Landtagswahl
Zwischen Acker und Ratssaal: Landwirt kandidiert für den Landtag
Martin Oswald liebt seinen Beruf mit allen Höhen und Tiefen. Zu Hause ist er in Freckenfeld, wo er den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in vierter Generation führt. Nun bewirbt er sich für die Freien Wähler als Direktkandidat im Wahlkreis 49 (Südliche Weinstraße) für den Landtag in Mainz. Die Mitgliederversammlung der Kreisvereinigung Germersheim hatte hierzu im vergangenen Jahr grünes Licht erteilt.
„Ich möchte in den Landtag, um der Landwirtschaft mehr Gehör zu verschaffen“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Er ist der Meinung, dass sich die Politik nicht ausreichend für Landwirte und Winzer einsetzt. Dabei seien landwirtschaftliche Betriebe eng mit Branchen wie Fahrzeugtechnik, Agrarindustrie und chemischer Industrie verflochten – und damit mit vielen Arbeitsplätzen.
Hof von den Eltern übernommen
Der heimische Hof, den er von seinen Eltern übernommen hat, prägt den Alltag des 42-Jährigen und sein politisches Denken. Für Oswald, der ledig ist und keine Kinder hat, ist Landwirtschaft keine abstrakte Debatte, sondern gelebte Realität mit wirtschaftlichen Risiken und langfristigen Entscheidungen. „Jede Investition will gut überlegt sein“, sagt er.
Abhängig von Preisentwicklungen
Oswald wusste früh, wohin es beruflich gehen sollte. Nach seinem Hauptschulabschluss an der Integrierten Gesamtschule Kandel besuchte er die Berufsschule in Ettlingen. Die praktische Basis legte er mit einer dreijährigen Ausbildung im Erdbeerland Enderle in Durmersheim. Im Jahr 2005 bestand er die Meisterprüfung an der Fachschule für Landwirtschaft in Bruchsal.
Bereits zwei Jahre zuvor hatte er die Verantwortung für den elterlichen Betrieb übernommen, weil sein Vater aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste. Der Betrieb umfasst heute rund 12 Hektar Weinbauflächen, der Ackerbau erstreckt sich über etwa 80 Hektar. Angebaut werden Kulturen wie Zuckerrüben, die stark von globalen Preisentwicklungen abhängen, aber auch Körnermais und Weizen.
Der politische Werdegang
Ein festangestellter Mitarbeiter sowie saisonale Kräfte unterstützen den Hof. Mit seinem Lohnbetrieb übernimmt Oswald auch Erntearbeiten für andere Höfe und organisiert den Abtransport der Erzeugnisse. Zusätzliche Einnahmequellen wie diese seien für viele Betriebe notwendig, um wirtschaftlich bestehen zu können. Nicht umsonst gebe es immer weniger landwirtschaftliche Betriebe. Moderne Landtechnik koste nämlich viel Geld, sagt Oswald. Ein neuer Mähdrescher beispielsweise schlägt schnell mit 300.000 bis 350.000 Euro zu Buche. Solche Entscheidungen binden Betriebe über Jahre und müssen sorgfältig abgewogen werden.
Politisch aktiv wurde Oswald 2009. Die Vorsitzende der Freien Wählergruppe Freckenfeld, Thea Weber, sprach ihn an; fortan wirkte er im Landwirtschaftsausschuss mit. 2019 wurde er in den Ortsgemeinderat gewählt und übernahm anschließend das Amt des Ersten Beigeordneten, das er bis 2024 ausübte. Ebenfalls seit 2019 gehört er dem Verbandsgemeinderat Kandel an, seit 2024 als Beigeordneter.
Inhaltlich setzt Oswald Schwerpunkte in Landwirtschaft, Gewerbe, Umwelt und Energie. Über die Landesliste der Freien Wähler bewirbt sich der Landwirt nun für den Landtag. Mit Listenplatz 11 auf einer 41-köpfigen Liste „sind die Chancen auf den Einzug allerdings gering“, schätzt er die Wahl realistisch ein.
Die Freien Wähler im Landtag
Der Landtag hat 101 Abgeordnete, die Freien Wähler sind dort derzeit mit vier Sitzen vertreten. Ursprünglich verfügte die Gruppierung über sechs Mandate. Durch Austritte im Oktober 2024 verlor sie zwei Sitze. Seitdem bilden die Freien Wähler keine Fraktion mehr, sondern eine Gruppe. Für den Fraktionsstatus wären mindestens fünf Sitze erforderlich.
Den Wahlkampf richtig starten will Oswald ab Donnerstag, 8. Februar. Von diversen Spendern erhalte er Unterstützung, denn Wahlwerbung verschlinge viel Geld.
Unabhängig vom Ausgang der Wahl will Oswald sein Engagement auf kommunaler Ebene fortsetzen. Neben Beruf und Politik ist ihm auch ein persönlicher Ausgleich wichtig. „In der etwas ruhigeren Winterzeit gehe ich gerne snowboarden, zudem jogge ich regelmäßig“, sagt er. Seit 30 Jahren engagiert er sich in der Freiwilligen Feuerwehr – ein Hobby, das für ihn Verantwortung, Zusammenhalt und Heimatverbundenheit bedeute.