugend, als noch fast in jedem Haus ein Steinofen vorhanden war, und an den Geruch, wenn frisch gebacken wurde. „Das schmeckt heute noch und ist etwas ganz anderes als gekauftes Brot“, sagte Bißbort. (mml)