Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Zu Besuch im Insheimer Glockenmuseum

Dieter Rühling weiß, wie man die Glocke richtig schwingt.
Dieter Rühling weiß, wie man die Glocke richtig schwingt. Foto: Iversen

Wie war das eigentlich, als noch keine Amtsblätter allwöchentlich ins Haus flatterten? Damals war der Mann mit der Glocke auf den Dorfstraßen unterwegs, eine stimmgewaltige Respektsperson. Im Insheimer Glockenmuseum erinnert die letzte Dorfbüttelglocke an die Ausrufer der Amtsnachrichten.

Dorfbüttel, das ist eigentlich ein norddeutscher Ausdruck, erklärt Hermann Scheid, der sich in der Insheimer Gemeindegeschichte bestens auskennt. Passt also nicht so richtig. Die Pfälzer sagen „Polizeidiener“, eine Bezeichnung, die noch aus der bayerischen Epoche stammt. Der Polizeidiener also, der nicht nur über eine starke Stimme, sondern auch über ein starkes Handgelenk verfügen musste, rief früher mit der Dorfbüttelglocke die Amtsnachrichten aus. Im heutigen digitalen Zeitalter erscheint so ein Mensch wie eine Figur aus Urgroßvaters Zeiten. Aber so lange ist das gar nicht her. Josef Hoffmann, der letzte seiner Art, hat bis 1966 geschellt und die Bekanntmachungen ausgerufen, erzählt Scheid.

1973 wird Büttelglocke arbeitslos

Danach begann ein neues „Informationszeitalter“: 32 Infotafeln wurden im Ort aufgestellt und mit Blättern bestückt, die per Matrize vervielfältigt worden waren. Hoffmanns Aufgabe war nun, sich neben jede Tafel zu stellen und zu läuten. Das Ausrufen konnte er sich sparen. Mit Gründung der Verbandsgemeinde Herxheim 1973 wurde die Glocke dann endgültig arbeitslos. Schade eigentlich, denn das Verkünden der Dorfneuigkeiten hatte zweifellos seinen besonderen Reiz. Da ging es nicht nur um Ratstermine, Müllabfuhr und Schneeräumdienst. Auch die Vereine konnten sich an den „Polizeidiener“ wenden mit der Bitte: „Mir hätten gern was g’schellt.“ Und wenn in einem bäuerlichen Betrieb „die Wutz g’schlacht“ wurde, war das natürlich auch eine glockenklar zu verkündende Neuigkeit.

Inzwischen ist die Büttelglocke zum Museumsstück geworden. Sie wurde vermutlich in den 1950er-Jahren von der Landauer Firma Ufer hergestellt, nachdem die Vorgänger-Glocke einen Sprung hatte und – wie peinlich – „schepperte“. Im Insheimer Glockenmuseum, das sehr attraktiv zwischen den Dachstuhlbalken des historischen Rathauses untergebracht ist, hat das schwere Stück mit dem abgewetzten hölzernen Griff einen Ehrenplatz in einer Vitrine bekommen. Wenn Schulklassen oder Gruppen ins Museum kommen, dann erzählt ihnen Dieter Rühling, erster Vorsitzender des örtlichen Kulturvereins, was es mit der Glocke auf sich hat.

Rund 700 Glocken ausgestellt

Sie ist übrigens gerade mal eines von rund 700 Ausstellungsstücken: Vom kleinen Bimmelglöckchen bis zur Kapellenglocke reicht die Auswahl im Insheimer Museum, erklären Dieter Rühling und sein Vize Dieter Kost stolz. Hausglocken und Kuhglocken, Eisenbahner-, Karussell- und Schiffsglocken sind zu besichtigen, und viele davon darf man mit einem kleinen hölzernen Stöckchen sogar zum Klingen bringen. Besonders die Kinder finden das toll und sind fasziniert von den vielen unterschiedlichen Klängen.

Die Idee für das ungewöhnliche Museum ist beim Dorfjubiläum 2007 entstanden, als Insheim seinen 1225. Geburtstag feierte und eine Glockenausstellung präsentierte. Die fand so viel Anklang, dass man die Sammlung weiterführte und drei Jahre später das Museum einweihte. Auf Flohmärkten oder beim Schrotthändler finden sich immer neue seltene Stücke, so die Kulturvereinsvorsitzenden. Aber nur eine einzige Glocke schlägt regelmäßig die Stunden: die im kleinen Türmchen des Rathauses aus dem 17. Jahrhundert. „Unsere Mutter“, sagt Dieter Rühling und lächelt.

Info

Das Glockenmuseum im historischen Insheimer Rathaus, Hauptstraße 17 (Eingang Rückseite), hat keine regelmäßigen Öffnungszeiten. Nur am Maifeiertag, beim Glockenfest rund ums Rathaus und beim Weinfest ist die Museumstür offen. Gruppen oder Privatpersonen können aber jederzeit mit Dieter Rühling, Telefon 0171 1434489, Besichtigungen vereinbaren.

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