Kreis Südliche Weinstraße „Wir brauchen mehr Ehrenamtliche“

Placeholder-Image

„Die schlimmste Zeit kommt jetzt im Winter für ältere Menschen, die alleine oder nicht mehr so mobil sind“, sagt Rainer Brunck. Der bisherige Koordinator der Aktivitäten im Haus der Familie in Bad Bergzabern ist seit gut vier Wochen Seniorenreferent der protestantischen Kirchengemeinde und wird sich in Zukunft mit diesem Problemen befassen.

Rund 500 Senioren werden seit zehn Jahren jährlich vom Fahrdienst des Seniorenbüros zum Einkaufen oder zum Arzt gefahren. Oder zur Tafel, weil das Geld nicht reicht, um Lebensmittel im Supermarkt einzukaufen. Seit einigen Jahren ist der demografische Wandel in aller Munde, Bad Bergzabern nimmt heute schon mit weit mehr als 30 Prozent Menschen, die älter als 60 Jahre sind, eine Sonderstellung ein. Bereits vor zehn Jahren hat die protestantische Kirche mit der Gründung des Seniorenbüros diesem Umstand Rechnung getragen. Die Idee kam von der Gruppe Umschwung 55, Senioren, die sich zusammentaten, um unter anderem Kochnachmittage oder PC-Kurse für ältere Menschen anzubieten und die bis heute aktiv sind (Rita Baier, Lutz Fery Hans Füß, Anna Salewski). Das Seniorenbüro bietet dienstags und donnerstags einen Telefondienst an, bei dem man sich für diverse Fahrten anmelden kann. Irma Zaucker ist eine der Ehrenamtlichen, die seit fünf Jahren am Telefon sitzt. „Wir haben zirka 750 Anrufe pro Jahr“, sagt sie. Angefragt werde unter anderem wegen Einkaufsfahrten, Arztbesuchen oder des Abholens von Rezepten. „Einige wollen auch von der Pro Seniore in ihr Haus, um nach dem Rechten zu sehen, es gab auch schon Anrufe, bei denen Senioren gefragt haben, ob sie jemand besuchen kommt“, erzählt Irma Zaucker aus der Praxis. Für diese Besuche würden ebenfalls dringend ehrenamtliche Helfer gesucht. Das Seniorenbüro breiter aufzustellen, auch sehr gerne in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche, ist eine Aufgabe, die sich Rainer Brunck in seinem neuen Amt gestellt hat. „Wir brauchen mehr Ehrenamtliche, der Bedarf ist da, wir haben zu wenig Leute“, ist schon jetzt die Bilanz des 50-jährigen Seniorenreferenten und Familienvaters, der bisher Jugendpfleger und Familienreferent im Kirchenbezirk war. Auf seine neue Aufgabe freut er sich. „Ich will mit ganzem Ohr zuhören, ein bisschen Freude bringen, ich habe hohen Respekt vor der Lebensleistung der Menschen“, so Brunck. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, Gottesdienste in der Pro Seniore abzuhalten, Menschen dort zu besuchen und sie auf Wunsch auch beim Sterben zu begleiten. Außerdem koordiniert er die wöchentlichen Nachmittage der Zentralen Anlaufstelle für Senioren, an denen Referenten der unterschiedlichsten Gebiete (Polizei, Pflegedienst, Anwalt) bei einem gemütlichen Nachmittag, zu dem regelmäßig 20 bis 25 Besucher kommen, für Fragen zur Verfügung stehen. Auch hier fehlen Ehrenamtliche, die Kaffee kochen und die Besucher bewirten. Rund 200 Freiwillige arbeiten zurzeit ehrenamtlich in und um das Haus der Familie, in dem wöchentlich rund 30 Veranstaltungen stattfinden, und im Kirchenbezirk. Das Telefon des Seniorenbüros ist jeden Dienstag und Donnerstag von 10 Uhr bis 12 Uhr geschaltet, Fahrten gibt es jeden Dienstag und Donnerstag ab 14 Uhr, Telefon 06343 6100680. Wer sich für ein Ehrenamt interessiert, kann sich unter derselben Nummer melden oder einfach im Haus der Familie vorbeischauen. (pfn)

x