Kreis Südliche Weinstraße Wohlduftender Lebenstraum

In seinem Heimatort Schifferstadt hat der 62-Jährige von 1982 bis 2003 Gemüseanbau in großem Stil betrieben, unterhielt sogar eine Außenstelle in Sachsen-Anhalt. 15 Festangestellte standen einst auf seiner Gehaltsliste. Ungezählt waren die Aushilfskräfte. Dann verpachtete er seine Firma. Seither ist der gleichermaßen passionierte wie belesene Pflanzenheilkundler auf der Suche nach einem geeigneten Standort für einen Kräuterbetrieb. Beim Liebfrauenberg in Bad Bergzabern kam Schlosser nicht zum Zug. Dann richtete der dreifache Vater seinen Blick auf Heilsbruck, wo er die ideale Kombination Kloster-Kräuter erfüllt sah. Im Jahr 2006 erwarb der frühere Bandmusiker ein 6000 Quadratmeter großes Grundstück in der Klosterstraße, einst Standort einer Mühle, später Lagerhalle. Dann nagte der Zahn der Zeit an dem Gebäude, weswegen es nicht mehr zu nutzen war und lange leer stand. Doch als seine Pläne vom Aufbau eines großen Kräutergartens bekanntwurden, regte sich in der Nachbarschaft Widerstand. Es ging vor den Kreisrechtsausschuss und auch vor das Verwaltungsgericht. Darüber will Klaus Schlosser aber heute nicht mehr reden. „Das ist Schnee von gestern. Eine Mediation hatte Erfolg, wir pflegen jetzt ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis“, hat der Kräuter-Fan dieses Kapitel abgeschlossen. Reden will er lieber über die Erfüllung eines Lebenstraums, das Anlegen eines Geländes, „wo man die Natur in ihrer Ursprünglichkeit erfahren und mit allen Sinnen genießen kann“. Die Vielfalt von Heilkräutern, Duft- und Gewürzpflanzen sowie an alten und neuen Obst- und Gemüsesorten scheint grenzenlos. Schon am Eingang begegnet man mehr als 20 Lavendelsorten, teilweise aus England und Frankreich stammend, die Schlosser vermehrt hat. Einen weiteren Willkommensgruß verströmt der erfrischende Limettenduft der leuchtend grünen Zitronenverbene. Rund 100 verschiedene Kräuter kann man auf dem weitläufigen Garten bestaunen und erschnuppern. Aus Achtung vor der Historie wurde die historische Bausubstanz entweder erhalten oder in das Projekt integriert, Stein um Stein. Dort, wo einst der Klosterbetrieb der Zisterzienser blühte, gibt es Seminare, Kochkurse und Veranstaltungen rund um das Thema „Gesunde und genussvolle Ernährung“, „Selbstversorgung aus dem eigenen Garten“, „Düfte aus Blüten und Blättern“ und „Wissen über die Heilkräfte der Natur“. Etliche Gastronomen decken sich inzwischen bei Klaus Schlosser mit den außergewöhnlichen Zutaten ein, darunter über 20 Tomatensorten. Letztere werden in einer eigenen Gärtnerei aufgezogen. Die Ferienwohnung im Haupthaus wurde auch schon so manches Mal als Suite für Hochzeitspaare genutzt. Über einen uralten Mühlstein tropft Regenwasser in einen großen Teich, in dem aber keine Fische zu finden sind und der nur privat zum Schwimmen genutzt wird. Wo man auch auf dem Terrassengelände steht, überall fällt der Blick auf den Pfälzerwald auf der einen Seite und die Rheinebene auf der anderen Seite. Welches Sümmchen er investiert, das möchte Schlosser auf keinen Fall verraten: „Sonst würden manche Leute dann sagen, ich wäre ein Spinner.“ Aber siebenstellig dürfte der Betrag schon gewesen sein. Weil Schlosser nicht nur ein ideenreicher Projektentwickler, sondern auch handwerklich geschickter Tüftler ist, kann es nicht verwundern, dass er ein Destillationsgerät gebaut hat, in dem er Lavendelöl herstellt. Stolz ist der Natur- und Geschichtsliebhaber auch auf seinen Trockenturm: „Nachdem wir meistens Westtrift haben, wird die Luft über viele Kilometer von den zig Baumwipfeln geprägt. Das ist gut für die Qualität der getrockneten Kräuter.“ (mik) Info Bei dem Lavendelfest heute und morgen, jeweils 10 bis 20 Uhr, gibt es hinter den Klostermauern nicht nur Führungen, sondern auch kulinarische Köstlichkeiten, Getränke und Musik.