Heltersberg
750 Jahre Heltersberg: Wie Rosenmontag im Hochsommer
Ralf Weißmann hatte es am Freitagabend nach der offiziellen Eröffnung der Heltersberger 750-Jahr-Feier schon gewusst: „Das wird heiß am Sonntag. Aber es wird trotzdem Spaß machen.“ Mit Blaulicht auf dem Kopf ausgestattet, gehörte der Vorsitzende der Hembach-Kapelle und begeisterte Theaterspieler zur Eröffnungsgruppe beim Festumzug, der sich bei drückender Hitze in der Schwarzbachstraße in Bewegung setzte und durch die Schwarzbach- und Hauptstraße bis zum Festplatz im Lindenpark führte. Dort warteten auf die Teilnehmer nach etwa zwei Kilometern schattige Plätze.
Am Sonntag kontrollierte Dieter Kriegshäuser, einer der Hauptorganisatoren des Zuges, noch mal den Jubiläums-Lindwurm, als dieser in der Schwarzbachstraße Aufstellung genommen hatte. „Passt alles“, signalisierte er Zugmarschall Herbert Faust. Der trotzte in seiner Uniform der Hitze und gab per Trillerpfeife das Startsignal. Gute Laune auf den Wagen, die an die Heltersberger Disco-Zeit erinnerten, daran, dass seit Generationen Holz ein wichtiger Rohstoff in Heltersberg ist.
Tausende an den Straßen
Die Sonne knallte vom Himmel. 30 Minuten nach dem Zugmarschall setzte sich auch die letzte Zugnummer in Bewegung. Bejubelt von den Fans am Straßenrand. Rosenmontagsstimmung im Sommer im Holzland. Mehr Menschen, als Heltersberg Einwohner hat – das sind knapp über 2000 – säumten die Straßen. Die meisten Heltersberger selbst – von den Kleinen bis zu den Senioren – waren Zugteilnehmer. Der Hitze zollte der eine oder andere Kreislauf Tribut. Das DRK war schnell zur Stelle.
Genau wie die Feuerwehr. Die Kameraden aus Schmalenberg sicherten die Zugstrecke mit ab und versorgten die Teilnehmer in der Hauptstraße mit einer willkommenen Abkühlung aus dem Feuerwehrschlauch. „Wir wollen duschen“, forderten die Holzlandknirpse aus dem Kindergarten lautstark. Feuerwehrmann Andreas erfüllte den Wunsch. Runterkühlen, bevor es auf den letzten Metern wieder schweißtreibend wurde.
Feiermeile im Lindenpark
Geschwitzt hatten Heltersbergs Bürgermeister Ralf Mohrhardt und viele Helfer schon vor dem heißen Festwochenende. „Ich gebe zu, ich habe in den vergangenen 14 Tagen viele Menschen, vor allem die Gemeindearbeiter, bestimmt das ein oder andere Mal verrückt gemacht“, bekannte Mohrhardt. Und verriet, dass seine Freundin Jana schon vermutet habe, dass er in den Lindenpark gezogen sei, weil er fast nur noch dort anzutreffen gewesen war.
Nicht nur der Bürgermeister mag offensichtlich den Park, in dem gefeiert wurde. Bereits vor 18 Uhr waren am Freitag die Plätze im Park nahezu komplett besetzt. Hunderte Heltersberger und Gäste freuten sich auf die Feier anlässlich von 750 Jahren Heltersberg. Unter den Bäumen – die große Linde hatte vor dem Jubiläum noch gefällt werden müssen, weil ihr ein Pilz just im Feierjahr den Garaus gemacht hatte und sie so zu einer Gefahr für die Mitfeiernden geworden wäre – ließ es sich gut aushalten. Vor allem in den Abendstunden.
Auf Nummer sicher beim Fassanstich
Die „Mittwochswanderer“ hatten singend am Freitagnachmittag die letzten Festvorbereitungen begleitet, sie hießen die ersten Gäste musikalisch willkommen. Danach spielte die Hembachkapelle Heltersberg/Geiselberg. „Zum ersten Mal wieder seit unserem Herbstkonzert 2019 vor größerem Publikum“, freute sich Dirigent Volker Spieß. Corona hatte alle Auftritte 2020 und 2021 unmöglich gemacht. „Deshalb sind auch wir ein bisschen nervös gewesen“, bekannte Spieß. Aufregung umsonst, es klappte alles.
Auch beim Fassanstich, den Mohrhardt gemeinsam mit Landrätin Susanne Ganster vornahm. Schmalenbergs Bürgermeister Peter Seibert – Schmalenberg hatte 2019 sein 650. Jubiläum gefeiert – erzählte Mohrhardt vor dem offiziellen Festbeginn launig von seinem Missgeschick beim Fassanstich. „Mir ist der Hammer gebrochen“, erinnerte er lachend. Das veranlasste Mohrhardt, für den Fassanstich mehrere Hämmer besorgen zu lassen. Unter anderem brachte Ratsmitglied Jörg Jochum einen sehr stabilen Schlosserhammer ans Festbier-Fass. Es ging nichts schief. Der Zapfhahn war schnell drin, zuckte nur mal kurz, dann hieß es, begleitet von den Schüssen der Vorderladerschützen des Schützenvereins Heltersberg: „Feier frei.“
Kreative Heltersberger
Für den Notfall, falls doch etwas schief gegangen wäre, „hätte ich noch ein Ersatzkleid im Auto gehabt“, verriet die Landrätin, die am Freitag zwei Jubiläen mitfeiern durfte. Auch Althornbach wurde 750 Jahre alt. Den Heltersbergern und Mohrhardt gratulierte sie zu tollen, kreativen Menschen, die sich auf vielfältige Weise engagiert hatten, um das Jubiläum möglich zum machen. Zelte aufbauen, Kuchen backen, Getränke ausschenken, Lego bauen, Bücherrallye gestalten, Hawaiiparty mit den Kindern feiern und vieles mehr stand auf deren Programm. „Und sie haben eine ganz tolle, sehr moderne Festschrift“, würdigte die Landrätin, bevor Freibier ausgeschenkt wurde.
Es hieß „Prost Heltersberg“, auf die nächsten 50 Jahre. Die 800-Jahr-Feier „organisiere ich nicht mehr“, sagte Mohrhardt schmunzelnd, der sich bei allen bedankte, die die herausfordernde Festvorbereitung gestemmt hatten. Längstens bei den Open-Air-Partys mit den Bands „Magic“ und „Twins XXL“ oder am Sonntag mit den Arnbachtalern und dem Duo Hoselatz waren alle Mühen vergessen.