Landtagswahl
Aus Kasachstan nach Kleinsteinhausen
„Migranten, die sich gut integriert haben, die deutsche Sprache sprechen, arbeiten und zum Wohlstand unseres Landes beitragen, sollen selbst entscheiden können, ob sie hierbleiben oder in ihre alte Heimat zurückkehren“, sagt Sergej Weber. Mit dieser Einstellung dürfte der Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Zweibrücken sicherlich nicht bei all seinen Parteifreunden auf ungeteilte Zustimmung stoßen. „Es ist wichtig, dass verschiedene Meinungen auf den Tisch kommen – innerhalb und außerhalb der Partei“, sagt der 41-Jährige und verweist auf seine eigene Biografie.
Geboren in der Stadt Saran im damals sowjetischen Kasachstan, siedelte Weber als Junge im November 1993 mit den Eltern und seinem Bruder nach Deutschland aus, ins Land seiner Vorfahren. „Meine Mutter war immer Deutsche, daher der Familienname Weber.“
Aus Leipzig nach Kleinsteinhausen
Im Aufnahmelager in Leipzig gab es Gemeinschaftsduschen und -toiletten. „Die haben wir selbst saubergemacht. Wir mussten dort alle unseren Beitrag leisten, das hat uns geholfen, sich zu integrieren.“ Im Lager blieben die Webers, bis Sergej mit dem dritten Schuljahr fertig war. „Am nächsten Tag sind wir nach Kleinsteinhausen gezogen, wo wir Bekannte hatten.“ In der Südwestpfalz fand der Vater Arbeit bei Pallmann, die Mutter in der Schuhfabrik Dorndorf. Bei Pallmann, heute Siempelkamp, ist Sergej Weber heute als CNC-Fräser und Zerspanungstechniker beschäftigt.
Aus eigener Erfahrung hält er es für unabdingbar, dass Kinder bei Eintritt in die erste Schulklasse gut Deutsch können. Wo nötig, müsse eine Sprachförderung schon im Vorschulalter erfolgen. „Das gilt nicht nur für Kinder aus migrantischen Familien“, so Weber.
Umweg über Luckes Partei-Neugründung
Sergej Weber hat seine heute 13-jährige Tochter aus früherer Ehe in die Beziehung mit seiner Lebensgefährtin mitgebracht, die ihrerseits eine 12-jährige Tochter hat. Komplettiert wird die Patchwork-Familie durch eine kleine gemeinsame Tochter und Hund Lui, einen New English Bulldog. Seine Kandidatur für den Landtag begründet Weber mit dem „Eindruck, dass die Politik die Menschen im Alltag nicht mehr erreicht“. Sollte er gewählt werden, „würde ich mir wünschen, dass die Leute sagen können, der Mann hat uns zugehört und versucht, sich um unsere Probleme zu kümmern“.
Zur Politik kam Sergej Weber 2016: Damals brachte er es zum westpfälzischen Regionalvorsitzenden der Partei, die zunächst Alfa, später Liberal-Konservative Reformer (LKR) hieß. Mit dieser Partei hatte der gescheiterte AfD-Gründer Bernd Lucke versucht, eine neue wirtschaftsliberale Bewegung ins Leben zu rufen. „Die haben sich aber zu mehreren Wahlen nicht aufstellen lassen. Da bin ich wieder ausgetreten“, so Weber.
„Anfangs schon ein schlechtes Gewissen“
Dass er sich daraufhin der AfD angeschlossen hat, „machte mir anfangs schon ein schlechtes Gewissen“, gibt der Kandidat zu. „In den Medien ist ja ständig die Rede davon, dass das eine gesichert rechtsextreme Partei wär’“. Im Zweibrücker AfD-Kreisverband habe er hingegen den Eindruck gewonnen, dass „das alles Quatsch“ sei. „Ich wurde dort herzlich aufgenommen, bin jetzt zusammen mit Iris Nieland stellvertretender Kreisvorsitzender und wurde gefragt, ob ich für den Landtag kandidieren möchte.“ Sergej Weber betont, er distanziere sich „von jedem Extremismus“, nennt sich selbst „Pazifist“. Und Björn Höcke? „Den habe ich nie kennengelernt. Das muss sein Landesverband in Thüringen wissen. Er wird vom Verfassungsschutz beobachtet – wenn er was Falsches macht, muss er dafür auch die Verantwortung übernehmen.“
Mit Blick auf seine eigene Agenda sagt Weber, er wolle sich für den Ausbau der Infrastruktur einsetzen – bei Straßenbau, Nahverkehr und Digitalisierung sowie bei Internet und Mobilfunk. Die Polizei in Rheinland-Pfalz möchte er „personell verstärkt, solide ausgebildet und mit der bestmöglichen Ausrüstung versorgt“ sehen. Wichtig sei ihm die medizinische Versorgung: „Zum Beispiel bei der Notfallversorgung für Kinder. Für die Westpfalz macht das ja das Saarland aus Kulanz mit – im Moment noch in der Klinik Kohlhof. Hier muss dringend die rheinland-pfälzische Landespolitik an. Vielleicht könnte man ja im alten Evangelischen Krankenhaus Zweibrücken was machen?“