Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Aufgespießt: Was zutiefst menschlich ist

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Die Südwestpfalz bereitet sich darauf vor, Menschen aufzunehmen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen. Es gehört zum Wesen des Menschen, anderen zu helfen, wenn sie in Not sind. Das ist zutiefst menschlich. Man nennt das Zusammengehörigkeit, Nächstenliebe und Solidarität. Das werden die Südwestpfälzer in den nächsten Wochen vorleben.

Gelebte Solidarität

„Wollen wir es schnell erreichen,

brauchen wir noch dich und dich.

Wer im Stich lässt seinesgleichen,

lässt ja nur sich selbst im Stich.“

So lautet die dritte Strophe des Solidaritätslieds von Bertolt Brecht, das Hanns Eisler 1931 vertonte. Es wurde 1932, also vor 90 Jahren, von Arbeiterchören und Sportlern uraufgeführt. Der Text entstand unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise 1929 und der Folgen des Ersten Weltkriegs (1914 - 1918). Das Lied wird am Ende des Films „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt“ gesungen, ein Proletarischer Film, der 1932 in Moskau uraufgeführt wurde.

Aus Moskau kam am frühen Morgen des 24. Februar auch der Befehl an die russischen Truppen, die Ukraine anzugreifen. Dieser Angriff löste nicht nur den größten kriegerischen Konflikt auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus, sondern setzte auch einen Flüchtlingsstrom in Gang. Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzte die Zahl der Menschen, die vor dem Krieg fliehen, am Donnerstag auf eine Million. Die meisten von ihnen sind nach Polen, Ungarn, Moldau, Rumänien und in die Slowakei geflohen. „Wir erleben in jenen Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen, eine enorme Solidarität und Gastfreundschaft“, teilte es gestern mit.

Die Welle der Solidarität mit der Ukraine und mit den vor dem Krieg Flüchtenden hat die Südwestpfalz erfasst. Die Kirchen erleben einen neuen Zulauf, es gibt Friedensgebete, es wird gegen den Krieg demonstriert. Und es wird jetzt wieder in die Hände gespuckt. Gelebte Solidarität wie zuletzt bei der Ahr-Flut. Der Aufruf der Spedition Gottardo aus Höhfröschen, Sachspenden für Flüchtlinge vorbeizubringen, war ein großer Erfolg. Binnen Stunden kamen mehrere Lkw-Ladungen an Hilfsgütern zusammen. In vielen Orten gibt es weitere Initiativen. Die Kommunen bereiten sich darauf vor, Flüchtlinge aufzunehmen, ehrenamtliche Helfer stehen bereit, um sich um die Menschen zu kümmern. Solidarität heißt Zusammengehörigkeit, dass Menschen sich gegenseitig helfen. Keiner lässt den anderen im Stich.

Gefühlte Einschränkungen

„Unsre Herrn, wer sie auch seien

Sehen unsre Zwietracht gern

Denn solang sie uns entzweien

Bleiben sie doch unsre Herrn.“

Das ist die vierte Strophe des Brecht-Liedes. Für Zwietracht sorgten zuletzt die Corona-Maßnahmen. Während die Einhaltung der Regeln – Kontaktvermeidung, Abstand halten, Maske tragen – für den überwiegenden Teil der Bevölkerung ein Akt der Solidarität mit den Schwachen und Gefährdeten war, lehnte sich ein kleiner Teil dagegen auf. Diese Minderheit wähnte sich in einer Diktatur, sah sich ihrer Freiheitsrechte beraubt, eingeschränkt und gegängelt. Immer montags spazierten zuletzt ein paar Hundert Leute durch Dahn, Hauenstein, Leimen und Pirmasens, um so ihren Protest auszudrücken. Am 20. März entfallen alle tiefgreifenden Corona-Maßnahmen. Erwachen die sich jetzt in einer Diktatur Wähnenden dann in einer Demokratie? Und was tun sie dann? Vielleicht spazieren sie ja für den Weltfrieden oder aus Solidarität mit der Ukraine.

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