Lug RHEINPFALZ Plus Artikel Wo standen einst die beiden Mühlen in Lug?

Links des Rimbachs stand einst die Cunzsche Mühle, rechts des Bachs die Beckersche Mühle.
Links des Rimbachs stand einst die Cunzsche Mühle, rechts des Bachs die Beckersche Mühle.

Vor rund 100 Jahren gab es in Lug noch zwei Mühlen. Nur wenige Leute im Dorf wissen noch, wo sich einst die Mühlräder drehten. Denn heute ist nichts mehr davon zu sehen. Welche Geschichte steckt hinter den beiden Mühlen, die nah beieinander am Rimbach standen?

Zwei Mühlen zierten einst den Rimbach in der Mitte des südwestpfälzischen Dorfs Lug. Die ältere soll schon vor dem Ersten Weltkrieg aufgegeben worden sein, die jüngere stand bis 1927. Von Erika Scheibel kann man noch manch Interessantes über die Mühlen erfahren. Sie wohnt zwar in Stein, stammt ab er aus der alteingesessenen Luger Familie Kurz. Im Elternhaus am Dorfplatz wohnt heute noch ihre hochbetagte Mutter. Erika Scheibel beschäftigt sich viel mit Themen zur Heimatgeschichte. Dazu gehören die Schicksale der Mühlen von Lug. Denn, so verrät sie, ihr Großvater war der letzte Müller von Lug.

Das Dorf besteht schon seit etwa 1000 Jahren und hat von Anfang an zumindest eine Mühle besessen. Die erste Benennung Lugs stammt vom September 1046. Salierkaiser Heinrich III. vermachte den „Weiler Lug“ der Domkirche zu Speyer. So kann man es aus der Chronik der Gemeinde erfahren, die Günter Steigner 2001 verfasst hat. In der Urkunde ist bereits von einer Mühle in Lug die Rede. Ob es sich um die Beckersche Mühle gehandelt hat, also um die ältere der beiden Luger Mühlen, ist eher unwahrscheinlich. Im Pfälzischen Mühlenlexikon von Eberhard Ref ist sie für das Jahr 1768 verzeichnet als die Mühle des Franz Ludwig Becker, Müller und Schöffe in Lug, Sohn des Müllers Jakob Becker, und dessen Ehefrau Veronika. 1748 hatte er Johanna Katharina Heger geheiratet, die Tochter eines Präfekten des Fürsten in Bruchsal.

Von Sägemühle zu Mahlmühle

Die Angaben im Mühlenlexikon berufen sich auf das Mühlenverzeichnis des Oberamts Germersheim von 1768. Dort ist auch die zweite Luger Mühle registriert, die des Johannes Cunz. Er hatte 1726 die Erlaubnis zum Bau einer Sägemühle erhalten, womöglich auch mit einem Hammerwerk für eine Schmiede, sie aber später in eine Mahlmühle umgebaut. Deren Mahlwerk wurde von einem oberschlächtigen Mühlrad angetrieben. Das Wasser fiel also von oben auf die Schaufeln des Rads. Dadurch drehte es sich allein infolge der Schwerkraft des Wassers und lief gleichmäßiger als das unterschlächtige Mühlrad, das durch den Schub des Wassers angetriebene wurde wie angeblich bei der Beckerschen Mühle.

Die Luger Chronik bezieht sich allein auf diese „Cunzsche Mühle“. Laut dem Mühlenverzeichnis sollen beide Mühlen vom Rimbach bedient worden sein. Das Gewässer fließt von Schwanheim kommend quer durch das Dorf, ist vor allem in neuerer Zeit aber stark überbaut worden. Laut Erika Scheibel befand sich das Mühlrad der Cunzschen Mühle allerdings nicht am Rimbach, sondern am benachbarten Dimbach, der entlang der heutigen Mühlstraße floss, heute aber verschwunden ist. Unter dem Baugrund der heutigen Kirche mündete er einst in den Rimbach. Die Allerheiligenkirche war erst 1928 fertig und ist 40 Jahre später erweitert worden. Vorher gab es dort noch keine Häuser, lediglich die beiden Mühlen auf der Straßenseite gegenüber. Sie waren damals schon nicht mehr in Betrieb.

Wo standen Mühlen wirklich?

Aber wo standen die Mühlen wirklich? Erika Scheibel hat sich einen Auszug aus dem Urkataster 1828 besorgt. Dort sind die Gebäude eingezeichnet. Man muss vom Dorfplatz aus entlang der Kirche zur Mühlstraße gehen, sich dann mit dem Rücken zur Kirche umwenden und zur anderen Straßenseite hinüberblicken. Dort ist heute alles von Häusern ab Mitte des 20. Jahrhunderts zugebaut. Dem Rimbach ist nur ein schmaler Durchlass geblieben. Links zogen sich in geschlossener Gebäudefront die Bauten der Cunzschen Mühle hin bis zur Einmündung in die Mühlstraße. Rechts befanden sich die einzeln stehenden Häuser der Beckerschen Mühle. Die Ecke zur Dorfstraße, wo ihr Wohnhaus stand, nimmt mittlerweile wieder ein Haus wie damals ein.

Die genealogische Abfolge der Cuntz-Dynastie, die sich ab 1822 mit „t“ schrieb, ist in der Chronik lückenlos wiedergegeben. Es waren vermögende Müller mit umfangreichem Grundbesitz, den sie zu mehren verstanden. 1858 heiratete Johannes Paul Kurz in die Sippe ein. Er ehelichte Christine Schwartz, die Tochter der Mühlenbesitzerin Franziska Cuntz und des Bauern Nicolaus Schwartz aus Eschbach. Aus der Ehe ging Bernhard Kurz als der älteste Sohn hervor. Er lebte von 1867 bis 1942 und heiratete 1892 Amalie Elisabetha Kurz. Ihr Sohn Alois war Erika Scheibels Opa. Er betrieb die Mühle noch bis 1924. Damals war die Blütezeit des Müllerhandwerks schon Vergangenheit. Um die Jahrhundertwende waren die Großmühlen entstanden. Gegen die Konkurrenz in den Städten kamen die Kleinmühlen auf den Dörfern nicht mehr an. Mehr und mehr gaben sie auf. Die Nachkommen der Müller mussten sich ein neues Handwerk suchen, etwa in der zu florieren beginnenden Hauensteiner Schuhindustrie.

Die Serie

Fließgewässer waren für das Müllerhandwerk früher unersetzlich. An Bächen aufgereiht wie an einer Perlenkette, prägten Mühlen das Landschaftsbild. Viele sind dem Mühlensterben um die vorletzte Jahrhundertwende zum Opfer gefallen. Welche Geschichte steckt hinter den Bauwerken in der Südpfalz? Und wie werden die Anwesen heute genutzt? Diesen Fragen gehen wir in unserer Serie „Am rauschenden Bach“ nach.

Familie Kurz vor der Cunzschen Mühle, aufgenommen um das Jahr 1900.
Familie Kurz vor der Cunzschen Mühle, aufgenommen um das Jahr 1900.
Ein Blick auf das Dorf um 1900. Links vor der Kapelle stand das Wohnhaus der Beckerschen Mühle.
Ein Blick auf das Dorf um 1900. Links vor der Kapelle stand das Wohnhaus der Beckerschen Mühle.
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