Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Wohnungsbrand: Nachbarn werden zu Helden

Ein Haufen verkohlter Küchengeräte zeugt vom Brand am Ostersonntag.
Ein Haufen verkohlter Küchengeräte zeugt vom Brand am Ostersonntag.

Beim Wohnungsbrand am Ostersonntag verhindern fast 100 Einsatzkräfte eine noch größere Katastrophe. Zwei Menschen, die das Drama hautnah miterleben, leisten Außergewöhnliches.

Für ein Ehepaar aus Bad Bergzabern gerät der Ostersonntag zur Tragödie. Am frühen Nachmittag brennt ihre Küche plötzlich lichterloh. Binnen weniger Minuten wird ihre Wohnung zur Ruine. Sie liegt in einem Mehrfamilienhaus mit zwei Gebäudetrakten. Achim Weiland erlebt das Drama hautnah mit. Er wohnt in dem Teil des Hauses, der nicht vom Brand betroffen ist. „Wir waren gerade beim Mittagessen“, erzählt Weiland. „Dann hat meine Frau aus dem Fenster geschaut und gesagt, dass es drüben aus einem Fenster heraus raucht.“ Die Familie, die gerade zusammen Ostern feiert, reagiert sofort und ruft die Feuerwehr. „Wir haben direkt das Besteck hingeworfen und sind rübergerannt“, erinnert sich Weiland. Dort habe er an den Wohnungstüren geklopft, um den Menschen Bescheid zu geben. „Die haben ja gar nicht mitbekommen, dass es brennt.“ Das gilt auch für das Seniorenpaar, in deren Wohnung der Brandherd liegt.

Insgesamt seien in dem Gebäudetrakt fünf Personen gewesen, präzisiert Weiland die Informationen vom Vortag, wonach 15 Menschen vom Brand betroffen gewesen sind. Bei dieser Zahl seien auch die dabei, die bei ihm im Haus waren, also in dem nicht direkt in Mitleidenschaft gezogenen Flügel. Auch sie müssen zunächst ihre Wohnungen verlassen. „Es hat dann auch ganz schön geknallt, als die Scheiben von der Hitze rausgeflogen sind“, sagt Weiland. Vermutlich ist es ihm und seiner Familie zu verdanken, dass bei dem Feuer keiner der Bewohner verletzt wird. Und dass die Flammen nicht weiter um sich greifen können, weil die Feuerwehr schnell informiert und vor Ort ist.

Ein Haufen verkohlter Küchengeräte

Dass der Brand vor allem in der Küche gewütet hat, wird zwei Tage nach dem Drama schnell deutlich. Unterhalb des Balkons liegt ein Haufen Schutt. Zu erkennen sind unter anderem eine Spülmaschine, ein Spülbecken, ein Kochfeld, eine Mikrowelle sowie Gabeln, Messer und Löffel. Alles ist deformiert und rabenschwarz verkohlt. Der beißende Geruch von Verbranntem liegt noch immer in der Luft. Ob aus anderen Zimmern noch Gegenstände zu gebrauchen sind, ist noch unklar. Dasselbe gilt für die Brandursache. Am Mittwoch werden Brandermittler der Kriminalpolizei und Gutachter vor Ort sein, wie Benjamin Preis, Sprecher der Kripo Landau, auf RHEINPFALZ-Nachfrage erklärt. Gegen Ende dieser oder Anfang nächster Woche rechne er damit, etwas zum Grund für das Feuer sagen zu können.

Werner Schmeckenberger stellt dem Paar, in dessen Wohnung es gebrannt hat, seine Wohnung vorübergehend zur Verfügung.
Werner Schmeckenberger stellt dem Paar, in dessen Wohnung es gebrannt hat, seine Wohnung vorübergehend zur Verfügung.

Wesentlich länger werden die beiden Senioren warten müssen, bis sie wieder in ihre Wohnung einziehen können – wenn eine Rückkehr überhaupt möglich sein wird. Kurzfristig sind sie immerhin untergebracht. „Sie fühlen sich gut versorgt“, berichtet Verbandsbürgermeisterin Kathrin Flory, die zusammen mit Stadtbürgermeister Hermann Augspurger so gut es geht unterstützt. So läuft die Suche nach einer längerfristigen Bleibe auf Hochtouren. Flory und Augspurger erzählen, dass sie die Fühler zum Beispiel nach einer Ferienwohnung ausstrecken.

Benötigt wird die ab Freitag. Bis dahin ist das Paar im nicht betroffenen Gebäudetrakt untergebracht. Und zwar bei Werner Schmeckenbecher, der ihnen seine Wohnung überlässt. „Das war ein spontaner Einfall von mir“, sagt er. „Wenn so etwas passiert, ist es doch selbstverständlich, dass man hilft.“ Er sei ja diese Woche sowieso nicht daheim, erzählt der Lkw-Fahrer, der beim Anruf der RHEINPFALZ gerade in Frankreich unterwegs ist. „Ich habe dann eine Nacht bei einer Bekannten übernachtet und am Dienstagmorgen bin ich ja dann schon losgefahren.“ Und wenn die Suche nach einer längerfristigen Wohnmöglichkeit ein paar Tage länger dauere, dann könne er auch noch ein paar Nächte zu seiner Bekannten ausweichen, betont Schmeckenbecher. „Die beiden sollen sich erst einmal beruhigen und alles sortieren.“

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