Hauenstein
B10-Ausbau: Lokalpolitiker fordern Planänderung für Felsnase
In der jüngsten Sitzung des Ortsgemeinderates Hauenstein informierte Ortsbürgermeister Michael Zimmermann über das Ergebnis einer Dienstbesprechung der Ortschefs der Verbandsgemeinde zum Thema „Ausbau der B10“. Die Mitteilung stellt bisherige Ausbau-Pläne auf den Kopf.
Zunächst: Die Ortschefs sind sich einig und haben ihre Position vergangene Woche in einem Schreiben an den Landesbetrieb Mobilität (LBM) zum Ausdruck gebracht: Man lehnt den geplanten dreispurigen Ausbau des neuralgischen Punktes „Felsnase“ ab. Darauf sollte verzichtet werden und stattdessen zügig und ohne Umweg über die Dreispurigkeit der vierspurige Ausbau forciert werden. Ähnliches fordert der Gemeindeverband der SPD in einer Pressemitteilung, die die RHEINPFALZ am Dienstag erreichte. Den aktuellen Anlass und den Hintergrund der Aktivitäten bilden die Ausführungen, die der Leiter des Landesbetriebs Mobilität, Reinhard Lutz, in der Verbandsgemeinderatssitzung am 11. Mai gemacht hatte.
Fels soll abgetragen werden
Am Unfallschwerpunkt „Felsnase“ sei, so hatte Lutz ausgeführt, die Richtungsfahrbahn Pirmasens etwa sechs Meter höher als die bisherige Straßenführung, die die Trasse Richtung Landau aufnimmt, in den Fels einzubringen. Der gewachsene Fels werde zu diesem Zweck „versteilt“ und abgetragen. Für die Baumaßnahme, für die Lutz mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren und mit Kosten in Höhe von acht Millionen Euro rechnet, laufe das Planfeststellungsverfahren, das Ende 2021 abgeschlossen sei. Anschließend solle mit der Erstellung der Ausführungsunterlagen begonnen werden, die Ausführung „zeitnah nach Baurecht“ erfolgen. Und diesem dreispurigen Ausbau soll dann ja noch die Erweiterung der B10 auf vier Spuren folgen, für deren Realisierung mehrere Varianten diskutiert werden – unter anderem jene, die dem bisherigen Verlauf der B10 folgt.
Zu große Belastung für die Orte befürchtet
Dass man in der VG den doch zeitnah möglichen dreispurigen Ausbau ablehnt, hat denn auch mit dem zu erwartendem weiteren Ausbauschritt zu tun, wie Michael Zimmermann auf RHEINPFALZ-Nachfrage antwortet. „Wir wollen allen die Belastung einer solch umfangreichen und lang andauernden Baumaßnahme ersparen“, sagt er und sieht „die große Gefahr, dass Hauenstein für lange Zeit vom Verkehr aus dem Westen abgeschnitten wird und die Verkehrsbelastung im Ort und auch in den umliegenden Ortschaften exorbitant zunimmt.“ Zimmermann sieht große Nachteile für den Ort und auch „für die Geschäfte im Ort und die Schuhmeile“.
Deswegen fordern er und seine Amtskollegen zunächst den Verzicht auf die vorgestellte Felsnasenlösung. Bei dem ins Auge gefassten vierspurigen Ausbau der B10 zwischen Hauenstein und Hinterweidenthal plädieren sie für die Realisierung der Südvariante auf einer weitgehend neuen Trasse südlich des derzeitigen Straßenverlaufs. „Die jetzige B10 könnte dann in der Bauphase in Betrieb bleiben und gleichzeitig als Baustraße diesen. Nach Abschluss der Maßnahme wird sie so weit zurückgebaut, dass sie als Fahrrad- und Wirtschaftsweg verbleibt.“
Die so von Michael Zimmermann (CDU) vertretene Position wird vom Gemeindeverband der SPD inhaltlich geteilt und erweitert. In einer von Andreas Wilde unterzeichneten Pressemitteilung äußert sich die SPD „mehr als unzufrieden“ über die Präsentation des LBM im Verbandsgemeinderat und kritisiert auch „schleppende Planung und Ausführung“. Die Sozialdemokraten befürchten, dass sich der LBM beim B10-Ausbau „anscheinend schon auf eine Variante“ – jene, die dem bisherigen Verlauf folgt – entschieden habe. Sie beschere aber „wahrscheinlich jahrzehntelange Probleme in der Verbandsgemeinde Hauenstein und Dahner Felsenland“.
SPD schlägt Tunnel an Felsnase vor
Die SPD erinnert an einen einstimmigen Beschluss des Verbandsgemeinderates für die „Südvariante“, die hinter dem Frauenstein auf den Radweg und von dort bis vor die Felsnase Hauenstein weitergeführt wird. „Diese Variante hätte den Vorteil, dass der jetzige Fahrzeugverkehr auf der Bundesstraße 10 ohne Einschränkung weiterlaufen kann und die neue Trasse komplett und durchgehend ausgebaut werden kann.“ Der SPD sei „bewusst, dass die Felsennase in allen Varianten Probleme bereiten wird.“ Deshalb schlage man vor, die Felsnase mit einem Tunnel von Hauenstein kommend bis in den Bereich Schwemmwasser zu unterqueren, was bei fließendem Verkehr geschehen könnte.
Wie die Ortschefs sieht die SPD „bei einem Abtragen der Felsnase größte Bedenken für den fließenden Verkehr“ und befürchtet katastrophale Auswirkungen für die ganze Region, falls die Bundesstraße teilweise oder komplett gesperrt werden muss. „Eine Sperrung würde beispielsweise die Schuhmeile Hauenstein wieder direkt betreffen und Einkäufer und Touristen wieder abschrecken, große Umwege über die B 48 oder über Dahn-Busenberg in Kauf zu nehmen.“ Wird gesperrt, löste das auf der Ausweichstrecke Sarnstall-Lug- Vorderweidenthal-Busenberg-Dahn und Hinterweidenthal wieder „einen verkehrstechnischen Ausnahmezustand“ aus.
Runder Tisch gefordert
Die Leidtragenden seien „Bürgerinnen und Bürger an der Umleitungsstrecke, aber auch die Pendler, die täglich auf diese Strecke angewiesen sind, um rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz zu kommen“. Die SPD betont, dass sie „uneingeschränkt für den vierspurigen Ausbau von Hinterweidental bis Landau“ sei, sie fordere aber „einen runden Tisch mit allen Beteiligten, um eventuell die Reißleine zu ziehen und die Planungen im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger auf den Weg zu bringen: Ein scheibchenweiser Ausbau mit dem ganzen Baustellenchaos muss vermieden werden“.
Wie der Landesbetrieb zu diesen Forderungen steht, ist noch unklar. Behördenleiter Richard Lutz will sich jedoch in Kürze dazu äußern, wie er auf Anfrage mitteilte.