Kreis Südwestpfalz Als die Feuerwehr bei Walshausen über die A 8 lief

In einer Winternacht musste einst bei Eisregen und Schnee Insulin zu einem Autofahrer im Stau auf der A 8 Richtung Pirmasens gebracht werden. Nur gab es für das Rettungsfahrzeug kein Durchkommen, weil keine Rettungsgasse gebildet wurde. Zwei Feuerwehrleute mussten von Walshausen nach Pirmasens laufen. Sie baten die Fahrer, für das Feuerwehrauto Platz zu machen.
Wenn man Contwigs Wehrführer Arthur Lorenz über seine Erlebnisse zum Thema Rettungsgasse befragt, fühlt man sich zuweilen an Erzählungen über Verkehrsrowdys aus der Großstadt erinnert. Lorenz beklagt sich dann unter anderem über Autofahrer, die der Feuerwehr unter Blaulicht folgen, nur um schneller durch den Stau zu kommen. Und über ganz Eilige, die einen Feuerwehrwagen auf dem Weg zum Unfallort auf der A 8 zwischen Contwig und Walshausen überholen wollten. „Eigentlich sollen wir das Überholen zu deren Sicherheit sogar verhindern, indem wir in der Mitte der Autobahn fahren. Man weiß nämlich oft erst dann, wenn man da ist, wo der Unfall wirklich passiert ist. Oft sagen uns die Leute am Telefon in der Aufregung nämlich etwas Falsches. Und der Unfall könnte ja hinter einer nicht einsehbaren Kurve passiert sein. Jeder, der dann auf der Autobahn hinter uns fährt, sollte wissen, dass man uns auch nicht rechts überholen darf. Heute muss ich aber zickzack fahren, damit keiner vorbei kommt.“ Auch aus einem anderen Grund sei es unverantwortlich, Einsatzfahrzeuge unter Blaulicht zu verfolgen: „Wenn uns ein PKW bis zum Einsatzort folgt, blockiert er dort Platz für nachrückende Rettungskräfte.“ Es gebe wiederum Autofahrer, die übertrieben ängstlich reagieren, wenn sich ihnen ein Auto mit Blaulicht und Martinshorn nähert. „Als das katholische Krankenhaus brannte, sind wir über den Bahneinschnitt hingefahren“, also unterhalb des geschlossenen Evangelischen Krankenhauses auf der alten B 10. „Da ist wirklich genug Platz. Da fahren ständig LKW aneinander vorbei. Aber der eine Fahrer, der vor mir gefahren ist, hat langsam gemacht. Und auch der, der uns entgegen gekommen ist. Auf einmal haben sie nebeneinander auf der Straße gestanden und wir sind gar nicht mehr weitergekommen.“ Solche Situationen lassen sich vermeiden. „Viele Leute denken, dass sie sofort anhalten oder Platz machen müssen, wenn sie ein Martinshorn hören. Es wäre aber oft besser, wenn sie mit Köpfchen reagieren. Man soll uns da Platz machen, wo auch wirklich Platz zum Vorbeifahren ist. Manchmal hilft es schon, wenn die Autos vor uns etwas schneller fahren. Oder wenn sie normal weiterfahren. Am Bahneinschnitt wäre das möglich gewesen. Denn wir können mit unserem Wagen eh nur 80 Kilometer schnell sein.“ Auch die Fahrer eines Einsatzwagens sind an die Verkehrsregeln gebunden. „Wir sind einmal wegen eines Hausnotrufes zu einer Wohnung gefahren.“ Auf dem Weg dorthin streifte Lorenz ein Auto. Es gab einen Blechschaden. „Der Linksverkehr hat gestanden. Ich habe nach rechts geguckt. Und wie ich dann unser Fahrzeug vorziehe, habe ich ein Auto gestreift. Ich vermute, der andere Fahrer hat gedacht, dass ich langsam mache und er noch durchfahren kann. Ich habe vor Gericht jedenfalls keine Schuld bekommen. Das wurde alles genau untersucht.“ Der Rettungseinsatz war für den verheirateten Familienvater indes beendet. Denn „wenn ein Feuerwehrauto einen Unfall hat, wird es sofort aus dem Einsatz genommen. Alles andere wäre Fahrerflucht.“ Immer, wenn die Feuerwehr gerufen wird, „lautet unser Ziel deshalb ,ankommen’“. Dabei soll die Rettungsgasse helfen. „Man sollte sie auf der Autobahn übrigens immer frei machen. Denn keiner weiß, was am Ende des Staus auf einen wartet. Viele Fahrer steigen dann noch aus Neugierde aus dem Auto. Kommt dann die Feuerwehr von hinten angerast, dauert es viel zu lange, bis die Autos rangiert sind. Und selbst wenn wir da durch sind, muss die Gasse zwingend offen bleiben. Denn es kommen ja meist noch andere Fahrzeuge wie ein Abschleppwagen oder der Notfallseelsorger.“