RIESCHWEILER / CONTWIG / SCHMITSHAUSEN RHEINPFALZ Plus Artikel Bauern im Endspurt auf den Kornfeldern

Ein Erntefeld kann der allerschönste Spielplatz sein.
Ein Erntefeld kann der allerschönste Spielplatz sein.

Die Getreideernte ist besser ausgefallen, als man angesichts des Wetters hätte erwarten können. Der Getreidepreis sinkt. Die Lager in den Annahmestellen sind voll.

Michael Böhler aus Contwig hatte zur Wochenmitte Biogetreide an der Rieschweiler Mühle Isemann angeliefert. Dort erzählte er, dass ihn die aktuelle Ertragsausbeute nicht sonderlich zufriedenstellt. Dass der Regen über Wochen ausgeblieben ist, wirke sich gerade im Sandboden bei der Kornausbildung besonders nachteilig aus.

In der Mühle wird das Getreide, das Böhler herbeigebracht hat, intensiv gereinigt. Danach erhält der Landwirt sein hochwertiges Naturprodukt zum Verkauf zurück. Michael Böhler hat noch einigen Sommerweizen stehen, der noch nicht abgereift ist. Hier plagt den Landwirt bereits die Ungewissheit, ob seine Bemühungen seit der Aussaat auch belohnt werden. Denn Wachstum und Reifephase seien nicht harmonisch abgelaufen, da das Wetter bis zur Ernte allzu oft sehr ungünstig gewesen sei. „Sollten die belastende ungewöhnliche Hitze und der Regenmangel bei uns dauerhaft den Sommer bestimmen, dann wird der Feldanbau zur Bewährungsprobe für eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung“, wünscht sich Böhler „wieder ganz normale Jahreszeiten“.

Keine Rekordernte, aber überm Durchschnitt

Müllermeister Daniel Isemann berichtet, dass die Hochphase der Ernte inzwischen abgeschlossen sei. „Jetzt wird nur noch wenig Getreide angeliefert.“ Die Mühle habe genügend Weizen, Roggen, Dinkel, Einkorn, Gerste und Hafer bekommen, um daraus Mehl zu mahlen. Vor allem gebe es ausreichend gutes Mehl für jene Menschen, die mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu kämpfen haben, aber trotzdem ein frisches selbst gebackenes Brot genießen möchten. Wie der Müller zu berichten weiß, gibt es einige Bauern in der Region, die mit Erfolg alte gutverträgliche Getreidesorten anbauen. Somit könne er jetzt wieder viele passende Backmischungen in seinem Mühlenlädchen anbieten.

Bisher seien die Bauern und die Mühlenbetreiber mit dem Ernteergebnis zufriedener als allgemein erwartet, erzählt Müllermeister Hans Isemann. Trotz des Mangels an Regen sei man an einer „Notreife“ beim Getreide vorbeigeschrammt. Die geforderten Qualitätsmerkmale konnten weitgehend erreicht werden, sodass es weiterhin gute Backwaren, Nudeln und Müsli geben werde. Angesichts der allgemeinen Verunsicherung, laut derer der Getreidemangel weiterhin zunehmen werde, habe auch der Mühlenbetrieb am Schwarzbach jede Möglichkeit genutzt, um ein wenig mehr Getreide vorrätig zu haben als in weniger gut verlaufenen Erntejahren. Zudem habe man auch schon Getreide dorthin abgegeben, wo es benötigt wurde.

Eher wenig Einfuhren aus der Ukraine

Die traurigen, schwer begreiflichen Probleme bei der Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine belasten nach Isemanns Einschätzung den deutschen Markt „eigentlich kaum“. Denn Deutschland führe eher wenig Getreide aus der Ukraine ein. Schlimm seien die Praktiken der Spekulanten, die mit diesem Nahrungsmittel Geld machen, und die Drosselung des Ausstoßes aus Russland. Den erfahrenen Müller überraschte, dass Russland ein solch riesiger Getreideexporteur sei.

Im Mai hätten die Getreidepreise ihren Höchststand erreicht, erzählt Hans Isemann. Inzwischen bewege sich die Preisentwicklung wieder stetig abwärts. Das seien zwei Extreme, die er „nicht wirklich begreifen“ könne. Die Getreidebörse in Paris gebe jedoch die Richtschnur dafür vor, was als angemessen gilt. Um den Unruhen am Markt zu entgehen, gehen jetzt viele Bauern dazu über, im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst Getreide einzulagern, um es zu einem für sie günstigen Zeitpunkt zum Verkauf anzubieten.

Rapsernte in der Region ein Volltreffer

Landwirt Roberto Lenhard aus Schmitshausen hat weitgehend schon einen Schlussstrich unter sein Ernteergebnis 2022 gezogen. Beim Raps hat er nach langer Zeit mal wieder ein echtes Spitzenergebnis eingefahren. „Beim Ertrag und beim Ölgehalt war der Raps super.“ Dies sei bei fast allen Landwirten so gewesen; in zehn Jahren sei dies oft nur zweimal der Fall. Beim Weizen spricht der Landwirt von einer „gut durchschnittlichen Ernte“. Dieses Getreide hat er eingelagert, um es später zu verkaufen, wenn der Preis wieder klettert. Schließlich möchte Lenhard beim Verkauf nicht nur gerade eben seine Produktionskosten decken. Die seien in diesem Jahr durch den teuren Dünger und den überteuerten Sprit für Traktoren und Mähdrescher extrem hoch gewesen. Auch bei der Futterpflanze Triticale lag die Qualität im zufriedenstellenden Mittelfeld.

Ein Totalausfall waren Lenhards Futtererbsen. Dabei hätten diese lange sehr gut ausgesehen. Sie überlebten die Trockenheit nicht und sind vorzeitig abgestorben.

Jetzt hat der Landwirt seine letzten leuchtenden Strohrollen eingefahren: „Dieses Jahr ist das Stroh auf der Sickinger Höhe von bester Güte.“

Der Schmitshauser Landwirt Roberto Lenhard fährt goldgelbes, duftendes Weizenstroh ein.
Der Schmitshauser Landwirt Roberto Lenhard fährt goldgelbes, duftendes Weizenstroh ein.
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