Erlenbach
Alter Stollen wird Zuhause für Fledermäuse
Der Schutz von Natur und Umwelt wird bei Dirk Eichberger großgeschrieben. Als Landwirt im Nebenberuf, Eigentümer einer Schaf- und einer Rinderherde weiß er ganz genau, wie wichtig das Zusammenspiel von Mensch und Umwelt ist. Gerade hat Eichberger begonnen, die Wiesen um Erlenbach zu mähen, um Heu für seine Tiere für den Winter zu sichern. Beim Dreschschuppen fiel ihm eine Blume auf, die sich als Großer Wiesenknopf entpuppte. Diese typische Feuchtwiesenpflanze ist zwar noch nicht geschützt, ihre Verbreitung jedoch stark rückläufig. Die Blume hat eine ökologische Schlüsselfunktion für zwei Schmetterlingsarten der Ameisen-Bläulinge. Kurzum hat Eichberger die Talwiesen zwar gemäht, jedoch eine größere Insel stehen lassen, wo die meisten der Wiesenblumen wachsen. Diesen Teil wolle er einfach später ernten.
Als Eichberger vor 18 Jahren den Linsenbühlerhof erwarb, kaufte er die dahinterliegende Wiese dazu. Am Rande der Fläche entdeckte er auf seinem Grundstück bald einen alten Felsstollen. Das teils offene Mundloch verschloss er damals mit einer alten Holztür.
Von empörtem Fuchs angefaucht
Vor einiger Zeit hat der Erlenbacher festgestellt, dass die Tür beschädigt worden und der Zugang offen war. Anscheinend war auch jemand im Felsstollen. Zum ersten Mal seit langer Zeit ging Eichberger hinein – er trat aber gleich wieder den Rückzug an, als ihn ein Fuchs anfauchte. Die kurze Besichtigung zeigte dem Erlenbacher aber, dass der Stollen als Müllhalde benutzt worden war und gesichert werden musste. „Mit Kollegen habe ich den Müll ausgeräumt, wobei wir zwei große Traktoranhänger vollgeladen haben. Der Landkreis hat mir bei der Müllentsorgung geholfen“, erzählte Eichberger.
In der Zwischenzeit habe er bemerkt, dass auch Fledermäuse den Stollen inspizierten. „In Zusammenarbeit mit Arno Sprau von der unteren Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung haben wir nach einer Lösung gesucht.“ Sprau befürwortete die Absicherung des Stollens mit einem Fledermaustor. Er war es auch, der die Maßnahme in die Wege leitete.
Hofft, dass Fledermäuse Stollen annehmen
„Aus Gründen des Artenschutzes haben wir die Aktion mit der oberen Naturschutzbehörde bei der SGD Süd in Neustadt abgesprochen. Die übernimmt die Kosten für Herstellung und Montage des Tores“, berichtete Sprau. Vergangene Woche montierte Metallbauer Fabian Loreth aus Dahn die neue Tür: ein spezielles Fledermaustor, offen gestaltet und oben mit einer Durchflugöffnung, erklärte der Metallbauer.
Eichberger bekräftigte, dass sein Hof und auch die Gemeinde daran interessiert seien, die Tiere zu schützen. „Naturschutz muss nicht immer etwas kosten. Man muss es einfach nur wollen und machen. Ich freue mich, dass Fledermäuse hier nun ein neues sicheres Quartier haben, und hoffe, dass es von den Tieren gut angenommen wird.“
Nach dem Krieg spielten Kinder darin
Bei dem wiederentdeckten Felsstollen handelt es sich um einen ehemaligen, relativ kleinen Wehrmachtsstollen – „erbaut 1940“, wie eine schwache Inschrift außen verrät. Oskar Stadelmann erinnert sich an die Zeit des Zweiten Weltkriegs. „Wenn während des Krieges Flieger über dem Dorf auftauchten, suchte meine Familie Schutz in dem Stollen. Nach dem Krieg haben wir als Kinder dort gespielt. Gleich nach dem Eingang ging’s eine Treppe hinab.“ Der Stollen habe früher zwei weitere Eingänge gehabt, die aber längst verschüttet und nicht mehr zugänglich seien.
Durch die Aktion wurde nicht nur Erlenbacher Geschichte erhalten: Was damals Menschen Schutz bot, wird in Zukunft bedrohte Fledermäuse schützen.