Kreis Südwestpfalz Als ob die Welt untergeht
Manche glaubten, die Welt gehe unter, als am Mittwoch, 5. Mai 1869, bei Krähenberg ein Meteorit vom Himmel fiel. Das Ereignis vor 150 Jahren feierte das Dorf am Wochenende (wir berichteten am Dienstag).
Etwa 30 Teilnehmer kamen zu einem wissenschaftlichen Kolloquium am Samstagnachmittag im Dorfgemeinschaftshaus, abends feierten 80 Krähenberger am Dorfgemeinschaftshaus. Am Jahrestag des Einschlags, am Sonntag, liefen 25 Wanderer zur Einschlagstelle. Ein Gedenkstein unterhalb des Dorfes zum Wiesbachtal hin markiert heute die Einschlagstelle. Zu Fuß erreicht man den Fundort auch von der etwa einen Kilometer entfernten Verbindungsstraße zwischen Winterbach und Wiesbach oberhalb der Stampermühle. In fast der gesamten Pfalz, im Saarland und im benachbarten Frankreich hatte man vor 150 Jahren den Einschlag wahrgenommen. Bei der Feldarbeit wurden Heinrich Lauer und die Schwestern Elisabeth und Minchen, die zehn und zwölf Jahre alt waren, Augenzeugen. Der schwarze Himmelsstein ist der einzige jemals auf pfälzischem Boden gefundene Meteorit. Wissenschaftler, Museumsfachleute und Astronomen halten den 4,7 Milliarden Jahre alten und 31,5 Pfund schweren Meteoriten von Krähenberg für das schönste Stück aus dem Weltall. Die Nasa hat Staubkörnchen von diesem wie ein schwarzer Laib Brot aussehenden Stein untersucht, um Mondmaterial mit dem Krähenberger Fund zu vergleichen. Noch im Jahr 1978 hat das Max-Planck-Institut für Chemie einige Gramm für das Museum für Naturgeschichte des Smithsonian Instituts in Washington abgetrennt. Dort ist die umfangreichste Meteoriten-Sammlung der Welt beherbergt. Mehr als 1000 Himmelskörper werden dort aufbewahrt. Für die Krähenberger und die Bewohner der umliegenden Dörfer sei der Meteorit immer wieder Gesprächsstoff gewesen, erzählte Krähenbergs ehemaliger Gemeindearbeiter, der vor zweieinhalb Jahren verstorbene Ludwig Triem, einst im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Hobby-Filmer Ewald Knoll aus Knopp-Labach hat 2006 den Meteoriten-Einschlag mit Laienschauspielern aus Krähenberg – Paula Schindler, Jan Oberer, Ilse Schmidt, Horst Kau und Sabine Martin – nach den überlieferten Schilderungen verfilmt. Im Film hat Knoll sogar ein Originalgeräusch eines Meteoriten verwendet. Dieses Geräusch wurde 2002 beim Niedergang eines Meteoriten bei Neuschwanstein aufgenommen. Heinrich Lauer, der den Klumpen aus dem Weltall beim Einschlag in den Wiesenboden des Ohmbachtales verschwinden sah, war der Bruder des Urgroßvaters von Ludwig Triem. Er hatte an jenem bis dahin sonnigen Maiabend Gras im Talgrund gemäht. In unmittelbarer Nähe waren die beiden Schwestern und noch Frauen, die am Brunnen Wäsche wuschen. Die hätten sich bei dem ungewöhnlichen Getöse und der unerklärlichen Lichtveränderung auf den Boden geworfen. Der Himmelsstein sei 60 bis 80 Zentimeter im Boden verschwunden, wo ihn so schnell niemand mehr gefunden hätte. Der felsige Untergrund in der sumpfigen Wiese habe den 31,5 Pfund schweren Stein noch abgebremst. Er hätte sich sonst noch tiefer eingegraben, meinte Triem. Der Meteorit war noch so heiß, dass er gekühlt werden musste, bevor Lauer ihn zusammen mit anderen Dorfbewohnern in die Dorfschule tragen konnte. Nach Tagen bearbeiteten die Krähenberger den Stein mit der Axt. Ein kleiner Fetzen sei abgesprungen, der später an einen Wissenschaftler nach Frankreich verkauft wurde. Welchen Geldbetrag es dafür gab und wer ihn bekam, das war Triem nicht bekannt. Nach einigen Wochen rechtlicher Auseinandersetzungen kam der Meteorit ins Museum nach Speyer. Eigentlich sollte der für die Fachleute so bedeutende Stein nach München, denn die Pfalz gehörte in jener Zeit zum Königreich Bayern. Als Kaufinteressenten sollen auch Museen in Wien, London und Paris aufgetreten sein.