Kreis Südliche Weinstraße Wo der Chef noch Lehrling ist

Bad Bergzabern. „Wir wussten gleich, dass es etwas Besonderes war, man fand nicht die ,üblichen Verdächtigen’ in der Kuchenvitrine, sondern kreative Eigenkompositionen, zudem hatte es uns das Fachwerkhaus mit dem Kachelofen im Gastraum angetan“, sagt Jürgen Meßler. Ab heute ist der Konditormeister Chef im „Neuen Herzog“ in der Marktstraße, das seit Herbst vergangenen Jahres geschlossen war.
„Die Idee, dass wir seine Produkte zum Teil weiterführen wollen, fand Herr Herzog toll und erklärte sich bereit, uns zu unterstützen“, sagt der „Neue“ und freut sich, in Gerhard Herzog, einen „Berater erster Güte“ zu haben. Unter diesen Umständen sei es leicht gefallen, die Zelte abzubrechen und nach Bad Bergzabern zu ziehen, sagt er. „Handgemachtes mit Herz“ ist die Devise von Jürgen Meßler und seiner Frau Eva Orth, die für den Service und den Mittagstisch zuständig ist. Die beiden haben mit Hochdruck bis zur heutigen Eröffnung in der Backstube und im Gastraum gearbeitet. Jürgen Meßler ist 44 Jahre alt, in Haßloch geboren und hat in einigen Cafés Erfahrungen gesammelt. Gelernt hat er mit 16 Jahren in der Confiserie Feller in Haßloch. „Ich habe einige Jahre gebraucht, um mich mit dem Beruf anzufreunden, klick hat es gemacht, als ich irgendwann selbstständig experimentieren konnte“, erzählt er. Gearbeitet hat er unter anderem im Café König in Ludwigshafen und im Café Elvers in Neustadt. Sein Traum war eine eigene Produktpalette, dieser Wunsch führte 2004 nach St. Martin, wo er das Café pachtete, in dem seine spätere Frau gearbeitet hat. „Die Liebe kam dann dazu“, sagen die beiden, die vor wenigen Monaten geheiratet haben, schmunzelnd. „Das hat nicht wirklich Spaß gemacht“, sagt die 45-jährige Eva Orth über ihren ersten Beruf der Bürokauffrau. Richtig Spaß gemacht hätten ihr dafür dann der Umgang mit Menschen, der Service, die Gestaltung und zahlreiche Kochkurse. „Wir haben lange nach etwas Eigenem gesucht.“ Irgendwann hätten sie von Gerhard Herzog gehört und man sei ins Gespräch gekommen. „Wir haben uns gesucht und gefunden.“ Der Kaufvertrag ist unterschrieben, die beiden wohnen inzwischen auch in der Marktstraße 48. Seit 1942 war das Café Herzog ein Familienbetrieb. Bis vor wenigen Monaten führten es Gerhard und Ruth Herzog. Gerhard Herzog ist zurzeit im Hintergrund noch unverzichtbar, denn vieles, was er in über 40 Jahren kreiert hat, wird weitergeführt. „Im Moment bin ich mehr der Lehrling“, fügt Jürgen Meßler an. Aber er lerne gerne, und Gerhard Herzog weihe ihn in die Geheimnisse seiner Confiserie ein. „Dafür bin ich ihm sehr dankbar, auf diese Weise können wir an die Tradition Herzog anknüpfen“, sagt der Konditormeister. Zum Beispiel mit dem Weinperleneis, der Karolinen- oder der Adam- und Evatorte. Außerdem hat Meßler natürlich seine eigene Produktpalette, die er vorstellen wird. „Beste Zutaten sind mir ganz wichtig“, sagt er und tritt damit in die Fußstapfen seines Vorgängers. Unterstützt wird er in der Backstube von Konditorin Irina Bestvater. „Wir wollen die Verbindung zum Gast und die direkte Resonanz auf unsere Produkte“, schildern die beiden ihre Motivation, in Bad Bergzabern zu investieren und das Risiko der Selbstständigkeit auf sich zu nehmen. Die Gasträume wurden vollständig renoviert und mit neuen Sitzmöbeln ausgestattet. Neu hinzugekommen ist auch ein Eislabor in der Küche. Angeboten wird zudem eine Auswahl verschiedener Trinkschokoladen. Zusätzlich wird es einen Mittagstisch mit selbstgemachten Nudelvariationen geben, für die Eva Orth zuständig ist. Beispielhaft nennt sie Ravioli mit Steinpilzfüllung, Spaghetti mit selbst gemachtem Pesto oder Gnocchi. „Frische Zutaten sind mir ganz wichtig“, sagt sie. Die Aufregung vor der Eröffnung, wie das „Neue Herzog“ ankommen wird, gehört dazu. Die potenziellen Gäste sind neugierig, wie die vielen Blicke beweisen, die im Vorübergehen durch die Fenster geworfen werden.