Thaleischweiler-Fröschen
Bürgerbus bringt Menschen schon vorm Start zusammen und ins Gespräch
Wie ist es, auf dem Land ohne eigenes Auto oder Mitfahrgelegenheit Einkäufe zu erledigen oder einen Arzt aufzusuchen? Wie selbstbestimmt kann das Leben funktionieren, wenn Mobilität eingeschränkt ist? Für Menschen, die sich diesen Herausforderungen täglich stellen müssen, soll der geplante Bürgerbus in der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben künftig Erleichterung bringen.
„Hallo, darf ich Ihnen mal unseren Prospekt zum Bürgerbus mitgeben?“, fragt Patrick Sema (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, die Kunden, die zum Einkaufen zum Cap-Markt in Thaleischweiler-Fröschen kommen. Er darf.
Die Resonanz ist positiv, niemand lehnt ab. Die Idee des Bürgerbusses stößt grundsätzlich auf Zustimmung, doch das Wissen über das Projekt ist sehr unterschiedlich. „Kenne ich. Ich lese immer, was im Amtsblatt dazu steht. Finde ich gut“, sagt eine Kundin. Für sie selbst sei das Angebot aber noch nicht relevant. „Ich fahre noch selbst“, sagt sie und geht zu ihrem Auto. „Den Satz habe ich oft gehört“, sagt Sema. Häufig hört er auch: „Was soll ich machen, ich muss ja fahren.“
Bürgermeister macht den Selbsttest
Tags zuvor war Sema am Edeka-Markt in Wallhalben, um über den Bürgerbus zu informieren. Nun steht er in Thaleischweiler-Fröschen, und ein Termin in Rieschweiler-Mühlbach ist geplant. Am Dienstag, 19. August, wird das Projekt erneut im Verbandsgemeinderat diskutiert.
Bislang unterstützen 17 ehrenamtliche Fahrer und fünf Helfer für den Telefondienst das Vorhaben. Die Fahrten können einen Tag im Voraus gebucht werden. „Ein paar Ehrenamtliche mehr, ein paar Schultern mehr zum Verteilen wären schön“, sagt Sema. Deshalb informiert er vor den Einkaufsmärkten potenzielle Nutzer und mögliche Ehrenamtliche, die bereit sind, anderen mit dem Bürgerbus ein Stück mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen. Denn ohne Freunde oder Familie bleibt vielen Menschen nur ein Taxi oder der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV), der jedoch nicht im Stundentakt fährt. Bewohner der Pestalozzistraße oder des Rübenbergs in Thaleischweiler-Fröschen haben zwar Einkaufsmöglichkeiten im Ort, müssen aber ohne Auto lange, teils hügelige Strecken zu Fuß überwinden. Ähnlich ist es in Wallhalben, etwa für Bewohner der Theodor-Lipps-Straße oder der Bergstraße. Innerorts fahren in der Regel keine Busse.
„Bürgerbus kann ÖPNV nicht ersetzen“
Um die Situation zu verstehen, hat Sema, der in Schauerberg wohnt, das ÖPNV-Angebot getestet. „Ich wollte einen Arztbesuch simulieren“, erklärt er. Morgens um 7.50 Uhr konnte er von Schauerberg nach Wallhalben fahren. Selbst wenn der Arztbesuch etwas dauert, man dann noch einkaufen geht, ist schließlich Warten angesagt. „Erstmals zurückfahren konnte ich erst um 12.50 Uhr“, berichtet Sema. Zudem musste er an der Landstraße zwischen Saalstadt und Harsberg aussteigen, da diese Verbindung nicht bis in die Schauerberger Ortsmitte führt. „Das hieß: mehr als einen Kilometer laufen“, erzählt Sema. Der Bürgerbus hingegen holt die Menschen an der Haustür ab und bringt sie dorthin zurück.
Zusätzlich erschweren Baustellen und unübersichtliche Fahrgastinformationen die Nutzung des ÖPNV. „Muss man erst mal verstehen“, kommentiert Sema. Er betont jedoch: „Es geht ganz sicher nicht darum, den ÖPNV schlecht zu machen. Der hat mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen. Es geht mir darum, zu zeigen, dass der Bürgerbus für viele Menschen bei uns ein ergänzendes Angebot sein kann, das ihnen das Leben ein bisschen erleichtern wird. Der Bürgerbus wird und kann den ÖPNV nicht ersetzen.“
„Das wäre was für mich“, sagt ein Mann
Die Eckpunkte des Projekts wurden bei gemeinsamen Terminen mit der Agentur Landmobil festgelegt, die die Verbandsgemeinde begleitet. Der Bürgerbus wird 26 Ziele anfahren, auch Orte außerhalb der Verbandsgemeinde mit medizinischer Versorgung. Fahrzeiten, Schichtbetrieb, alles Notwendige ist beschlossen. Zwei Busse sind wegen der Größe der Verbandsgemeinde notwendig, die Unterstellorte dafür sind geklärt.
„Kostet das was?“, wird Sema gefragt. Die Mitfahrt ist kostenlos, erklärt er, Spenden sind möglich. „Bekommt man was, wenn man ehrenamtlich fährt?“, lautet eine weitere Frage. Die Antwort: Es gibt keine Aufwandsentschädigung, die Spenden gehen an das Helferteam. „Meine Frau hat schon gesagt, das wäre was für mich“, sagt ein Mann lachend. Sema erklärt, dass kein Personenbeförderungsschein nötig ist und ein Training angeboten wird, um sich an das Fahren des Busses zu gewöhnen. Er werde es sich überlegen, sagt der Mann.
Sema hat in vielen Gesprächen festgestellt, „dass die Idee Bürgerbus positiv gesehen wird“. Doch werde es Zeit brauchen, „bis manche ihre Scheu ablegen und das Angebot nutzen“. Der Bürgerbus soll zudem Menschen ins Gespräch bringen. Schon bei der Vorstellung an den Märkten wird fleißig diskutiert – nicht nur über den Bus. Der ist Gesprächseinstieg, schnell geht es um die Gesundheit, den Arzt und um Bäume, die nicht mehr gut aussehen. Als Kommunikationsprojekt funktioniert also bereits die Idee Bürgerbus. Der Start soll Ende dieses, spätestens Anfang des kommenden Jahres erfolgen.