Südwestpfalz Am Rande: Dem Müllsack auf der Spur
Corona hat vielen Menschen Zeit verschafft. Beispielsweise dafür, endlich mal den Keller auszumisten. Nicht jeder hat das, was er da so ausgegraben hat, auch ordentlich – also nicht in Wald und Flur – entsorgt, aber das steht auf einem anderen Blatt. Die meisten Bürger sind ordentlich und besorgen sich einen Restmüllsack.
Auch eine Leserin aus dem Kreis wollte im Mai ihre Keller-Sammlung ordentlich entsorgen und bei der Kreisverwaltung Müllsäcke erstehen, für 3,73 Euro und 60 Liter Fassungsvermögen pro Stück. Am Telefon wurde sie aber belehrt, dass die Verwaltung doch gerade zu habe und sie „zu de Remondis“ müsse. Dort jedoch beschied man ihr erstaunt, dass sie nur Gelbe Säcke ausgeben könnten. Also blieben noch die Wertstoffhöfe, die damals aber – Leidensgenossen erinnern sich mit Grausen – nur zeitweise offen waren, Besucher daher viel Zeit mitbringen mussten. An einem Samstag versuchte die Frau in Contwig ihr Glück – um nach einer halben Stunde in der Warteschlange um Punkt 12 Uhr kurz vor dem sich schließenden Tor zu stehen. Ihr verzweifelter Hilferuf aus dem Autofenster, sie brauche doch nur Müllsäcke – er blieb ungehört.
Es geht auch per Post
Die Zugangsmöglichkeiten in das Kreishaus seien zwar eingeschränkt gewesen, das Haus aber nie geschlossen gewesen, betont Kreispressesprecher Thorsten Höh. Nach Terminvereinbarung sei ein Besuch möglich gewesen. Allerdings, schränkt er ein, sollten vor der persönlichen Abholung von Müllsäcken doch die anderen Wege dafür genutzt werden. Vor allem die Wertstoffhöfe oder die offiziellen Verkaufsstellen im Kreis (die Verbandsgemeindeverwaltung in Thaleischweiler-Fröschen und die Bäckerei Ernst in Vinningen). Aber, offenbart er eine Hintertür: Wenn das nicht möglich sei, könne die Kreisverwaltung die Müllsäcke auch per Rechnung verschicken.
Dieses Angebot hat unsere Leserin angenommen – und prompt ihre Säcke erhalten. Hätte sie’s mal gleich gewusst – zwei Wochen hat sich ihre Suche nach Säcken hinausgezogen.
Dass alles länger dauert in Corona-Zeiten, wissen wir inzwischen. Und wir lernen daraus: Leute, hortet nicht nur Klopapier, sondern auch Restmüllsäcke! Und zwar jetzt schon. Man weiß ja nicht, wann die zweite Welle kommt.