Battweiler RHEINPFALZ Plus Artikel „Ärzte für die Westpfalz“-Stipendiatin Salome Peschel berichtet aus Pécs

Die Universität ist modern ausgestattet. Hier sind die Räume für die Zahnärzteausbildung zu sehen.
Die Universität ist modern ausgestattet. Hier sind die Räume für die Zahnärzteausbildung zu sehen.

Vor einem Jahr war Salome Peschel aus Battweiler unter den ersten 14 Stipendiaten, die in das 1100 Kilometer entfernte Pécs in Ungarn für ihr Medizinstudium aufgebrochen sind. Es habe sich absolut gelohnt – die heute 20-Jährige ist froh über ihre Entscheidung. Von Vorteil sei gerade die weite Entfernung zur Heimat.

Nach einem Jahr habe sie sich gut eingelebt und die Entscheidung für ein Auslandsstudium absolut nicht bereut, versichert die Battweilerin, die an der Contwiger IGS ihr Abitur gemacht hat. Da dieses aber nicht so extrem gut ausfiel, wie es für ein Studium in Deutschland nötig gewesen wäre, nutzte Peschel die Möglichkeit des Vereins „Ärzte für die Westpfalz“, mit einem Stipendium nach Pécs zu gehen. Das Stipendium deckt die Studiengebühren in Ungarn ab.

Mit der Sprache habe sie kein Problem, zumal in der Universität meist englisch oder deutsch gesprochen werde. Ungarisch brauche sie, wenn sie in der Klinik unterwegs sei. Die Dozenten sprächen alle sehr gut deutsch, einige davon waren zuvor in Deutschland. „Die meisten wollen, dass man sie duzt“, berichtet Salome Peschel vom freundschaftlichen Umgang untereinander.

Ungarische Küche noch ein wenig ungewohnt

Die Universität gefällt der 20-Jährigen. Sie sei ein guter Mix aus Alt- und Neubauten. Die gesamte Technik in den Häusern sei ganz neu. Das Niveau des Studiums empfindet sie als hoch.

Salome Peschel aus Battweiler studiert seit einem Jahr im ungarischen Pécs Medizin.
Salome Peschel aus Battweiler studiert seit einem Jahr im ungarischen Pécs Medizin.

Die Südwestpfälzerin fremdelt noch ein wenig mit der ungarischen Küche. Gulasch und die dortige Spezialität Langos, ein Siedegebäck, das wie eine kleine frittierte Pizza aussieht, seien nicht ihr Fall. „Das ist mir zu fettig“, sagt sie. Sie gehe zwar gerne in das Restaurant an der Universität, das – wie auch andere Studenten berichten – recht günstige Preise habe. Auch weil sie dort beim Kochen direkt zuschauen könne, schildert Peschel. Sie koche aber größtenteils selbst in ihrer Wohnung, in der sie alleine wohne. Eine eigene Wohnung zu finden, sei überhaupt kein Problem gewesen. „Das ist nicht so schwierig wie in Deutschland – und vor allem viel günstiger“, so ihre Beobachtung.

Praktika in Deutschland

Die Freizeit verbringt Peschel zumeist mit Lernen. Sie geht aber auch gerne in die Stadt, und vor allem fährt sie gerne zusammen mit anderen Studenten in ein kleines Dorf in der Nähe, in dem es einen See gibt. Zu Weihnachten hat sie einen Ausflug nach Budapest zum Weihnachtsmarkt unternommen. Aber grundsätzlich steht Lernen im Vordergrund.

Ihre Praktika habe sie ganz in der Nähe von Battweiler bei einem Hausarzt in Martinshöhe sowie in der Homburger Uniklinik gemacht, erläutert Salome Peschel. Die Praktika könnten einfach alle in Deutschland absolviert werden.

Empfehlen könne sie das Studium in Pécs auf jeden Fall, betont Salome Peschel. „Es bringt einen nur weiter, auch weil es weit weg von zu Hause ist“, findet sie.

Das ist „Ärzte für die Westpfalz“

Zurzeit studieren 25 junge Menschen aus der Westpfalz und dem Kreis Bad Kreuznach mit einem Stipendium des Vereins „Ärzte für die Westpfalz“ im ungarischen Pécs. Bis zu 16.000 Euro erhalten sie pro Jahr, um die Studiengebühren der ungarischen Hochschule zu bezahlen. Dort werden Medizinstudenten mit weniger guter Abiturnote zugelassen, als sie an deutschen Unis verlangt wird.

Auch Leichen sezieren gehört zum Studium im ungarischen Pécs.
Auch Leichen sezieren gehört zum Studium im ungarischen Pécs.

14 Männer und Frauen machten im vergangenen Jahr den Anfang. Dieses Jahr sind es zehn weitere, wie Rainer Guth, der Landrat des Donnersbergkreises und Vorsitzende des Vereins „Ärzte für die Westpfalz“, mitteilt. An Bewerbern mangele es nicht. Die Anzahl der Studenten ergebe sich aus dem Spendenaufkommen. Die größten Spender seien bisher die Sparkassen der Region, die 14 Stipendien finanziert hätten. Die Mittel für elf weitere seien über private Spender zusammengekommen.

Die Stipendiaten würden künftig nach sozialen Kriterien ausgewählt, sagt Guth. Das sei bereits bei den elf neuen so gemacht worden. Unter den Bewerbern seien mehrere Personen aus vermögenden Familien gewesen, die auch ohne finanzielle Unterstützung ein Studium in Ungarn antreten könnten. „Wir wollen die stipendieren, die das normalerweise nicht bezahlen könnten“, betont der Vereinsvorsitzende. Bei der Auswahl der Stipendiaten lege der Verein auch Wert auf die Fähigkeiten der Bewerber. „Es bewerben sich viele, die das Studium wohl nicht schaffen würden“, lautet seine Einschätzung. Die Auswahl treffe eine Kommission, in der unter anderem Vertreter der Kliniken und des Hausärzteverbands sitzen.

Guth: „Pure Werbung für die Westpfalz“

Mit dem Stipendium allein will der Verein sich nicht begnügen. Über „Ärzte für die Westpfalz“ werden auch Praktika an Studenten anderer Hochschulen vermittelt. Die Hoffnung: Wenn angehende Mediziner im Praktikum die Westpfalz kennenlernen, kommen sie möglicherweise wieder, wenn sie mit dem Studium fertig sind. „Das ist pure Werbung für die Westpfalz“, sagt Guth.

Er ist zuversichtlich, dass mit dem Programm der drohende Ärztemangel in der Region behoben werden kann, und rechnet vor: Wenn jedes Jahr zehn bis 15 neue Stipendiaten nach Pécs geschickt werden könnten, dürfte es reichen, die entstehenden Lücken zu stopfen. Dennoch hoffe er, sagt Guth, dass das Land die Kapazitäten der hiesigen Universitäten für Medizinstudenten erhöhen werde. Damit könnten Programme wie jenes des Vereins „Ärzte für die Westpfalz“ überflüssig werden. Mit dem Spendenaufkommen ist der Vereinsvorsitzende sehr zufrieden. „Wir dürften auch nächstes Jahr wieder zwölf nach Ungarn schicken können. Das Programm ist bekannter geworden.“

Info

Das Spendenkonto für „Ärzte für die Westpfalz e.V.“ hat die Iban DE 84 5405 0220 0006 0198 89. Der BIC-Code lautet MALADE51KLK.

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