Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Auf A8 in Stauende gerast – Berufungsprozess beginnt

Nach dem Unfall an Pfingstsamstag 2018 bildete sich auf der A?8 bei Contwig ein langer Stau. Archivfoto: Moschel
Nach dem Unfall an Pfingstsamstag 2018 bildete sich auf der A?8 bei Contwig ein langer Stau. Archivfoto: Moschel

Der Mercedes- und der Porschefahrer, die an Pfingstsamstag vergangenen Jahres einen schweren Unfall verursachten, stehen erneut vor Gericht.

Sie hätten sich kein Rennen geliefert, seien ganz normal über die Autobahn gefahren – so zumindest die Sicht der Angeklagten und ihrer Verteidiger. Der eine musste am Samstagabend noch mal nach Pirmasens in die Firma, der andere wollte mit seiner Verlobten in einer Sportsbar Burger essen gehen. Fakt ist, dass die Fahrt in einer Massenkarambolage auf der A 8 bei Contwig endete. Dabei knallten ein hellblauer Porsche Cayman S und ein silberner Mercedes AMG in ein Stauende. Es gab Verletzte und einen Sachschaden im sechsstelligen Bereich. Bereits im April wurden die Sportwagenfahrer vor dem Amtsgericht für ein illegales Straßenrennen verurteilt. Die Strafe: sieben Monate Bewährung, Geldstrafe und acht weitere Monate Führerscheinentzug. Sowohl die Anwälte der beiden Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft gingen in Berufung.

„Nicht zu schnell, aber unglaublich laut“

Neue Zeugen gibt es nicht. „Die sind wie ein Blitz an mir vorbeigeflogen“, schilderte am Montag noch einmal eine Zeugin, die im Etzelweg wohnt und die beiden Sportwagen vor ihrem Haus sah. Eine Schätzung der Geschwindigkeit sei schwer, beide seien aber definitiv schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer gefahren. Zudem hätten beide kaum Sicherheitsabstand zueinander gehabt. Ein anderer Zeuge will den Porsche und den Mercedes zudem mehrfach in der Innenstadt gesehen haben. „Ich saß im Café Pastis, und die sind mehrfach an mir vorbeigefahren. Nicht zu schnell, aber dafür unglaublich laut“, so der Zeuge.

Dem widersprachen die beiden Angeklagten. „Ich bin nicht durch die Innenstadt gefahren“, sagte der Fahrer des Mercedes AMG, der Anfang 30 ist und in der Automobilbranche arbeitet, am Montag aus. Er sei an dem Samstagabend noch mal in die Firmenfiliale nach Pirmasens gefahren. Da in der Stadt zu dieser Zeit viele Baustellen gewesen seien, fuhr er durch den Etzelweg in Richtung Ixheimer Autobahnauffahrt. Dort sah er nach eigenen Angaben auch das erste Mal den blauen Porsche, sei ihm aber nicht dicht aufgefahren. Dieser wurde gefahren von einem Anfang 20-Jährigen, der mit seiner Verlobten in einer Pirmasenser Sportsbar Burger essen wollte.

Mit der Seite ins Stauende geknallt

Beide hatten folglich den gleichen Weg und sind hintereinander über Ixheimer Auffahrt auf die Autobahn gefahren. Der Porsche war dabei stets vor dem Mercedes. Ein Überholmanöver zwischen den beiden Sportwagen habe es nicht gegeben. Als der Porsche-Fahrer das Stauende bei Contwig bemerkte, stieg er voll in die Eisen. Er hätte es noch vor dem letzten Auto geschafft, zum Stehen zu kommen. Zum Unfall sei es nur gekommen, weil der Mercedes-Fahrer hinter dem Porsche nicht rechtzeitig bremsen konnte und auffuhr. Dadurch habe sich der Porsche gedreht und sei mit der Seite ins Stauende geknallt.

Richter Michael Schubert fragte den Mercedesfahrer am Montag, warum er das Stauende nicht gesehen hat. „Das war in einer langgezogenen Linkskurve“, so der Mercedesfahrer. Außerdem sei die Mittelleitplanke zugewachsen gewesen, wodurch er nicht in die Kurve sehen konnte, und er habe eine Sonnenbrille getragen. „Obwohl die Sonne in ihrem Rücken war? Nun gut, sieht eben auch cooler aus“, entgegnete der Richter.

Für die Verhandlung sind drei weitere Prozess-Termine angesetzt. Zudem kam am Montag die Idee auf, bei der Zeugin aus dem Etzelweg, die erklärte, dass beide Sportwagen an ihrem Haus vorbeigefahren sind, eine Ortsbesichtigung durchzuführen. Richter Schubert stimmte diesem Vorschlag zu.

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