Kreis Südwestpfalz 55 Jahre altes Auto wird nicht mehr repariert
Die Althornbacher Feuerwehr ist laut Wehrführer Frank Böhm derzeit „eigentlich nicht einsatzfähig“. Seitdem ihr 55 Jahre altes Löschfahrzeug im Juli mit einem Motorschaden liegen blieb, habe sie kein sogenanntes erstausrückendes Fahrzeug mehr. Ein Ersatzauto aus Contwig oder Bechhofen reiche nicht aus. Böhm und seine Feuerwehrleute fühlen sich von der Wehrleitung und der Verbandsgemeinde im Stich gelassen. Wehrleiter Thorsten Preyer widerspricht: Die Althornbacher Wehr sei „alles andere als abgehängt“. Ein Sicherheitsproblem gebe es auch nicht.
Das Magirus-Deutz-Löschgruppenfahrzeug mit neun Plätzen, Baujahr 1963, war laut Frank Böhm das älteste Feuerwehrauto in Rheinland-Pfalz. Mitte Juli hatte es bei einem Brand in Hornbach einen Motorschaden, seitdem ist es außer Dienst gestellt. Die Althornbacher Feuerwehr hat zwar noch ein Tanklöschfahrzeug mit Platz für drei Leute, das sehr flexibel einsetzbar sei, aber kein Fahrzeug sei, mit dem man als Erstes ausrückt. Das Ersatzfahrzeug aus Contwig, das Althornbach derzeit nutzt, sei dafür auch nicht ausgestattet: „Da kann ich bunte Tücher drauflegen und das Feuer damit austreten“, beschreibt es Wehrführer Böhm. Denn das Contwiger Auto ist ein MTF, ein Mannschaftstransportfahrzeug, dem es an Ausrüstung fehlt. Die Althornbacher Feuerwehr werde auf dem Flugplatz samt dem dortigen Industriegebiet und der L 700 und bei Hochwasser eingesetzt. Hierfür sei sie derzeit nicht ausgestattet, erklärt Böhm, warum er seine Truppe derzeit für „eigentlich nicht einsatzfähig“ hält. Sorgen müssten sich die Althornbacher aber nicht machen: Das benachbarte Hornbach habe eine starke Wehr. „Die sind schnell mit viel Mann vor Ort. Da zieh’ ich den Hut vorm Olli“, lobt Frank Böhm den dortigen Wehrführer Oliver Feix. Die Althornbacher Feuerwehr könne derzeit auch keine richtigen Übungen machen. Böhm, schon früher einmal und seit einem Jahr wieder Wehrführer, befürchtet, dass die Feuerwehr darunter leidet – nachdem sie im vergangenen Jahr gerade erst wieder aufgebaut wurde. 20 Feuerwehrleute habe man, darunter sieben Atemschutzgeräteträger. „Vor einem Jahr waren es null“, sagt Böhm. Auch die Jugendfeuerwehr sei „ziemlich marode“ gewesen, habe nun aber acht Mitglieder, nachdem man bei drei angefangen habe. „Die Mannschaft ist da, aber es fehlt die Unterstützung“, beklagt sich der Wehrführer. Ihm und seiner Truppe fehle ein klares Signal von der Wehrleitung und der Verbandsgemeinde: „,Wir kümmern uns, wir lassen euch nicht hängen’ – da kommt nichts.“ Stattdessen habe Wehrleiter Thorsten Preyer auf einem Kameradschaftsabend gesagt, dass Feuerwehrautos nun mal nicht vom Himmel fielen. Das sei sehr demotivierend gewesen. 2020 soll Althornbach ein Kleinlöschfahrzeug bekommen. „So lange können wir warten, aber bis dahin muss ein Ersatz her“, fordert Böhm und schlägt ein Vorführfahrzeug oder ein Auto der Landesfeuerwehrschule in Koblenz vor. Althornbach sei „immer nur mit alten, abgetragenen Fahrzeugen abgespeist worden“, ärgert er sich. Man könne auch mit einem Gebrauchtauto leben, das sicher ist, aber: „Es muss was kommen.“ Bleibe die Unterstützung aus, könne es sein, das eine Reihe von Feuerwehrleuten ihre Helme und Melder zurückgeben – „dann ist Althornbach zu“. Verbandsgemeinde-Wehrleiter Thorsten Preyer weist die Kritik der Althornbacher zurück. Dass die Wehr nicht einsatzfähig sei, „ist totaler Quatsch“. Zum einen sei der alte Magirus Deutz auch kein erstausrückendes Fahrzeug gewesen. Zum anderen sei die dortige Feuerwehr „weit über die Maßen dessen ausgestattet, was Althornbach hergibt“, und sie stehe „immer noch hervorragend da“. Wegen der Firma Remondis auf dem Flugplatz habe sie überhaupt das Dreisitzer-Tanklöschfahrzeug. Bechhofen bekommt morgen ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 10. Wenn die Kameraden dort in das neue Auto eingewiesen sind, werde Althornbach gegen Jahresende das alte Löschgruppenfahrzeug 8/6 bekommen. „Das ist weder marode noch sonst was. Dann sind die richtig gut versorgt“, sagt Preyer. Dass neue Feuerwehrautos nicht vom Himmel fallen, habe er tatsächlich gesagt. Aber ein Feuerwehrauto habe nun mal lange Lieferzeiten. Selbst wenn die Verbandsgemeinde heute käme und genug Geld hätte, könnte sie das Auto erst in anderthalb bis zwei Jahren in Empfang nehmen. Als Beispiel nennt er einen neuen Rüstwagen für Dellfeld: Nachdem alle Beschlüsse gefasst und das Auto bestellt war, habe der Hersteller des Fahrgestells eine Lieferzeit von fünf bis sieben Monaten genannt. Für den Aufbau kämen dann noch sieben bis elf Monate dazu. Ein gebrauchtes Auto möchte Preyer nicht kaufen: Zum einen gebe es dafür keinen Zuschuss, zum anderen „wurde das abgelegt, weil’s alt war“. Althornbach werde erst mal mit dem Bechhofer Löschfahrzeug leben müssen, sagt Preyer. Das sei aber ein deutlich höherwertiges Fahrzeug als das, was sie abgegeben haben, und damit sei die Wehr „richtig gut versorgt“. 2020 werde die Wehr dann wie vorgesehen ein neues Kleinlöschfahrzeug bekommen, das etwa 90 000 Euro kostet. Auch Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker verweist auf das neue Auto in zwei Jahren und dass die Zwischenzeit mit dem Auto aus Bechhofen überbrückt werde.