Merzalben / Wilgartswiesen
Überraschender Fund in einer 2600 Jahre alten Keltenbefestigung
Auf Landkarten ist der 500 Meter hohe Wartenberg als Kulturdenkmal eingetragen, ohne weitere Hinweise, warum das so ist. Um 1900 vermutete der Archäologe Christian Mehlis eine frühmittelalterliche Siedlung dort. Etwas mehr Licht in das Dunkel um das 450 Meter lange Felsmassiv in der Kernzone des Pfälzerwaldes brachten nun Ausgrabungen in den vergangenen zwei Jahren, über die der ehrenamtliche Denkmalpfleger Jochen Braselmann aus Annweiler beim Pirmasenser Historischen Verein berichten konnte.
Schon die Bergform habe ideale Voraussetzungen für eine Besiedelung geboten, erzählt Braselmann und verweist auf den sanft ansteigenden Berg, der zum Felsmassiv hin steiler wird und schließlich in bis zu 15 Meter hohen Felswänden mündet. An den Hängen konnte Vieh gehalten werden. Quellen lieferten auch in der Höhe ausreichend Wasser für Mensch und Tier. Was wohl ein Grund für die Ansiedlung der frühen Kelten war. Warum sie jedoch auf dem Felsmassiv eine Festung errichteten, bleibt weiter ein Rätsel. Alte Straßen wie im Fall der Heidelsburg bei Waldfischbach-Burgalben führen nicht am Wartenberg vorbei. Da wäre der Berg Handschuhkopf bei Hinterweidenthal schon eher geeignet gewesen, wenngleich dieser nur 324 Meter hoch ist. Vielleicht für die Eisenverarbeitung oder weil es sehr unsichere Zeiten waren, vermutet Braselmann als Grund für die Befestigung tief in den Wäldern.
Der Wartenberg war durch das langgezogene Felsmassiv ideal für eine Befestigung. Nur am Nordwesthang findet sich eine 300 Meter lange Stelle, die mit einem künstlichen Wall befestigt werden musste, und der ist noch heute erkennbar.
Braselmann erhielt mit seinem Team die Genehmigung, den Wall zu öffnen, und nach Hinweisen auf die Art der Besiedlung zu suchen. Aus den Grabungsergebnissen folgert Braselmann, dass der Wall aus Steinen bis zu 2,6 Meter hoch aufgeschichtet war und an der Krone mit einer Brüstung in Form einer Holzmauer weiter befestigt gewesen sein muss. Am Wallfuss fanden die ehrenamtlichen Archäologen Scherben aus vorrömischer Zeit und Holzkohle, die über eine radiometrische Untersuchung auf die Zeit von 762 bis 570 vor Christus datiert werden konnten. Womit bewiesen wäre, dass auf dem Wartenberg zur Zeit der sogenannten Hallstattkultur schon Menschen siedelten. Benannt nach der österreichischen Stadt Hallstatt, wo die ersten Funde dieser Art gemacht wurden, versteht man unter Hallstattkultur frühkeltische Siedlungen der älteren Eisenzeit, die ab dem Jahr 800 vor Christus in Mitteleuropa zu finden waren. Der Wartenberg müsste somit der Westhallstattkultur zuzurechnen sein.
Braselmann und sein Team wollten weitere Grabungen machen, die aber nicht genehmigt wurden mit Verweis auf die Bedeutung des Geländes für den Naturschutz. Erlaubt waren jedoch Schürfungen an Baumstümpfen. Die Löcher, die Bäume in den Boden reißen, wenn sie durch einen Sturm umgerissen werden, bergen interessante Erkenntnisse für Archäologen. Solche Löcher fand Braselmann auch auf dem Wartenberg und in den Löchern weitere Scherben und Feuersteinklingen. Der Aufbau der Scherben, der per Hand erfolgte, ließ dann auch eine nähere Datierung zu. Der Schalenrand sei für die Zeit um 600 vor Christus typisch gewesen, meint Braselmann.
Der ehrenamtliche Denkmalpfleger fand noch weitere Spuren auf dem Felsmassiv. Unter anderem müssen US-amerikanische Streitkräfte in den 1950er Jahren das Gelände für Manöver und einen Unterstand genutzt haben. Dabei scheinen die US-Soldaten auch den Wall aufgegraben zu haben. Braselmann fand Teile von Übungsmunition dieser Zeit sowie viele leere Konservendosen, in die das Haltbarkeitsdatum 1955 eingeprägt waren, außerdem noch Dachpappe des Unterstandes. Was die US-Amerikaner genau dort gemacht haben, ist ebenso unbekannt wie die Aktivitäten der Frühkelten, die nach Braselmanns Schätzung wohl nur ein oder zwei Generationen auf dem Wartenberg lebten. In späteren Jahren müssen noch Köhler dort gewesen sein. Dies war aber wohl schon 1000 nach Christus.