Waldfischbach-Burgalben
Ausblick 2021: Klimawandel geht auch Privatleute an
Im Gegenteil, sagt der Verbandsbürgermeister, „es gibt viel zu tun“. Die Frage, was finanziell machbar ist, „stellt sich ohnehin immer“, ergänzt Lothar Weber (SPD). Corona und die Folgen „stellen uns definitiv vor neue Herausforderungen“. Er verweist auf die abgelaufene Saison im Bergbad Heltersberg. „Dass wir den Badebetrieb ermöglicht haben, war richtig“, lautet sein Fazit. Das zeigten zahlreiche positive Rückmeldungen. Es sei viel Arbeit gewesen, „die sich alle, die daran beteiligt waren, gerne gemacht haben“. Es habe sich gezeigt, dass so etwas funktionieren kann, „wenn die Menschen mitmachen, sich an neue Spielregeln halten“. An 91 Tagen war das Bad geöffnet. Knapp 19.000 Badegäste wurden gezählt (2019 waren es 32.000 Besucher gewesen). Zehnmal wurde die Besucherampel auf Rot geschaltet, als das Bad an der coronabedingten Kapazitätsgrenze kam.
Das Bergbad ist ein Baustein im Tourismuskonzept der Verbandsgemeinde. Dass hier Nachholbedarf besteht, wurde erkannt. „Wir mussten einige Prioritäten in unserer Arbeit anders setzen“, erinnert Weber. Aber es wird nachgebessert. Das Besucherlenkungskonzept für Wanderer soll zum Abschluss gebracht werden. Auch in den Unterhalt der Radwege fließt Geld. Dass es mehr sein könnte, sei klar. „Aber auch das ist ein Beispiel dafür, dass wünschenswert und finanziell machbar immer abgewogen werden müssen und manches nur in kleineren Schritten machbar ist“, sagt Weber.
Waldfischbacher Kreisel wird erneuert
Im vergangenen Jahr wurde im Verbandsgemeinderat die Einrichtung eines Bürgerbusses angeregt, um die Mobilität in der VG zu verbessern. Mit der Agentur Land-mobil gab es eine interne Informationsveranstaltung. Es seien aber noch Fragen offen, sagt Weber zum Stand.
Sperrungen der Hauptstraße in Waldfischbach-Burgalben wird es auch 2021 geben: Der Verbandsbürgermeister verweist auf die ursprünglich für 2020 geplante Sanierung des Verkehrskreisels, die aufgrund der langen Sicherungsarbeiten an der Brandruine des ehemaligen Hotel Martin verschoben wurde. Synergieeffekte nutzen, ist ein Ziel. Auch die Verbandsgemeindewerke werden in der Hauptstraße tätig. Die Sanierung des Kanals soll beginnen, der erste Bauabschnitt wurde bereits ausgeschrieben. Saniert wird mittels Inliner, das heißt, in den maroden Kanal wird ein neuer eingebracht. Das erspart das Aufgraben der Straße und damit eine wochenlange Sperrung. „Aber ganz ohne Beeinträchtigungen wird es nicht gehen. Die Arbeiten sind zwingend erforderlich“, sagt Weber.
Überhaupt will die VG viel in Wasserver- und Abwasserentsorgung investieren. Im Zuge von Straßensanierungen in den Dörfern werden Kanal- und Wasserleitungen regelmäßig erneuert. Die Herausforderungen des Klimawandels sind erkannt: „Wir müssen hier teilweise ganz neu denken“, verweist Weber auf zunehmenden Starkregen, der für Überflutungen sorgt. Die Maßnahmen seien teuer und zeitaufwendig. „Aber es ist wichtig, dass wir die Verhältnisse immer besser kennenlernen und diese künftig bei notwendigen Bauarbeiten berücksichtigen können“, sagt Weber. Hier sei die Mitarbeit der Bürger gefragt. Schutz vor Überflutungen müsse in vielen Fällen mit Veränderungen auf privaten Grundstücken einhergehen. Der Klimawandel stelle neue Herausforderungen, „die nur gemeinsam bewältigt werden können“.
Spatenstich statt Einweihung
Betroffen vom Klimawandel war im Sommer die Feuerwehr: Es gab mehrere Vegetationsbrände, die dank schnellen Eingreifens nicht zu Katastrophen wurden. Auch beim Großbrand des ehemaligen Hotel Martin verhinderten Feuerwehr und Helfer, dass der ohnehin große Schaden noch verheerendere Ausmaße annahm.
Die Feuerwehrführung wurde im vergangenen Jahr neu aufgestellt. Was auf den Nägeln brennt, ist eine Lösung für das Feuerwehrgerätehaus in Waldfischbach-Burgalben. „Ich hatte mal gesagt, dass ich das neue Feuerwehrgerätehaus noch in meiner Amtszeit einweihen möchte. Das wird nicht mehr machbar sein. Aber ich möchte dieses Projekt unbedingt noch an die Umsetzung heranbringen. Spatenstich wäre schön“, sagt Weber lachend.
Das Problem ist die nach wie vor ungelöste Standortfrage. Mal sprechen örtliche Gegebenheiten dagegen – weil die Wehr im Einsatz nicht an einer geschlossenen Bahnschranke warten kann –, oder das mögliche Grundstück ist zu teuer. In den Bruchwiesen ist die Verbandsgemeinde Grundstückseigentümerin. Möglicherweise werde man sich mit diesem Standort noch mal genauer beschäftigen, sagt Weber.
Sanierung der Heltersberger Schule
Neben der Feuerwehr bleibt das Thema Schule präsent. Die Sanierung der Holzlandgrundschule in Heltersberg steht weit oben auf der Agenda. Die Mappe, in der vor ziemlich genau einem Jahr die notwendigen Sanierungen im Detail skizziert wurden, ist deutlich angewachsen. „Um etliche Bauanträge“, sagt Weber. Konkret passiert ist bislang nur, „dass wir Fliesen abgeschlagen haben“. Nun sollen die Bauarbeiten, die sich über die kommenden Jahre erstrecken werden, richtig starten. Vornehmlich in den Ferien, um den Schulbetrieb, der ohnehin unter den Corona-Folgen leidet, nicht noch stärker zu beeinträchtigen.
Die digitale Ausstattung der Schulen soll verbessert werden. Die Grundschulen in Waldfischbach-Burgalben und Heltersberg haben Medienkonzepte vorgelegt, als Grundlage, um Gelder aus dem Digitalpakt abzurufen. „Das muss aber sinnvoll sein“, sagt Weber zur Hard- und Software, die gekauft werden sollen. Deshalb die Konzepte. 2021 soll das abgeschlossen werden.
Junge Mitarbeiter in Verantwortung
Im Blick hat Weber auch die Entwicklung der Verwaltung, „die wir gut aufstellen müssen“. Die Voraussetzungen, um im Homeoffice zu arbeiten, sollen ausgebaut werden. Unter anderem wurden die Internet-Bandbreiten verbessert. Das Verwaltungsgebäude wurde mit Jalousien versehen, um im Hochsommer vernünftiges Arbeiten möglich zu machen. Weitere Räume wurden nutzbar gemacht, um Abstände zu schaffen. „Wir sind so aufgestellt, dass wir auch in Teilpräsenz arbeiten können“, sagt Weber.
Zum Jahresbeginn wurden neue organisatorische Strukturen geschaffen: Andreas Schneider, bisher Werkleiter, ist nun auch Leiter der Bauabteilung. „Zwischen diesen beiden Abteilungen gibt es eine extrem enge Verbindung“, sagt Weber. Die neue Verzahnung soll Reibungsverluste minimieren und die Effektivität erhöhen.
Die Verbandsgemeinde bleibt Ausbildungsbetrieb. „Es ist wichtig, jungen, guten Leuten eine Chance zu geben“, sagt Weber. Das gilt nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für Aufstiegsperspektiven junger Mitarbeiter, die zunehmend in Schlüsselpositionen aufrücken.