Waldfischbach-Burgalben
Ausbau der Höhstraße soll zwei Millionen kosten
Die Hoffnung, die viele hegten, dass es deutlich günstiger wird, wenn eine Einbahnstraße gebaut wird, wurde im Bauausschuss begraben. Nach aktuellen Schätzungen kostet es knapp 1,9 Millionen Euro, die Straße so auszubauen, dass Begegnungsverkehr möglich ist. 1,75 Millionen Euro werden für die Einbahnstraße fällig, erläuterte Klaus Feller vom Ingenieurbüro SDU-Plan. Teurer könnte es bei beiden Varianten werden, da weitere Begutachtungen durch Spezialisten wie Geologen und Statiker anstehen.
Die Einbahnvariante sei zwar rund 140.000 Euro günstiger, sagte Feller. Aber es gibt gravierende Punkte, die dagegen sprechen, auch wenn die Höhstraße seit der Teilsperrung des bröckelnden Gehwegs 2012 nur in einer Richtung genutzt wird und dies bislang zu keinen großen Problemen geführt hat.
Die Strecke ist in Kombination mit der Straße „Am Hang“ als innerörtliche Hauptverkehrsstraße eingestuft, erläuterte der zuständige Beigeordnete Herbert Beihl. Wenn die Welschstraße (L499) gesperrt ist, „dann wird der Landesbetrieb Mobilität die Umleitung über die Straße ,Am Hang’ und die Höhstraße ausweisen“.
Reparatur nicht möglich
Deshalb wurde der Gemeinde einst ein Zuschuss nach dem Landesverkehrsfinanzierungsgesetz (LVfG) für den Ausbau der Höhstraße zugesagt. Die Mehrkosten für die Gegenverkehrsvariante könnten durch einen höheren Landeszuschuss kompensiert werden. Das sei aber nicht sicher, unterstrich Andreas Busch von der Bauabteilung. Jedenfalls gebe es den Zuschuss nach dem LVfG nur, wenn mit Gegenverkehr geplant wird. Für beide Varianten könnte es Zuschüsse auf den Gemeindeanteil aus dem Investitionsstock des Landes geben. Der Ausbau wird über wiederkehrende Beiträge finanziert: Die Grundstückseigentümer zahlen 60 Prozent der Kosten direkt über diese Beiträge. Eine Reparatur der Straße ist nicht möglich. Das besagt unmissverständlich ein Gutachten zum verbauten Beton, der nicht saniert werden kann.
Auch die tägliche Nutzung der Straße spricht gegen die Einbahnvariante: Die würde bedeuten, dass der auskragende Gehweg rechts (von der Welschstraße kommend) entfernt und auf die linke Seite verlegt wird, wo die wenigen Häuser stehen. Das erhöht die Sicherheit der Anlieger. Dadurch schmilzt die Fahrbahnbreite von fünf Metern auf 4,07 Meter. Hält dann nur ein Wagen auf der Straße, „kommt kein Auto mehr vorbei“, meinte Feller. Das betreffe auch Müllabfuhr, Rettungswagen und Feuerwehr.
Anspruchsvoll wie eine Brücke
Es sind die ersten 150 Meter, wenn man von der Welschstraße hochfährt, die den Ausbau so teuer machen. Unabhängig von der Ausbauvariante. Die Straße verläuft über einen Felsen. Der Gehweg wurde mittels Betonverbindung als Kragplatte angebracht und hängt am höchsten Punkt 13 Meter über dem Boden. Das sei eine anspruchsvolle Aufgabe für Baufirmen, nahezu vergleichbar mit einer Brücke, sagte Feller. Die Arbeiten erfordern Spezialgerüste.
Die Betonverbindung reicht bis in die Fahrbahnmitte. Um nach vorliegenden Untersuchungen Standfestigkeit und Sicherheit für die Unterlieger in der Gartenstraße zu erreichen, muss zwischen Fels und Fahrbahn viel neuer Beton eingebracht werden. Teils ist dort aktuell nur Sand vorhanden. Es gibt Hohlräume, „die mit Magerbeton verfüllt werden müssen“, sagte Feller.
Gefahr für Passanten
An diese Unterkonstruktion wird im Falle des Begegnungsverkehrs der Gehweg als Kragplatte angeschlossen. Bei der Einbahnvariante würde ein sogenanntes Schrammbord verbaut – ein extrem hoher Bordstein plus Mauer und Geländer, um zu verhindern, dass Autos abstürzen. Vereinfacht gesagt, baue man in einem Fall in die Breite, im anderen Fall in die Höhe, erläuterte Feller. Es sei im Grunde die gleiche Arbeit, skizzierte er, warum es kaum Preisunterschiede gibt.
300 Meter Straße für zwei Millionen Euro auszubauen, „das geht nicht“, meinte der Beigeordnete Alexander vom Hagen und wollte wissen, ob es günstigere Varianten gibt, um die Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde zu erfüllen. Die gibt es nicht. „Das muss gehen“, verdeutlichte Beihl, dass die Gemeinde keine Alternative zum Ausbau der Straße habe. Wenn weitere Brocken aus dem Gehweg auf Grundstücke fallen, „und just in diesem Moment steht jemand darunter, dann hat die Gemeinde ein großes Problem“, sagte Feller. Der Ausschuss empfiehlt, wenn auch sichtlich schweren Herzens angesichts der Kosten, den Ausbau mit Begegnungsverkehr.
Die Höhstraße: Eine unendliche Geschichte
Massive Schäden am auskragenden Gehweg lösten die Ausbaudiskussion um die Höhstraße vor acht Jahren aus. Teile brachen ab und Löcher entstanden, durch die man auf die Grundstücke in der Gartenstraße darunter schauen konnte. Untersuchungen zeigten, dass der Gehweg in der Fahrbahnmitte als Kragplatte in Beton an den Straßenkörper angeschlossen ist. Ein Gutachten ergab, dass der Gehweg nicht mehr saniert werden kann. Eine Reparatur der Straße ist ebenfalls unmöglich. Zeitzeugen wollen sich erinnern, dass damals Rundstahl in den Beton eingebracht wurde, was die Reparatur unmöglich macht.
Deshalb wurde 2013 beschlossen, die Höhstraße auszubauen. Zwei Varianten – Einbahnstraße oder Begegnungsverkehr – wurden gegenübergestellt. 2014 beschloss der Gemeinderat Letzteres. Die Entwurfsplanung wurde gemacht, der Zuschussantrag gestellt. Erst gut zwei Jahre später kam vom Landesbetrieb Mobilität in Koblenz der Zuschussbescheid. Es folgte Anfang 2017 eine Versammlung mit den Anliegern der Gartenstraße, deren Grundstücke unter dem maroden Bauwerk liegen. Die forderten ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren, das der Rat beauftragte. Ende 2018 lief die Zuschusszusage aus. Der Rat beantragte eine Verlängerung, die für sechs Monate gewährt wurde. Auch diese Frist für den Baubeginn wurde nicht eingehalten. Der Zuschuss verfiel. 2019 hatte der vom Gericht bestellte Gutachter die Unterlagen für das Beweissicherungsverfahren angefordert. Anfang 2020 wurde das Verfahren abgeschlossen. Die Ausbauplanung läuft weiter.