Contwig 100 Jahre Arche Noah: Was die Kita im Jubiläumsjahr bewegt
Seit nunmehr 30 Jahren ist Claudia Müller-Mettendorf Leiterin der Kita Arche Noah in Contwig. 1993, als sie das Amt übernahm, gab es einen neuen Anbau an das damals bestehende Kindergartengebäude in der Bergstraße, direkt gegenüber der protestantischen Kirche. Dort befindet sich die Kita noch heute. Damals besuchten Contwiger Kinder zuerst in zweieinhalb, dann in drei Gruppen die Einrichtung, heute gibt es fünf davon. Zwei Gruppen sind Hortgruppen, in denen Schulkinder zwischen sechs und 14 Jahren nachmittags betreut werden. Sie sind auf der anderen Straßenseite untergebracht, im Gebäude neben der Kirche, das in früheren Zeiten als vermietetes Wohngebäude gedient hatte und nach Einrichtung des Horts dann umgenutzt wurde. Im Kindergartengebäude selbst sind drei Gruppen untergebracht.
Das Konzept für die Vorschulkinder sieht außerdem eine eigene Gruppe für sie vor. Dort werden sie gezielt gefördert und auf die Grundschule vorbereitet. Um die Contwiger Kinder kümmern sich 15 Erzieherinnen und ein Erzieher. Christel Sprau ist laut Claudia Müller-Mettendorf eine sogenannte „profilergänzende Kraft“. Sie kümmert sich seit Sommer 2021 um ausreichende Bewegung der Kinder und ist laut Müller-Mettendorf „eine echte Bereicherung“ für den Kindergarten. Außerdem ergänzen zwei Auszubildende das Team.
Leiterin bemängelt Kommunikation mit dem Land
103 Kinder aus Contwig und dem Ortsteil Stambach besuchen die Arche Noah, Platz ist für 105. Die räumliche Situation bezeichnet die Kindergartenleiterin als „nicht einfach, eher schwierig“. Nicht zuletzt, weil das neue Kindertagesstättengesetz des Landes eine große Herausforderung sei. Dort gebe es Vorgaben, die nicht immer leicht einzuhalten seien. Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. So ist im Kita-Gesetz geregelt, dass jedes Kind zum Mittagessen bleiben dürfe. Das bedeute aber nicht nur, dass die Arche Noah mehr Schlafplätze für die Kleinsten vorhalten müsse, sondern auch mehr Stühle, Tische und Wickelmöglichkeiten.
Und auch personell sei es nicht immer leicht. So mussten auch schon öfter einmal Gruppen schließen, weil Personal gefehlt habe, beispielsweise durch kurzfristige Krankheit. „Das mussten wir dann ans Landesjugendamt melden, von dem allerdings nie eine Rückmeldung kam“, sieht die Kindergartenleiterin noch Verbesserungsbedarf in der Kommunikation mit der Landesbehörde. Dennoch sei man personell prinzipiell gut aufgestellt. Viele Mitarbeitende seien treu und schon lange Jahre an Bord. Eine Mitarbeiterin sei aber gerade schwanger, eine weitere gehe am Jahresende in Ruhestand. Da sei es schwer, Ersatz zu bekommen. „Man muss genügend Fachkräfte vorweisen. Das ist in den vergangenen 30 Jahren sehr viel schwieriger geworden“, bekennt Claudia Müller-Mettendorf. Im Hort wurden 2007 rund 20 Kinder gezählt, seit der Jahrtausendwende wurden aber bereits vereinzelt Kinder im Hort betreut. Heute ist die Warteliste für Hortplätze laut der Leiterin „enorm lang“. Auch der Bedarf an Krippenplätzen steige stetig.
Kinder von ehemaligen Kindern werden betreut
Da seit vielen Jahren Kinder zwischen einem und zehn Jahren betreut werden, wachse man mit Familien. Heute werden die Kinder derer betreut, die vor 20 oder 30 Jahren selbst Kindergartenkinder in der Arche Noah waren, beschreibt die Chefin die schönen Seiten. Und auch Schulbegleithund Marley zaubere in Kinder- und Erzieherinnengesichter immer ein Lächeln. Der Australian Shepherd gehört der stellvertretenden Kindergartenleiterin Simone Conzelmann und darf an drei Tagen in der Woche mit auf die Arbeit. Ursprüngliche Vorbehalte mancher Eltern seien schnell verschwunden.
Auch im Hort findet tiergestützte Pädagogik statt. Ein Axolotl sowie Degus – Nagetiere aus der Gattung der Strauchratten – bereichern den Alltag. Genau wie das selbst gekochte Mittagessen, das die Arche Noah allen Kindern anbietet. Zwischen 80 und 100 Essen kocht die Köchin täglich frisch. „Und morgens bekommen die Kinder seit Jahren Frühstück für alle. Das heißt, sie müssen nichts mitbringen“, erklärt Claudia Müller-Mettendorf. Ein weiterer Vorteil sei, dass alle Kinder das gleiche Frühstück bekämen. Die Köchin bilde sich zudem ständig fort und beteilige die Kinder am Kochen. „Dadurch wird auch das Bewusstsein der Kinder für Nahrungsmittel geschärft. Und wer in den Kochtopf spitzeln darf, und vielleicht auch schon eine roh essbare Zutat vor dem Kochen probiert hat, geht anders mit Essen um“, lobt die Arche Noah-Leiterin das Angebot.
Info
Am Samstag beginnt die Feier um 10 Uhr in der Kirche mit einem Gottesdienst, der von den Hortkindern gestaltet wird. Auf dem Kindergartengelände gibt es dann Speisen und Getränke mit Unterstützung des Fördervereins, außerdem eine große Tombola. Um 14 Uhr ist die große Aufführung geplant, für die die Kinder seit langem üben. Workshops für Kinder ergänzen den Tag. Die Bergstraße ist am Samstag für den Verkehr gesperrt, weil die Kinder dort Stelzenlaufen und Fahrradfahren.