Kreis Südwestpfalz Auch der Pfarrer hat Lampenfieber
Die Kirchenglocken läuten weit über die Grenzen von Winterbach hinaus: Der Sender Bibel TV zeichnet morgen in Zusammenarbeit mit dem ERF (Evangeliums Rundfunk Wetzlar) den 10-Uhr-Gottesdienst auf, der eine Woche später ausgestrahlt wird. Für den vorgesehenen Sendeplatz von 52 Minuten sind tagelange Vorbereitungen nötig.
„Im Sommer letzten Jahres hat der ERF bei uns angefragt, ob wir da Interesse hätten“, erklärt Pfarrer Tilo Brach, der auch für die Kirchengemeinden Oberauerbach und Battweiler zuständig ist. Wegen Pfarrer Brachs Rundfunkandachten, die hin und wieder vom ERF übertragen werden, sei der Sender auf ihn zugekommen. „Dann habe ich das Presbyterium gefragt – der erste Schritt war zu fragen, ob die Gemeinde damit einverstanden ist.“ Der Vorschlag sei bei allen gut angekommen. Der Sender habe Pfarrer Brach den Tag genannt. „Das ist dann 70 Tage vor Ostern, also vor der Passionszeit“, ordnet er den 10. Februar kirchenkalendarisch ein. Da zwei Sender beteiligt sind, gibt es eine klare Verteilung: „ERF hat das Lektorat und führt die Regie. Bibel TV sendet das dann.“ Und zwar eine Woche nach der Aufzeichnung, am 17. Februar, zur gleichen Zeit wie der Gottesdienst war – um 10 Uhr. Welch enorme Vorbereitungen für einen relativ kurzen Beitrag erforderlich sind, das ist schon im Vorfeld abgeklärt worden. Der Sender brauchte zum Beispiel einen Bauplan von der Kirche. „Außerdem mussten sie wissen, ob in der Kirche eine 36-Amper-Leitung ist, sie brauchen für die Aufzeichnung ja Starkstrom.“ Mit fünf Leuten, die im Gasthaus „Zum Hannes“ untergebracht werden, ist der Sender vor Ort – auf dem Parkplatz, zwischen Kirche und Pfarrhaus steht der Übertragungswagen. Mit mindestens zwei Kameras wird gefilmt – „vielleicht sogar drei, aber da die Kirche in Winterbach nicht so groß ist, werden es nicht mehr als drei. Da steht eine in der Mitte, eine oben und die dritte hinten am Eingang.“ Die ganzen Voreinstellungen – Ton, Licht und Bild werden schon vor der Aufzeichnung eingestellt. „Die müssen dann nur noch aufs Knöpfchen drücken, und dann geht’s los.“ Deswegen beginnen die Proben schon heute – mindestens vier Stunden dauern sie, zuerst die Band der Kirchengemeinde eine halbe Stunde, die zwei Lieder spielt, dann ist der Gospelchor Gospel Wave dran. Dann kommt der Kinderchor, also Kinder, im Alter von sechs bis zehn, mit ihren Eltern. „Die singen nur drei Minuten, müssen aber 15 Minuten proben – bis der Stecker eben steckt.“ Nach diesen Tonproben kommt die Generalprobe. Der Probentag wird mit einem Abendessen um 18 Uhr abgeschlossen. „Zuerst Probe, dann Abendessen, und dann gibt’s eine Katastrophe“, meint Brach lachend. „So lange halten die Kinder das ja nicht aus.“ Ungewohnt für Brach war auch ausgerechnet die Predigt: Die ging, anders als sonst, ins Lektorat, wurde mit Rotstift bearbeitet. „Die haben dann gesagt, ja oder nein.“ Eine Absegnung des Predigttextes also – eine gewisse Ironie. „Es wurden auch Dinge gestrichen“, erzählt der Pfarrer. Freies Reden, Abschweifen, Fremdwörter – das alles sei von der Senderredaktion nicht gewollt. Außerdem darf die Predigt nicht länger als eine Viertelstunde dauern. „Am 24. Dezember bekam ich die Rückmeldung: Mein Thema ,Glaube im Sturm der Zeit’ ging so nicht – au backe, hab ich da gedacht.“ Ein ähnliches Thema war schon kurz vorher aus Ingolstadt ausgestrahlt worden. Einige Mehrarbeit, da Brach die Predigt auf die Lieder und das ganze Drumherum abgestimmt hatte. Die Lieder segnen die beiden Sender wegen der Gema auch ab. Und das Schreiben an sich: „Ich sitze schon gut und gerne vier Stunden an einer Predigt. Den Ausgangstext vom Alten Testament übersetze ich aus dem Griechischen, dann überlege ich, welche Beispiele ich bringe, und so weiter“, erzählt Brach. Auch beim Pfarrer steigt angesichts des Fernsehteams die Aufregung. „Natürlich bin ich viel aufgeregter als bei einem normalen Gottesdienst“, gibt er zu. „Es kann auch sein, dass was im Nachhinein geschnitten wird. Vielleicht lassen sie eine Strophe der Lieder der Gemeinde weg oder so.“ Sollte die Kirche fast leer sein, nimmt Brach das hin: „Also, wir setzen mal keine Pappleute drauf“, sagt er lachend. „Große Werbung haben wir jetzt nicht gemacht, haben aber natürlich die Leute aus Battweiler und Oberauerbach auch eingeladen. Aber wenn wenige Leute da sind, dann ist das eben so. Da wird jetzt nichts geschönt.“ Eine achtminütige Vorstellung über Winterbach allgemein macht die vorgesehene Sendezeit von einer Stunde schließlich voll. Info Der Gottesdienst aus Winterbach ist am Sonntag, 17. Februar, um 10 Uhr auf dem Sender Bibel TV zu sehen.