Mittwochsinterview
Ärger über die Biker, die den Ruf der Motorradfahrer beschädigen
Herr Ritschi, seit wann fahren Sie Motorrad?
Ich habe mit 18 Jahren den Motorradführerschein gemacht und fahre seither Motorrad. Zuvor bin ich schon Kleinkraftrad gefahren. Das sind 46 Jahre auf zwei Rädern. Aktuell fahre ich eine Yamaha 700. Ich bin Motorräder unterschiedlichster Marken gefahren, aber immer eine Enduro oder eine Tourenmaschine. Also immer Motorräder, auf denen man gut sitzt und den Überblick hat.
Bisher unfallfrei durchgekommen?
Mit dem Motorrad ja. Mit dem Kleinkraftrad hatte ich zwei Unfälle. Beide unverschuldet. Ich bin zweimal von Autofahrern übersehen worden. Aber seither fahre ich unfallfrei.
Hilft dabei auch der Segen vom Rosenberg?
Den gibt es ja noch nicht so lange. Ich war auf jeden Fall bei der ersten Bikerwallfahrt dabei. Das müsste 2010 gewesen sein. Seither bin ich, mit Unterbrechungen, aber immer, wenn es möglich ist, bei der Bikerwallfahrt dabei. Bei mir gibt es die besondere Bewandtnis, dass ich früher freier Mitarbeiter auf dem Rosenberg war. Da war man bei den ersten gemeinsamen Ausfahrten, die mit der Bikerwallfahrt verbunden waren, natürlich dabei.
Pfarrer Volker Sehy hat gesagt, dass schon ein gewisser Glaube vorhanden ist, wenn Ihr hierherkommt. Ist das so?
Ich finde es gut, dass jeder entscheiden kann, ob er nur das Motorrad oder auch sich selbst segnen lassen will. Schön ist auch, dass hier verschiedene Konfessionen zusammenkommen. Aber ja, der gewisse Glaube, dass da etwas ist, egal wie man es bezeichnen mag, der verbindet sicher alle, die zur Bikerwallfahrt kommen.
Der Termin hat einen festen Platz in Ihrem Kalender?
Das ist meist der erste Termin im Jahr, bei dem wir als Fahrer aus verschiedenen Richtungen zusammenkommen. An der Bikerwallfahrt teilzunehmen haben wir verabredet. Wir haben uns um 9 Uhr bei mir zu Hause getroffen, sind dann über Johanniskreuz nach Kaiserslautern gefahren, zurück über die Sickingerhöhe und waren um 11 Uhr rechtzeitig hier zum Bikerfrühstück. Um 12 Uhr gab es den Segen. Man kennt mittlerweile viele, die immer wieder kommen, aus unserer Region. Aber man sieht, sie kommen auch von weit her, zum Beispiel aus dem Main-Taunus-Kreis. Was sicher auch daran liegt, dass die Predigten von Volker Sehy bei den Bikern immer gut ankommen.
Wie viele Kilometer legen Sie jährlich auf dem Motorrad zurück?
Im Moment im Schnitt nur 1500, 2000 Kilometer. Der Wunsch wäre mehr zu fahren. In guten Motorradjahren waren es schon bis zu 30.000 Kilometer im Jahr. Mit Motorrad und Zelt unterwegs zu sein, das hat Spaß gemacht.
Viele Motorradfahrer erzählen, dass das Bike früher im Alltag ein selbstverständlicheres Fortbewegungsmittel war, mittlerweile überwiegend in der Freizeit gefahren wird. Ist das bei Ihnen auch so?
Ich bin Kleinkraftrad gefahren, um als Lehrling zur Arbeit zu kommen, um nicht auf den öffentlichen Personennahverkehr, der teils lange Wartezeiten bedeutet hätte, angewiesen zu sein. Heute fahre ich auch überwiegend in der Freizeit Motorrad, das stimmt. Aber ab und zu fahre ich mit dem Motorrad zur Arbeit. Dass nicht mehr so viele junge Menschen selbstverständlich Motorrad oder Moped fahren, hat sicher verschiedene Gründe. Ich glaube, dass einer der Gründe ist, dass sie bereits mit 17 Jahren, zumindest begleitet, Auto fahren dürfen. Das Moped, um von A nach B zu kommen, spielt nicht mehr die Rolle als zu der Zeit, als ich jung war. Wir waren damals 30 Leute in Waldfischbach-Burgalben im etwa gleichen Alter, die regelmäßig mit dem Moped unterwegs waren. Außerdem ist der Motorradführerschein wohl sehr teuer geworden.
Was ist das Faszinierende am Motorradfahren?
Es ist die Freiheit, die man hat, wenn man auf dem Motorrad sitzt. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, weil ein Motorrad mit Motorenlärm verbunden ist und Sprit braucht, aber man nimmt auf dem Motorrad die Natur, die Umgebung sehr intensiv wahr, kennt jede Spurrille, jeden Kanaldeckel, dem man ausweichen muss. Man bekommt das Wetter unmittelbar mit, egal ob Hitze, Kälte oder Regen.
Motorradfahrer haben bei vielen Menschen keinen guten Ruf. Ärgert man sich als Motorradfahrer über die Fahrer, die diesen schlechten Ruf verursachen?
Auf jeden Fall. Das ist nur eine Minderheit unter den Motorradfahrern, aber diese Minderheit macht den Ruf kaputt. Man erlebt schon einiges. Wenn man als Motorradfahrer eine Kurve fährt und dann noch von einem anderen Motorradfahrer in der Kurve überholt wird, ist das unverantwortlich. Unverantwortliches Fahren einiger hat zur Folge, dass für alle Strecken gesperrt werden.
Sie hatten selbst zwei Unfälle. Wie beurteilen Sie das Verhältnis Auto- und Motorradfahrer?
Als Motorradfahrer muss man immer versuchen für den Autofahrer mitzudenken, muss überlegen, was macht der jetzt. Man weiß nie, hat er mich gesehen oder nicht, fährt er raus. Deshalb geht in solchen Situationen immer die Hand an die Bremse, passt man besonders auf.
Sie haben gesagt, dass Sie manchmal mit dem Motorrad zur Arbeit ins Haus Gräfenstein fahren. Gibt es Bewohner, die sich darüber freuen, weil sie selbst früher gefahren sind?
Ich weiß, dass Kollegen und mein Chef Motorrad fahren. Ob Bewohner früher gefahren sind, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber das werde ich sicher erfahren, wenn das Interview erschienen ist (lacht).