Kreis Südliche Weinstraße Wunschbaum-Finale

Zwei Tage vor Weihnachten war Bescherung im Haus der Familie in Bad Bergzabern. Die Tische waren weihnachtlich gedeckt, Kerzen brannten und fast 100 Besucher waren gekommen, um Wünsche zu erfüllen oder einen Wunsch erfüllt zu bekommen.
„Seit drei Wochen knüpfen wir das Netz der Nächstenliebe, fast 100 Wünsche wurden an den Tannenbaum gehängt“, so Rainer Brunck, der Koordinator der Weihnachtswunschaktion, bei der die meisten Wünsche erfüllt wurden. Beim Finale konnten sich Wünschende und Erfüllende kennenlernen. Besonders berührt habe ihn der Wunsch der Mutter einer pubertierenden Tochter, die einen Erfahrungsaustausch suche, so Brunck. Die Mutter war da und bekam gleich am Tisch erste Ratschläge und sicher das Gefühl, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine ist. Spontan kam an diesem Nachmittag auch das Geld für eine Fahrkarte nach Polen zusammen, die sich ein 65-Jähriger gewünscht hat, um seine 85-jährige Mutter noch einmal besuchen zu können. „Ach, isch des schee, ich kennt grad heule“, war die Reaktion der gerührten Mama der fünfjähriger Sumer-Marie, die ein großes Barbiehaus geschenkt bekam. Die Mutter zweier Kinder kann sich diese Ausgabe nicht leisten. „Mein Mann geht arbeiten, bei einem Stundenlohn von gut fünf Euro haben wir rund 1400 Euro zur Verfügung, die Miete kostet 650 Euro“, erzählt sie. Gefreut hat sich auch eine 72-jährige Rentnerin über eine Küchenmaschine, ihre alte war kaputt gegangen. Mit 900 Euro Rente und mehr als 500 Euro Miete ohne Nebenkosten ist eine solche Anschaffung für sie nicht drin. Die Mutter der 19 Monate alten Sophie freut sich über ein großes Paket Stoff, um Kindersachen nähen zu können. In diesem Jahr war die Wunschbaumaktion auch geprägt vom Schicksal von Flüchtlingen. Eine junge Mutter aus Afghanistan freute sich über ein Fahrrad mit Kindersitz, mit dem sie ihre Tochter in die Kita fahren kann. Ein Mann aus Eritrea über warme Winterstiefel. „Das ist eine tolle Sache mit dem Wunschbaum, ich bin zum ersten Mal hier“, findet Beate Sturm. Sie will den Wunsch eines Mädchens erfüllen und ihm Sportsachen schenken. Ohne einen speziellen Wunsch hat Simone Gartz ein Schaukelpferd und ein Bobbycar mitgebracht. Im Foyer war ein Tisch aufgebaut mit gespendetem Spielzeug, aus dem sich die Kinder eines aussuchen dürfen. Ein Weihnachtsbaum mit der dazugehörigen Dekoration, viele Kleidungsstücke, Gutscheine für einen Einkauf, ein Essen oder Fahrräder waren gewünscht worden und wurden verschenkt. Alle freuten sich an diesem Nachmittag über das Geschenk eines völlig Unbekannten, den sie an diesem Nachmittag erstmals trafen. (pfn)