Kreis Südliche Weinstraße „Wir wissen ja, dass es nicht dauernd ist“

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Annweiler. Im Vergleich zu damals ist das, was diesmal abgeht, geradezu harmlos. Wie schon im letzten Jahr müssen im Straßenabschnitt Annweiler-Hinterweidenthal Teile der Fahrbahn erneuert werden, diesmal zwischen Rinnthal und Wilgartswiesen. Wochentags werden die Fahrzeuge notdürftig an der Baustelle vorbeigeleitet. Nur an vier Wochenenden hintereinander, von Freitagabend bis Montagfrüh, muss total gesperrt werden. Dann greift die Umleitung. Die Umfahrung von Annweiler in Richtung Pirmasens ist kürzer als im Vorjahr. Man muss nicht mehr den Umweg durchs Wellbachtal und über Leimen nehmen, sondern wird viel bequemer über die B 48 und die L 495, die sogenannte Schuhstraße, an Völkersweiler und Lug vorbei nach Hauenstein geleitet, von wo es wieder auf die B 10 geht. Der Transit-Lkw-Verkehr muss die B 10 ganz meiden. Es ist Freitag gegen 18.30 Uhr, eine halbe Stunde nach Beginn der zweiten Wochenendsperre. Ich habe mich neben der Straße bei Völkersweiler postiert. Hier reicht das Dorf mit ein paar Häusern nach Norden über die Durchgangsstraße hinaus. Kastanienbusch heißt der Ortsteil. Er ist durch eine Unterführung mit dem unterhalb und südlich gelegenen Hauptort verbunden. Innerhalb von fünf Minuten brausen in Richtung Hauenstein 47 Autos und fünf Motorräder vorüber, auch zwei Lastkraftwagen. 15 Pkw und ein Kradfahrer kommen mir entgegen, also viel weniger. Die eigentliche Umleitung in der Gegenrichtung läuft ja von Hinterweidenthal aus über Dahn und Bad Bergzabern. Auf dem Balkon des Hauses ein paar Meter neben der Straße plaudern munter zwei junge Mädchen miteinander, trotz des Krachs. „Ja, es ist jetzt schon recht laut“, lächelt Franziska, eine der beiden Jugendlichen. Sie wohnt hier, scheint etwas erstaunt über meine Frage zum Lärm zu sein. Nachts müssten halt die Fenster zugemacht werden. Einen Grund, sich darüber aufzuregen, ist das für sie nicht. Gerade ist die Mama, Melanie Zingel, mit dem Auto vom Einkaufen nach Hause gekommen. „Was soll man machen“, meint sie achselzuckend. „Wir wissen ja, dass es nicht dauernd ist.“ Aus der Zufahrt schießt soeben mit quietschenden Reifen ein Sportcoupé in die Straße hinein. „Blöd ist es eben an der Ausfahrt“, meint die Frau. „Weil die Autos mit Tempo aus beiden Richtungen kommen.“ Bei meiner Rückfahrt nach Annweiler staut es sich am Stoppschild an der Einmündung in die L 494. Zwei sich begegnende Lastzüge manövrieren zudem an der engen Abbiegung umständlich hin und her. Samstagvormittag gegen 9.30 Uhr, fünf Minuten lang gleiche Zählstelle wie am Vorabend: 19 Autos in Richtung Hauenstein, 15 in Richtung Annweiler, Lkw und Motorräder keine. Ich fahre weiter und hinunter nach Lug. Am Platz in der Dorfmitte fallen mir ungewohnt viele entgegenkommende Autos aus Richtung Sarnstall auf, die am Platz rechts abbiegen und die enge Straße hinauf zur Umleitungsstrecke nehmen. Offenbar kennen sie sich aus, wollen abkürzen oder vertrauen blind ihrem Navi. Es sind fremde Nummernschilder dabei. Im Dorfladen nebenan steht die Tür offen. Verkäuferin Patricia Burkard nickt auf meine Frage, ob der Verkehr wegen der Umleitung zugenommen habe. „Man merkt’s schon“, sagt sie. „Auch Lkw. Die dürfen hier gar nicht hochfahren. Und dabei stehen doch überall Schilder, das Navi abschalten.“ Als ich das Sträßchen hinauffahre, kommen mir drei Autos entgegen, auch ein Lieferwagen und ein Fahrzeug mit belgischem Nummerschild. Ich muss zurücksetzen, um sie durchzulassen. Auf der Umleitung ist es jetzt erheblich lebhafter geworden. Es gibt auch ganz Schlaue. Die nehmen von Sarnstall aus die Straße nach Lug, biegen aber nach Spirkelbach ab und fahren weiter nach Wilgartswiesen, von wo sie bequem wieder auf die B 10 kommen, ohne durch Hauenstein zu müssen. Auch Lastzüge sollen darunter sein. An der schmalen Durchfahrt unter der Eisenbahnbrücke habe es aber bisher keine Probleme gegeben, versichert Wilgartswiesens Ortsbürgermeister Jürgen Brödel. Beschwerden von Anwohnern kenne er auch nicht. „Aber“, fügt er warnend hinzu, „am kommenden Wochenende, also 18. und 19. Juni, kann es kritisch werden.“ Dann findet in Spirkelbach der Dorfmarkt statt, und die Ausweichstrecke ist dicht gemacht. Aus Richtung Hinterweidenthal gibt es für die Bewohner von Wilgartswiesen und dem Hermersbergerhof dann keine Zufahrt mehr. Daher wird nur an diesem Wochenende bei Hauenstein die Sperrung in Richtung Landau aufgehoben, aber nur für die Anlieger. Wer meint, er käme weiter, steckt dann in Wilgartswiesen fest. Aber im Grunde, findet Brödel, habe der Landesbetrieb Mobilität diesmal die Sache wirklich gut hingekriegt.

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